Sowohl die deutschen Hockey-Herren als auch die Frauen durften sich in Rio über Bronzemedaillen freuen. Auch damit können sie sich wie Gewinner fühlen, sagt Björn Emmerling. Wir haben mit dem in Hanau lebenden Ex-Nationalspieler gesprochen, der 2004 in Athen selbst Gold bejubelte. Archivfoto: sth

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Emmerling: Hockey-Medaillen als versöhnlicher Abschluss

Hockey. Die beiden deutschen Hockey-Nationalmannschaften haben bei diesen Olympischen Spielen jeweils die Bronze-Medaille gewonnen und für einige packende Spiele mit denkwürdigen Momenten gesorgt. Wir haben mit Björn Emmerling über den Turnierverlauf gesprochen. Der in Hanau lebende Ex-Nationalspieler gewann 2004 in Athen die Bronzemedaille.

Von Robert Giese„Nach zwei Goldmedaillen war die Erwartungshaltung an die Männer natürlich riesig“, erklärt Emmerling, aber in der Mannschaft habe es nach London einen Umbruch gegeben: Viele junge, neue Spieler seien zum Team gestoßen, dazu mit Valentin Altenburg ein neuer Trainer, der nicht einmal ein Jahr lang mit der Mannschaft arbeiten konnte. „Unter dieser Prämisse haben sie ein sensationelles Turnier gespielt“, zeigt sich Emmerling begeistert.

In der Gruppenphase setzten sich die Männer souverän durch, mussten bei vier Siegen nur ein Unentschieden hinnehmen und zogen damit als Gruppenerster ins Viertelfinale ein, wo Neuseeland auf die Deutschen wartete. „Da hat die Mannschaft nicht so frei aufgespielt, man hat ihr angemerkt, welcher Druck in der K.o.-Phase herrscht.“Männer mit mitreißender AufholjagdFünf Minuten vor Schluss lag Deutschland 0:2 hinten, ließ dann aber einen denkwürdigen Schlussspurt folgen, in dem Kapitän Moritz Fürste erst durch zwei Strafecken ausgleichen konnte und Florian Fuchs schließlich gerade einmal 0,7 Sekunden vor Abpfiff den 3:2-Siegtreffer erzielte. „Das war der größte olympische Moment, den ich je erlebt habe“, so Emmerling zur mitreißenden Aufholjagd der Deutschen, „in dem Moment dachte ich: Wer so ein Spiel noch gewinnt, der holt auch Gold.“

Es sollte jedoch anders kommen: Im Halbfinale traf das deutsche Team auf Argentinien – gegen die Südamerikaner hatte sich Deutschland in der Gruppenphase mit einem 4:4 begnügen müssen, das Semifinale ging gar mit 2:5 verloren. „Da haben wir wie mit angezogener Handbremse gespielt. Für die jüngeren Spieler war es das erste olympische Halbfinale, vielleicht war das der Knackpunkt“, vermutet Emmerling.Duell der Erzrivalen im Spiel um Platz dreiArgentinien hingegen sei viel präsenter aufgetreten und gut auf Deutschland eingestellt gewesen, das Halbfinale und später auch das Finale gegen Belgien hätten die Südamerikaner daher völlig verdient gewonnen.

Im Spiel um Platz drei kam es dann zum Duell mit dem Erzrivalen, der Niederlande – eine Partie, die Experten eher für das Finale erwartet hätten. Dort zeigte sich Deutschland deutlich verbessert, verpasste es trotz deutlichem Chancenplus aber, das Spiel in der regulären Spielzeit zu entscheiden – es kam zum Penaltyschießen. „Das ist eine unglaubliche Nervenbelastung“, erläutert Emmerling, aber die Deutschen präsentierten sich ganz abgezockt, verwandelten alle Pe-naltys und sicherten sich damit die Bronzemedaille.Bronzemedaille fühle sich auch „ziemlich geil“ anNach Ansicht des Ex-Nationalspielers fühle man sich auch mit Bronze wie ein Gewinner: „Ich selbst habe ja auch die Bronzemedaille gewonnen und kann daher sagen, wie sich das anfühlt – und zwar ziemlich geil.“ Dass Mannschaftskapitän Moritz Fürste mit einem derartigen Erfolg seine Karriere in der Nationalmannschaft beendet, freut Emmerling: „Irgendwann ist es schließlich auch mal gut, und dann ist es super, so abzutreten.“

Auch die Frauen reisen aus Rio mit einer Bronzemedaille ab – für sie gab es nach der Halbfinalniederlage gegen die Niederlande im Spiel um Platz drei noch ein Happy End. War die Frauenmannschaft in London noch ohne Edelmetall geblieben, so war diesmal Bronze der verdiente Lohn für einen überraschend starken Auftritt in Brasilien, der mit dem 2:1-Sieg im „kleinen Finale“ gegen Neuseeland den passenden Abschluss fand.

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