Skat ist kein Glücksspiel, sondern erfordert Geschicklichkeit, Konzentration und Aufmerksamkeit. Die Geselligkeit kommt beim 1. Hanauer Skatclub 1962 aber auch nicht zu kurz. Foto: Swierzy

Hanau

Geschick und gutes Essen: Zu Besuch beim 1. Hanauer Skatverein

Skat. Gerne wird in Hanau das Kartenglück bemüht. Wobei beim Skat genaugenommen neben Glück vor allem Konzentrationsfähigkeit und Durchsicht benötigt werden. Einige Skatvereine gibt es in der Region, teils blicken sie durchaus auf erfolgreiche Zeiten zurück.

Von Philipp Swierzy

Der 1. Hanauer Skatclub 1962 ist einer davon. Auf einen herbstlichen Besuch im Seminarraum der Main-Kinzig-Halle.

Montagabend, 19.30 Uhr. Entspannt trudeln die Mitglieder des 1. Hanauer Skatclubs im Seminarraum der Main-Kinzig-Halle ein. Weiße Wände, grelles Licht, keine Bilder an der Wand. Kneipensportatmosphäre fühlt sich eigentlich anders an. Immerhin gibt es eine Bar. Und an der ist auch Betrieb. Christian Narewski, Vorsitzender des traditionsreichen Hanauer Skatclubs, steht gemeinsam mit Bruder und Kassierer Andreas Narewski sowie Beisitzer Frank Hestermann am Tresen. „Ich befürchte, dass heute mehr Leute Skat im Internet spielen“, sucht Christian Narewski nach Erklärungen für die Mitgliedschaftsentwicklung im Skat.

In Deutschland weit verbreitet

An jedem Montagabend treffen sich die aktiven Spieler des 41 Mitglieder zählenden Klubs in diesem Raum zum Skatspielen. Jede Woche wird eine interne Vereinsmeisterschaft ausgespielt. Die Mitglieder zocken um einen kleinen finanziellen Einsatz. Wenn um 20 Uhr alle da sind, werden je vier Spieler pro Tisch ausgelost und verkündet. Hestermann liest dann laut vor, wer es mit wem zu tun bekommt. Dann setzen sich alle an die Tische. Mit den bekannten Gesichtern zusammen sein. Geselligkeit ist ein Grund, warum es viele Mitglieder hierher zieht.

Skat ist vor allem in Deutschland weit verbreitet. In Gaststätten werden regelmäßig offene Skatturniere veranstaltet. Als der Hanauer Skatclub gegründet wurde, spielten die Mitglieder noch im „Goldenen Löwen“ in der Hanauer Vorstadt, später in der „Kleinen Parkwirtschaft“ in Wilhelmsbad. „Ein Skatverein ist kein Gesangverein. Da gibt es wenig Kameradschaft, sondern Rivalität“, meint Gründungsmitglied Kurt Schmidt, deutscher Mannschaftsmeister 1976 und immer noch aktives Mitglied des Klubs. „Wir haben trotzdem eine ganz gute Gemeinschaft hier“, so der dienstälteste Skatspieler im Raum.

Jüngstes Mitglied ist 40

„Früher war ich leidenschaftlicher Fußballer“, erinnert sich Schmidt. „Aber mit 20 hatte ich einen schweren Unfall, war über vier Jahre lang in Krankenhäusern und das war das Aus. Und dann habe ich mir den Skat als Hobby gesucht.“ So ganz glücklich über diesen Verlauf klingt er damit nicht. Vielleicht ist er etwas hobbymüde geworden. „Poker ist auch interessant, aber da habe ich kein Geld dafür“, schmunzelt er.

Dem Verein fehlte die vergangenen Jahre der Nachwuchs. Das jüngste Mitglied ist der Vorstandsvorsitzende Christian Narewski. Er ist 40 Jahre alt. „Ich bin quasi der letzte Jugendspieler, den der Verein hatte“ beschreibt Narewski. Doch es ist Land in Sicht. Die Mitgliederzahl ist wieder gestiegen. Marion Frank aus Gelnhausen, langjähriges Mitglied im Hanauer Skatverein, bringt seit einigen Wochen zum Beispiel ihre zwölfjährige Tochter Annemarie mit. Sie hebt die Frauenquote drastisch und vor allem senkt sie den Altersdurchschnitt.

Bundesligateam in Wolfgang

Annemarie kommt, weil „man hier andere Leute kennenlernt“. Und auch in der Schule profitiert sie vom neuen Hobby. „Ihre Mathelehrerin hat sich gefreut“, erklärt Mutter Marion. „Wenn wir in der Schule rechnen, bin ich als Erste fertig“, lächelt die Schülerin. So oder so ähnlich kommen junge Menschen heute zum organisierten Skat. Christian Narewski hat es noch anders kennengelernt. „Mein Vater hat früher mit Kumpels in der Küche gespielt. Dann habe ich mich auch dafür interessiert“, erinnert er sich. Im ländlichen Bereich werde noch viel gespielt, aber heute spielen viele Spieler lieber online. „Die meisten guten Vereine kommen vom Land. Dort trifft man sich noch.“

Das Bundesland Hessen beherbergt etwas mehr als 100 Skatvereine und zählt damit zu einer der Hochburgen des Skatspiels. In Hanau-Wolfgang gibt es einen Skatverein, der sogar in der ersten Bundesliga spielt. Mit über 2000 Skatspielern gehört Hessen zu den fünf mitgliederstärksten Skatverbänden. In Relation zur Einwohnerzahl ist Hessen der drittstärkste von zurzeit 13 Landesverbänden.

Körperliche Fitness nicht entscheidend

Skat wird im Gegensatz zu den meisten anderen Kartenspielen sportlich organisiert betrieben, mit Skat-Verbänden, Vereinen, Ranglisten und sogar einer Bundesliga. Die zweite Mannschaft des1. Hanauer Skatvereins ist erst kürzlich aus der untersten Spielklasse aufgestiegen, die erste Mannschaft ist hingegen von der zweiten Liga in die Regionalliga abgestiegen. „Die Wolfgänger sind richtig gut. Wenn ich früher noch häufiger gespielt hätte, wäre ich vielleicht auf das Niveau gekommen, aber jetzt schaffe ich das nicht mehr“, meint Narewski.

Körperliche Fitness ist beim Skat offensichtlich nicht entscheidend. Da Skat kein Glücks-, sondern vielmehr ein Geschicklichkeitsspiel sei, so Narewski, sind Konzentrationsfähigkeit und Aufmerksamkeit wichtig.

Meisterschaftsspiele können nämlich bis zu sechs Stunden dauern. „Du musst mitzählen, Leute beobachten, Spielzüge erkennen und erahnen, wie die Karten sitzen“, erklärt Narewski. „Es ist komplexer als andere Kartenspiele. Und du hast sehr viele interessante Charaktere als Gegner. Die Leute sind vom Typ her oft eher grantige Mitmenschen und können nicht gut verlieren, was absolut das Schöne daran ist.“

Der Sport kommt aber vor allem auch dem Magen zugute. „Wenn Sie sich die Mitspieler ansehen, dann ist die körperliche Fitness weniger wichtig. Du hast hier ein paar Bäuchlein. Das Schöne ist, wenn du auf den Dörfern spielst, kommst du rum und probierst die verschiedenen Spezialitäten“, schwärmt Narewski. Ganz in diesem Sinne veranstaltet der 1. Hanauer Skatclub 1962 am Jahresende das traditionelle Schinkenpreis-Skatturnier.

Gutes Fleisch vom Spessart-Metzger wird dann traditionell an den ersten drei Montagen im Dezember im Skatraum der Main-Kinzig-Halle an die Sieger der Skatpartien verschenkt. Auf die Geselligkeit und möglicherweise das ein oder andere neue Mitglied!

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