Die amtierende Weltmeisterin steigt wieder in den Ring: Nach der Titelverteidigung gegen Französin Anne Sophie Da Costa (rechts) im Mai wird es für die Nidderauerin Sarah Bormann am 14. Dezember im Karlsruher Weihnachtszirkus wieder ernst. Archivfoto: Ralf Bauer

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Gegen eine Finnin: Sarah Bormann will ihre WM-Gürtel verteidigen

Boxen. Sarah Bormann hat schon viele Fights im Ring bestritten. Was die in Nidderau lebende Boxerin aber am Samstag vor die schlagkräftigen Fäuste bekommt, ist die bis dato größte Herausforderung ihrer noch jungen Profikarriere – und richtungsweisend für deren weiteren Verlauf.

Von Oliver Kraus

Denn der zwölfte Profikampf, den „Babyface“ am Samstag und damit fast auf den Tag genau zwei Jahre nach ihrem Debüt im Rahmen der „Champions-Night – Die Rückkehr der Gladiatoren in die Manege“ im Karlsruher Weihnachtszirkuszelt gegen Lotta Loikkanen (Finnland) bestreiten wird, ist ein Alles oder Nichts-Bout.

Titelkampf der IBF winkt bei Sieg

Bestreitet die 29-jährige Halbfliegengewichts-Kämpferin gegen die in sechs Kämpfen noch ungeschlagene 35-jährige Finnin die vierte Verteidigung ihrer Gürtel der Boxverbände GBU (Global Boxing Union), WIBF (Women’s International Boxing Federation) und WBF (World Boxing Federation) erfolgreich, winkt eine lukrative Herausforderung um den Weltmeistertitel der IBF (International Boxing Federation) – dem Verband, der in Deutschland durch die Heroen Henry Maske oder Sven Ottke Bekanntheit genießt.

„Sollte sie den Kampf gewinnen, wäre Sarah aber wohl auch in den anderen großen Verbänden WBA und WBC die unangefochtene Nummer-Eins-Pflichtherausforderin. Deshalb ist der Kampf so wichtig. Sie muss gewinnen, wenn sie das erreichen will, was sie sich vorgenommen hat“, erklärt Benjamin Romero, Bormanns langjähriger Coach.

Dreimal am Tag trainiert

Seit zwölf Jahren ist der Kenner der Szene an ihrer Seite, kennt seinen Schützling in und auswendig und hat die aufstrebende Boxerin auch dieses Mal intensiv auf das anstehende Duell vorbereitet. „Das war mit Abstand das härteste Training, das wir je hatten. Sie hat über acht Wochen hinweg drei Mal pro Tag trainiert, trotz Vollzeitjobs“, so der 42-Jährige.

Denn wenn Bormann nicht im Gym oder Ring schwitzt, steht die Linksauslegerin für eine Bäckerei hinter der Ladentheke. Dank der letzten beiden Monate ist die vierfache deutsche Meisterin nach eigener Aussage „so fit wie noch nie“, hat sie doch auch zusätzlich noch Schwimmeinheiten in den Trainingsalltag eingebaut, um noch mehr Kondition aufzubauen. Und auf die wird es ankommen.

Bormann ist die Favoritin

Denn auch wenn die meisten Experten Bormann als Favoritin sehen: Die Entscheidung fällt im Ring. Und es ist laut Romero sehr wahrscheinlich, dass die von ihrem Management als legitime Nachfolgerin von Regina Helmich geadelte Hessin über die volle Distanz von zehn Runden gehen muss.

Denn ihre Kontrahentin Loikkanen ist ein zäher Brocken, wie Romero bestätigt: „Sie ist robust, schlagstark, hat eine gute Kondition und Physis. Sie kann definitiv sehr viel einstecken, geht vorwärts. Man muss gegen sie aufpassen, nicht ausgeboxt zu werden und am Ende nach Punkten hinten zu liegen.“

Zwei Strategien ausgearbeitet

Daher hat der Coach eine Strategie mit zwei Varianten zurecht gelegt. Gelingt Plan A, kommt Bormann in den Nahkampf, lässt sich nicht wegschieben und drückt dem Fight so schnell ihren Stempel auf. Wird die gelernte chemisch-technische Assistentin aber auf Distanz gehalten, soll sie die aggressiv nach vorne stürmende, defensiv eher schwächere Finnin mit schneller Beinarbeit und seitlichen Ausfallschritten ins Leere laufen lassen.

Kontern soll sie dann aus dem toten Winkel heraus, um wie vor sechs Jahren als Amateurin gegen ihre Kontrahentin die Oberhand zu haben. „Ich denke, dass das fruchten wird. Wir haben das in über 100 Sparrings-Runden gegen Männer geübt“, so Romero.

Dank der umfassenden Vorbereitung ist auch Bormann gleichermaßen selbstbewusst: „Mein Ziel ist es, klar zu gewinnen und dann den IBF-Kampf zu bekommen. Ich gehe mit breiter Brust in den Fight. Ich habe alles trainiert, was ich musste, habe alles gegeben.“

Freunde und Familie supporten Bormann

Deshalb stand diese Woche auch im Zeichen der Regeneration, um wieder Energie zu sammeln – und für den Kampf die Werbetrommel zu rühren. Denn in die boxerische Heimat Karlsruhe werden Bormann nicht nur Freunde und Familie begleiten, sondern auch einige Vereinskolleginnen und -kollegen der TG Hanau.

„Ich denke, das Zelt wird toben“, sagt Bormann, die der lokale Support schon in den vergangenen Kämpfen zu Höchstleistungen angetrieben hat. Wer aber nicht live vor Ort sein kann, kann die 1,63 Meter große Athletin live auf fight24.tv verfolgen.

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