Zwei Schwergewichte des American Football in Hessen: Hornets-Pressesprecher Achim Korn (links) wird nach der Derby-Niederlage gegen Offenbach von Rockets-Sprecher Thorsten Kruppka getröstet. Foto: Blurred Pics

Football

Football-Urgestein über Status Quo der Hornets und der Sportart

American Football. 40 Jahre nach Gründung des ersten Hanauer American Football Clubs Hanau Hawks schwächelt deren Erbe. Die Hanau Hornets kämpfen gegen den Abstieg aus Liga vier. Achim Korn, ihr langjähriger Pressesprecher, spricht im Interview über den Status Quo des Klubs und der Sportart, Perspektiven und Forderungen.

Kann man schon jetzt sagen, was in der laufenden Saison nicht passt oder war dieser Tabellenstand vorhersehbar?

Wir waren vor der Saison eine Wundertüte. Klar war für mich allerdings, dass es um den Klassenerhalt oder wenn es gut läuft, um einen Platz im Mittelfeld geht. Wir haben 70 bis 80 Prozent Neulinge, die noch nie mit dem Sport zu tun hatten. So gesehen bin ich von der bisherigen Entwicklung des Teams sehr angetan, denn am Anfang der Saison hätten sich alle Teams gegenseitig schlagen können. Was wir dringend brauchen, ist ein zusätzlicher Trainer im O-Line-Bereich, auch wenn da eine Entwicklung in die richtige Richtung eingesetzt hat.

Es fällt auf, dass einige Hornets, ob Trainer oder Spieler, zur direkten Konkurrenz wechseln. Verlassen die „Ratten das sinkende Schiff“ oder steckt da doch mehr dahinter?

Zunächst einmal sind ehemalige Hornets-Spieler keine 'Ratten', sondern immer noch Hornissen, auch wenn es sich um ehemalige Akteure oder Trainer handelt. Sie haben sich um das Team und den Verein verdient gemacht und haben unseren Respekt.

Vom sinkenden Schiff will ich auch nicht reden, denn es ist einfach so, dass es in einer größeren Gemeinschaft Diskrepanzen und andere Vorstellungen gibt, Philosophien driften auseinander. Irgendwie hat sich die Situation dann so ergeben, dass sich die Trainer entschlossen haben, den Verein zu verlassen, was aber nicht überraschend kam, sondern angekündigt wurde. Wenn Trainer lange Zeit ein Team trainieren, dann ist es nur natürlich, dass sie auch einige Spieler bei einem Wechsel mitziehen.

Geht der augenblickliche Footballboom in Deutschland durch die TV-Übertragungen über die NFL an den Hornets vorbei oder partizipiert man doch von ihm, zum Beispiel im Nachwuchsbereich?

Was heißt Footballboom in Deutschland? Ich würde eher sagen, da geht es in erster Linie um die NFL und den Collegefootball im TV, hier sind stetig wachsende Quoten zu verzeichnen, in den Stadien schlägt sich das nur zögerlich nieder. Die Zuschauerzahlen in unseren Top-Ligen waren schon einmal deutlich höher, wenn ich da so an die 90er Jahre denke, wo ein German Bowl vor 25 000 oder auch mal 30 000 Zuschauern gespielt wurde.

In Hanau hatten wir in den 90ern einen Zuschauerschnitt von rund 4500. Da sind wir jetzt noch weit entfernt davon. Allerdings muss man sagen, früher mussten die Leute ins Stadion gehen, um Football zu sehen. Heute kann man das Internet nutzen, da gibt es so viele Möglichkeiten bis hin zu Spielen der unteren Ligen, das kostet mit Sicherheit auch den einen oder anderen Zuschauer.

Zeigen die Vereine genügend Einsatz?

Viele Vereine sind auch selbst schuld, dass das Interesse nicht so hoch ist. Da werden Homepages einmal im Jahr aktualisiert, wenn die Spieltermine eingestellt werden, und das war es. In vielen Vereinen findet das Thema Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im stillen Kämmerlein statt. Teilweise werden Pressemitteilungen weggeschickt, da sträuben sich mir die Nackenhaare, da ist auf Vereins- und auch Verbandsebene gewaltig Luft nach oben. Mit Ach und Krach wird oftmals ein Spielbericht im Stile eines Schulaufsatzes zusammengestrickt und den Pressevertretern um die Ohren gehauen. Man muss halt klappern, wenn man Zuschauer haben will.

Das gilt auch für den Nachwuchsbereich?

Im Nachwuchsbereich macht sich der NFL-Boom schon bemerkbar. Klar, dass dann viele Kids und Jugendliche zu den Trainings auftauchen und das berühmte Lederei werfen wollen. Hier müssen wir Vereine aufpassen, dass wir im Jugendbereich weiterhin qualitativ gut arbeiten können.“

Einige in Hanau ausgebildete Nachwuchsakteure wie Simon Otto schafften zuletzt den Sprung in Liga 1 mit Frankfurt Universe. Schwingt da Stolz mit, oder ist man bei den Hornets enttäuscht, wenn ein Rookie den Klub verlässt?

Das ist so eine Sache, da bin ich immer zwiegespalten. Im Fall von Simon Otto ging es gut. Aber da gehören auch die Rahmenbedingungen dazu. Zum Beispiel ein Coach, der einem jungen Spieler das Vertrauen gibt, in der GFL zu bestehen und diesem Rookie dann auch die nötige Spielzeit zugesteht. Ich empfehle einem Jugendspieler, sich eher behutsam zu bewegen und einen Schritt nach dem anderen zu gehen. Der Sprung in den Seniorenbereich ist generell nicht ohne. Wenn man dann noch ein oder zwei Jahre im Seniorenteam des Stammvereins spielt, kann man sich ohne Druck weiterentwickeln und dann den Sprung nach oben wagen. Aber auch da haben sich die Zeiten geändert.

Wie meinen Sie das?

In der ersten Liga ist alles größer dimensioniert, alles ist bunter, das Stadion vielleicht schöner und die Fans frenetischer. Das lockt junge Menschen natürlich. Dazu kommt dann noch, dass talentierte Spieler auch viel versprochen bekommen, die Welt in rosaroten Farben gemalt wird und so unterschreibt der eine oder andere vielleicht vorschnell einen Spielerpass oder gar Vertrag. Oftmals stellen die jungen Spieler dann fest, dass zwischen dem, was versprochen wird, und dem, was am Ende passiert, Welten liegen können.

Ich kenne einige Jungs, denen Spielzeiten, Ausbildung und/oder das eine oder andere Schmankerl versprochen wurde und dann haben sie auf der Bank geschmort. Dazu hat sich das Verhalten der jungen Spieler geändert. Wir haben in den letzten Jahrzehnten einige Talente hervorgebracht, die aber immer in Hanau gespielt haben und vielleicht am Ende ihrer Karriere gewechselt sind. Ich denke da zum Beispiel an die beiden Baptist-Brüder, einen Rene Möll, Carlton Fritzsche oder Spieler wie Alexander Höhl, Pascal Mahr, Andre Jones, die noch immer oder wieder für Hanau spielen. Diese Loyalität zum Verein gibt es nicht mehr.

Stichpunkt Jugendarbeit – wie sieht die Lage in dem Bereich aus?

In meinen Augen läuft die Jugendarbeit in vielen GFL-Teams nicht so, wie es eigentlich sein sollte oder könnte. Da wird zu wenig getan und am Ende der Jugendsaison siehst du immer wieder die Scouts der GFL-Teams bei den Jugendspielen. In den kleineren oder auch kleinen Vereinen hat die Jugendarbeit einen viel höheren Stellenwert. Da müsste am Ende auch so eine Regelung wie beim Fußball her, wo kleine Vereine von Bundesligisten teilweise entschädigt werden. Die 'Großen' sollten hier mehr in die Pflicht genommen werden. Aber da ist der Verband gefordert – eine der Regularien zum Erhalt der Bundesligalizenz ist ja der Nachweis von Jugendarbeit beziehungsweise Jugendteams, da müsste man mehr in die Tiefe gehen, um festzustellen, ob wirklich Jugendarbeit betrieben und geleistet wird oder aber das Ganze nur eine Alibifunktion hat.

Das Interview führte Uwe Lange.

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