Stadionatmosphäre: „Rondo“-Sportsbar-Geschäftsführer Dominic Infurna Buscarino schaut auf seinen größten Bildschirm, auf dem die Top-Spiele laufen. Foto: Swierzy

Hanau

Wo funktioniert das Konzept "Sportsbar"?

Sport. Mehr Live-Sport, mehr Gewinn? Ja! Für einige Sportsbars scheint sich Sky zu lohnen. So sehen längst nicht alle Sportsbar-Betreiber ihre Existenz durch die Sky-Gebühren gefährdet. Bei ihnen greift das Sky-Werbeversprechen für Gastronomen, das da lautet: „Mehr Live-Sport. Mehr Gäste. Mehr Umsatz.“

Von Philipp Swierzy

Die Größe, die Anzahl der Sitzplätze und der Standort der Lokalität sind für die Höhe der Kosten entscheidend. Die „Delphin“-Sportsbar in Klein-Auheim zählt laut Inhaber Burak Kilinc zu den Profiteuren des Live-Sport-Angebots von Sky. Kilinc ist der Meinung, „das ist eine Win-Win-Situation“ für seine Sportsbar und den Pay-TV-Anbieter.

Das „Delphin“ misst 240 Quadratmeter. Kilinc zahlt monatlich knapp 1000 Euro an Sky. Bei Topspielen mit Beteiligung von Eintracht Frankfurt, Bayern München oder Borussia Dortmund ist das „Delphin“ voll und die Rechnung geht für Kilinc auf. Mit geschätzten „180 bis 200 Zuschauern“ an so einem Tag und „15 Euro pro Kopf“ kann er sich die Abgaben für Sky problemlos leisten.

12, 29 Euro pro WocheDie Rechnung von Kilinc klingt den von Sky zusammengestellten Zahlen sehr ähnlich. Beim gemeinsamen Mitfiebern in einer Bar zahle jeder der 1,9 Millionen „außer Haus“-Zuschauer laut Sky pro Woche 12,29 Euro für einen Kneipenbesuch.

Wie bei fast allen Sportsbars sind die Stammgäste auch für das „Delphin“ unverzichtbar. In der Klein-Auheimer Sportsbar ist regelmäßig ein 36-köpfiger Eintracht-Fanclub zugegen. Bei zwei Eintracht-Spielen im Monat und einem 15 Euro pro Kopf-Verzehr vorausgesetzt, wären die Kosten für Sky so schon wieder drin. Kilinc, der auch Inhaber der BomBar in Klein-Auheim ist, gibt aber zu, dass auch er Gaststätten-Betreiber kenne, die Sky abschaffen wollen oder es bereits getan haben. Das Utopia in der Steinheimer Ludwigstraße sei ein Beispiel hierfür.

Keine Gefahr für die Vereinsgaststätte der GermaniaZu den positiven Beispielen, bei denen sich die Ausstrahlung von Live-Sport für die Betreiber noch wirtschaftlich lohnt, zählt auch die Vereinsgaststätte von Germania Dörnigheim. Der Inhaber der „Zur Germania“, Frank Pütter, zahlt monatlich 444 Euro für Sky. Da das Abonnement über den Verein läuft, spart Pütter gut 200 Euro pro Monat. Die Gebühren machen trotzdem rund ein Viertel seiner Gesamtkosten aus. Die Existenz der Kneipe gefährde das aber nicht.

Pütter findet jedoch, dass die horrenden Gebühren, die Jahr für Jahr steigen, trotzdem unverhältnismäßig seien. Insbesondere in Anbetracht der Freitags- und Montagsspiele, die Sky nicht mehr überträgt. Dabei fällt Leistung weg, die es bisher gab, „aber der Preis ist gleich geblieben“, erklärt Pütter. Was ihm auch Sorge bereite, sind die Übertragungsrechte ab der kommenden Fußballsaison. Dann kommt neben Eurosport noch der Anbieter DAZN dazu, der ebenfalls Spiele anbieten wird. Vor allem die Champions League wird hier betroffen sein.

Viele hätten Sky abgemeldetÄhnlich verhält es sich auch mit „Vessi’s Bier Pub“ in der Hanauer Innenstadt. Inhaberin Veselina Dimitrova zahlt ungefähr 570 Euro im Monat für die gewerbliche Sky-Nutzung. Für ihren 63 Quadratmeter großen Pub ist Fußball unverzichtbar. Die Stammgäste kämen zwar auch zum „Würfeln und Kniffeln“, aber vor allem samstags eben auch zum Fußball schauen. „In Hanau haben viele befreundete Gastwirte Sky abgemeldet, weil es zu teuer war“, weiß Dimitrova.

Betrügen sei übrigens schwierig. Sky überprüfe die gemachten Angaben laut Dimitrova entweder per Internetrecherche oder sogar durch einen vor Ort Besuch.

Sky verlange viel„Das ist viel Geld, was Sky verlangt“, erklärt auch Dominic Infurna Buscarino, Inhaber der 430-Quadratmeter großen „Rondo“-Sportsbar in Steinheim. Das Rondo im neu geschaffenen Steinheimer Gewerbepark ist eine Art moderner Sporttempel und ein Highlight für Sportfans. Es gibt mehrere Flachbildschirme, eine riesige Leinwand für das jeweilige Topspiel und einen zusätzlichen Raum, damit neben der Eintracht samstags auch die Bundesliga-Konferenz mitverfolgt werden kann.

„Dadurch das wir mehrere Bereiche abdecken“, erklärt Buscarino, habe das Rondo keine Probleme bundesligafreie Samstage aufzufangen. Buscarino spielt auf Billard- und Tischfußballtische sowie Dartautomaten an.

„Die stehen bis draußen“Da das Rondo auch die englische Premier League oder die NFL über DAZN zeigt, sind meist einige Sportfans zugegen. Die Strategie Diversifizierung des Angebots sorgt im Rondo dafür, dass die „annähernd“ vierstelligen Sky-Gebühren nicht zum Problem werden. „Wenn ich eine Bar hätte, die nur auf Sky, Bundesliga und Sport ausgerichtet wäre, könnte ein Geschäft in dieser Größe nicht überleben“, weiß Buscarino. „Dann müsste der Laden immer brechend voll sein und das läuft nicht.“ Ein Vorteil für Sportsbar-Betreiber ist aktuell auch, dass DAZN und Eurosport noch kein Preissystem für Gewerbetreibende entwickelt haben, das greift. Für beide Dienste sind kaum höhere Beiträge als von Privatkunden zu bezahlen. Bei Spielen der Eintracht hat Buscarino über 100 Gäste. „Die stehen bis draußen“.

„Eine Sportsbar wird überleben können, weil es die zweite Stufe nach dem Stadion ist“, erklärt Buscarino. „Hier haben wir eine kleinere Version von einem Stadion. Wir schaffen hier eine Wohlfühlatmosphäre.“

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