Bei Michael Altenhofen ersetzen die Ohren beim Schießen die Augen. Der sehbehinderte Schütze ist in seinem Sport sehr erfolgreich. Foto: Privat

Sportschießen

Erfolgreicher Sportschütze trotz Sehbehinderung

Sportschießen. Der Gebrauch von Schusswaffen im Sport müsste doch vor allem eines voraussetzen: Der Schütze sollte das Ziel sehen, es anvisieren und nicht mehr aus den Augen lassen können. Doch auch sehgeschädigte Menschen finden Gefallen am Sportschießen.

Von Philipp Swierzy

Das Zentrum der Zielscheibe erlauschen blinde Schützen mit ihren Ohren. Ein Maintaler ist ziemlich gut darin, das Diabolo – auch ohne die Kartonscheibe vor Augen zu haben – ruhig und überlegt in deren Mitte zu befördern. Michael Altenhofen macht vor, wie man ohne Sehfähigkeit ins Schwarze trifft.

Der 30-Jährige wurde erst kürzlich bei der Maintaler Sportlerehrung für seine besonderen Leistungen ausgezeichnet. Die Ehrenurkunde der Stadt Maintal bekam Altenhofen, weil er bei der deutschen Meisterschaft, die jährlich in München stattfindet, den dritten Platz belegte. Zum dritten Mal in Folge gewann der Maintaler Bronze. Seit über zehn Jahren nimmt er an dem Wettkampf der besten deutschen Sportschützen mit Sehbehinderung teil.

Nur wenige Teilnehmer bei Meisterschaften

Das Teilnehmerfeld in der bayrischen Landeshauptstadt sei überschaubar, meint Altenhofen. „Das Problem bei sehbehinderten und blinden Schützen in Deutschland ist, dass es zu wenige gibt“, findet er. „Ich habe mal gehört, dass es rund 150 geben soll. Da weiß ich aber ehrlich gesagt nicht, wo die alle sind.“ Altenhofen muss es wissen. Seit 2003 ist er Sportschütze. Bei den Landesmeisterschaften sowie den deutschen Meisterschaften kenne man sich. Mehr als 20 Teilnehmer kommen selten.

„Früher war der Zulauf beim Schießsport größer“, meint Altenhofen. „Das merkt man auch bei der SSG Maintal.“ Neben Altenhofen schießt nur Alexandra Grünauer, eine ebenfalls sehbehinderte Schützin, bei der SSG (insgesamt 38 Vereinsmitglieder). Die Unbekümmertheit der sehbehinderten und blinden Schützen ist umso bemerkenswerter. Sich auch auf nationaler Bühne zu präsentieren, ist eine mutige Entscheidung für ein normales Leben.

Schütze kann nur zwischen hell und dunkel unterscheiden

Altenhofen ist seit seiner Geburt sehbehindert. Er kann noch zwischen hell und dunkel unterscheiden sowie „Umrisse erkennen“, aber sonst muss er sich auf seine anderen Sinne verlassen. Als junger Mann kam Altenho-fen zum Schießsport, weil er schon immer gerne die Paralympischen Spiele im TV verfolgte. Vor allem Biathlon hatte es ihm angetan. Die Spannung beim Schießstand weckte in Altenhofen Interesse. Da sein Vater seit 1998 Vorsitzender bei der SSG Maintal war, lag der Gang in den Verein nahe.

Vor allem Ruhe brauche man laut Altenhofen, um den Schuss genau zu setzen. „Man darf nicht wackeln, sonst trifft man weder die zehn noch die Scheibe.“ Bei Landesmeisterschaften haben Schützen bis zu 40 Schuss. Die reine Wettkampfzeit beträgt rund 60 Minuten. Bei deutschen Meisterschaften und 60 Schuss benötigen Schützen noch mehr Ruhe, Ausdauer und Konzentrationsfähigkeit. „Wenn man nur Siebener und Achter trifft, wird man unruhig.“ Umso zentraler der Schütze die Scheibe trifft, desto höher die Punktzahl. „Man muss schon irgendetwas ganz falsch gemacht haben, sollte man die Scheibe überhaupt nicht getroffen haben.“

Lichtsensor erzeugt akustisches Signal

Das zehn Meter entfernte Rund wird durch Licht angestrahlt. Der hellste Punkt befindet sich in der Scheibenmitte. Der entscheidende Sinn für Altenhofen ist aber die auditive Wahrnehmung. Sein Luftgewehr ist mit einem lichtempfindlichen Sensor ausgestattet. Sobald Altenhofen die Scheibe anpeilt, reagiert der Sensor auf die unterschiedlichen Helligkeitsstufen. Helles Licht erzeugt einen höheren Dauerton, dunkles einen tieferen. Über seinen Kopfhörer zielt er auf die Zehn in Ein-Cent-Münzengröße. Sein Schussergebnis kann Altenhofen haptisch aus nächster Nähe selbst erleben. Per Seilzug wird die Kartonscheibe zum Schützen transportiert, der anschließend mit den Händen erfühlt, wie cool er letztlich geblieben ist.

Die Sportschützengemeinschaft 1975 Maintal war der erste hessische Schützenverein, der Sehbehinderten und Blinden das Schießen ermöglichte. Wenn es nach Altenhofen geht, dann können es gern wieder mehr Mitstreiter werden. Neben Körperbeherrschung und innerer Ruhe und Kontrolle braucht dieser Sport also vor allem wieder mehr Gesellschaft. Weil Michael Altenhofen aber nicht nur aufs Sportschießen beschränkt ist, engagiert sich der Maintaler außerdem noch beim Torball bei der SSG Blista in Marburg. Trotz Einschränkungen eben ein Mensch mit vielen Interessen und mutigen Absichten.

Das könnte Sie auch interessieren