Passionierter Leichtathlet und Elefantenfigurensammler: Der Dörnigheimer Marcel Wendelin feiert heute seinen 80. Geburtstag. Das Lauf-Ass kann auf zahlreiche Erfolge und ein bewegtes Leben zurück blicken. Foto: Jan Max Gepperth

Leichtathletik

Ehemaliger Olympionike Marcel Wendelin wird 80 Jahre alt

Leichtathletik. 21,6 Sekunden beim Vorlauf über 200 Meter bei den Olympischen Spielen 1960 in Rom. Das ist etwas, das dem Dörnigheimer Marcel Wendelin immer bleiben wird. Am heutigen Freitag feiert der ehemalige Leichtathlet seinen 80. Geburtstag, weshalb er noch einmal auf sein Leben zurückblickt.

Von Jan Max Gepperth

Geboren wird Wendelin 1939 in Seebergen, Nahe Gotha, in Thüringen. Nachdem sein Vater aus der Kriegsgefangenschaft der Amerikaner freikommt, wird dieser als Schulrektor im Rhein-Main-Gebiet eingesetzt. 1951 holt der Vater dann seine Familie nach und lässt sich in Dörnigheim nieder.

Schnell wurde Maintal zur neuen Heimat des sportbegeisterten jungen Mannes. „Ich war schon immer zum Laufen veranlagt“, schmunzelt Wendelin, der daher bald Mitglied bei der Turngemeinde in Dörnigheim wurde. „Bei einem Gauturnfest in Mühlheim bin ich allen davongelaufen“, erinnert sich der Rentner. Dort wurde er angesprochen und zu weiteren Veranstaltungen eingeladen. „Es hat sich einfach immer weiter hochgeschaukelt. Erst lief ich in Schlüchtern und Hanau. Dann die Staffel in Schweinfurt, bei der wir deutscher Jugendmeister wurden.“

„Da kamen mir dann schon die Tränen“

Die Ausscheidungen zu Olympia fanden anschließend in Erfurt in der damaligen DDR statt. Für Wendelin war das eine besonderes Erlebnis. Schließlich war er seit Jahren nicht mehr in der Heimat gewesen. „Wir sind mit dem Zug durch meinen Geburtsort gefahren. Da kamen mir dann schon die Tränen“, gibt er zu.

Nach seiner Teilnahme bei Olympia holte Wendelin noch 1962 mit seinem Verein Eintracht Frankfurt die deutsche Meisterschaft in der Staffel. Doch bald darauf endete seine sportliche Karriere.

Glückliche Zeiten: Marcel Wendelin (Zweiter von links) feierte zahlreiche Erfolge mit der Staffelmannschaft. Immer noch regelmäßiger Kontakt

„1963 habe ich bei einer Ingenieursfirma in Frankfurt angefangen, die sich auf Raffinerien spezialisiert hatte. Da blieb keine Zeit mehr für das ganze Training.“ Zudem wurde er mehrmals für längere Zeit ins Ausland geschickt, was das Training noch weiter erschwert hatte.

Doch auch, wenn er selbst nicht mehr aktiv war, so ist der Kontakt zu seinen Sportkameraden nie abgebrochen. „Mit den Jungs, mit denen wir die deutsche Meisterschaft geholt haben, sind wir immer regelmäßig zu Leichtathletik-Großveranstaltungen gefahren“, berichtet der pensionierte Ingenieur. Allein deshalb würde er heute auch nichts anders machen wollen. Denn diese Kameradschaft habe auch die Reisen immer zu etwas besonderem gemacht. „Flugzeug, Hotel, Sportplatz. Mehr habe ich auf den Reisen ja nicht gesehen“, lächelt Wendelin.

Mehrere Operationen an der Wirbelsäule

Obwohl die Zeit als Sportler relativ kurz war, so hat sie doch ihren Tribut gezollt. Denn körperlich hat Wendelin einen hohen Preis zu zahlen. „Wir haben mit Gewichten trainiert und damals von der Ernährung keine Ahnung gehabt. Damit habe ich mir vermutlich alles kaputt gemacht.“ Während Wendelin, der mehrmals an der Wirbelsäule operiert werden musste, darüber resümiert, wirkt er ruhig. Keine Spur von Verbitterung ist in seiner Stimme zu hören. „Der Arzt sagt sogar, dass er einen so schlimmen Rücken wie meinen nur einmal im Jahr sieht.“

Heute lebt der gebürtige Thüringer mit seiner Frau und Familie in seinem Haus in Dörnigheim, unweit des Hauses, wo er mit seinen Eltern aufwuchs. Körperlich ist er zwar nicht mehr in der Lage sportlich aktiv zu sein, doch er hatte sich trotzdem lange Zeit bei der Turngemeinde engagiert.

Wum und Wendelin

Zudem hatte er sich ein anderes kleines Hobby zugelegt: Elefanten sammeln. Die Geschichte dahinter hat mit Wim Thölke zu tun. „In seiner Sendung 'Der große Preis' gab es die Figuren 'Wum und Wendelin'. Und am nächsten Tag hatte man mir einen Elefanten auf den Schreibtisch gestellt. So hat das alles angefangen.“

Heutzutage besitzen das Ehepaar Wendelin über achtzig verschiedene Elefantenfiguren aus den unterschiedlichsten Materialien. Seinen heutigen Ehrentag wird Marcel Wendelin vermutlich im Kreise seiner Familie verbringen. Und wer weiß; vielleicht kommt eine weitere Elefantenfigur zu seiner Sammlung hinzu.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema