So berichtete der HANAUER im Dezember 1969 über das Trainingslager der deutschen Ruderer. Foto: HA

Rudern

Deutschland-Achter hält vor 50 Jahren Trainingslager in Hanau ab

Rudern. Hanau ist schon lange eine gute Adresse im Rudersport, was sich bereits im Dezember 1969 zeigte, als der Deutschland-Achter ein Trainingswochenende in der Brüder-Grimm-Stadt und auf dem Main einlegte. Vor 50 Jahren hatten die Athleten dabei mit einigen Widrigkeiten zu kämpfen, vor allem durch das harsche Dezemberwetter.

Während in diesem Jahr der Dezember mehr durch Schmuddelwetter als durch eisige Temperaturen auffiel, herrschten vor einem halben Jahrhundert zum Jahresabschluss winterliche Verhältnisse in Hanau. So war die Aschebahn im Wilhelmsbader Stadion, auf der die Ruderer eine Laufeinheit absolvieren mussten, „unter einer Schnee- und Eisschicht nur zu vermuten“ – ein Umstand, der in jüngerer Zeit im Dezember wohl nur noch ausnahmsweise auftritt.

Ob es an den ungünstigen äußeren Bedingungen lag oder daran, dass die „langen Kerls“ – der kleinste Ruderer maß bereits 1,88 Meter – ihre Ausdauer lieber auf Wasser in flüssiger Form bewiesen, die Ergebnisse des 3000 Meter-Laufs, den Achter-Trainer Manfred Rulffs seinen Sportlern verordnet hatte, waren jedenfalls mau. Doch getreu seinem Motto „Pardon wird nicht gegeben“, war die Laufeinheit nicht der einzige Härtetest, den sich Rulffs für seine Schützlinge ausgedacht hatte.

Diese waren nach Hanau gekommen, weil der Verband nicht die Mittel aufbringen konnte, den über das Land verstreuten Kader jedes Mal zum gemeinsamen Training ins schleswig-holsteinische Ratzeburg zu schicken. Als Trainingsort bot sich aus praktischen Gründen deshalb die zentraler gelegene Brüder-Grimm-Stadt an, wo der Ruderclub Hassia die Gastgeberrolle ausfüllte.

Die kürzeste Anreise

Das dürfte vor allem Rolf Hartung und dem Steuermann Lutz Benter sehr gelegen gekommen sein, denn beide starteten für die Hassia und hatten somit die kürzeste Anreise. Diesen praktischen Gründen ordnete Rulffs viel unter, denn ideal waren die Trainingsbedingungen in Hanau nicht. Doch der Bundestrainer sah das gelassen: „Die Mannschaft ist technisch noch nicht ganz ausgereift, daher tut es ganz gut, dass sie auf allen möglichen Gewässern und in allen möglichen Booten lernt.“

Das Programm hatte es dabei in sich, denn unter anderem bat der Coach den Achter zu insgesamt dreimal 18 Kilometern auf dem Wasser, und zwar „mit Spurts und allen Schikanen“. Das Trainingswochenende in Hanau war dabei nur Teil mehrerer Maßnahmen, denn in jenem Winter ging es noch zweimal nach Ratzeburg und außerdem absolvierte der damals nicht ganz zur Weltspitze gehörende Achter ein Höhentraining in Silvretta – und zwar erstmals im Winter.

Großes Ziel von Rulffs war es, den Achter wieder nach oben zu führen, vor allem im Hinblick auf die Weltmeisterschaft 1970 in Kanada. Dabei setzten die Deutschen auf eine verschworene Gemeinschaft im Achter, auch wenn diese aus rein sportlicher Sicht nicht die stärkste Besetzung war. Das winterliche Trainingsprogramm mit Zwischenstopp in Hanau brachte im Hinblick auf die WM übrigens nicht ganz den durchschlagenden Erfolg: In Kanada landete der Achter hinter der DDR, der Sowjetunion und Neuseeland auf dem vierten Rang. rob

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema