Blickt optimistisch auf die Heimwettkämpfe: Die Bruchköbelerin Daniela Grund will bei den deutschen Meisterschaften im Behindertensport in Roßdorf eine Medaille gewinnen. Foto: Privat

Tischtennis

Deutsche Meisterschaften: Daniela Grund will eine Medaille

Tischtennis. Daniela Grund leidet an progressiver Sklerodermie, dennoch gibt sie beim Tischtennis für den TV Roßdorf alles. Bei den deutschen Tischtennismeisterschaften im Behindertensport ab Freitag in Roßdorf will Grund angreifen und den Zuschauern zeigen, was Menschen mit einem Handikap so alles können.

Von Sabrina KwasniokAufgetreten ist Grunds Behinderung erst im Alter von acht Jahren. Plötzlich konnte sie im Tennistraining den Schläger nicht mehr richtig in der Hand halten. Für die damals Achtjährige ein Schock. Es folgte ein jahrelanger Marathon zu verschiedenen Ärzten. Rheuma stand im Verdacht. Bis Anfang der 90er Jahre die Diagnose fiel: Sklerodermie.

Erkrankung des Bindegewebes

Progressive Sklerodermie ist eine Erkrankung des Bindegewebes. Dieses ist zu schwach, was dazu führt, dass das Gewebe verkrampft und somit auch Gelenke und Glieder anfangen zu verkrampfen und sich verformen – mit den Jahren immer schlimmer. Gerade am Morgen leidet Grund sehr unter ihrer Krankheit. Dann setzt die sogenannte Morgensteifheit ein.

Diese beeinträchtigt die 35-Jährige auch beim Tischtennis. Gerade wenn Spiele am frühen Morgen stattfinden, braucht Grund eine längere Zeit, um sich einzuspielen und ihre Gelenke zu lockern. „Ich muss schauen, dass ich mich gut einspiele. Ansonsten kann ich mir etwas beim Spielen zerren“, erklärt die Spielerin.

Zudem besitzt Grund einen speziellen Schläger. Dieser unterscheidet sich im Griff zu herkömmlichen Tischtennisschlägern. Reinhold Maisch, einer ihrer Trainer, hat extra einen Schläger mit einem speziellen Griff gebaut, welcher abgeschrägt ist. Diesen benutzt die 35-Jährige heute noch.

Mit 15 zum Tischtennis

Zum Tischtennis gekommen ist Grund im Alter von 15 Jahren. Sie ist vom Fußball zum Tischtennis übergegangen. „Ich habe vom großen weißen Ball zum kleinen weißen Ball gewechselt“, scherzt Grund. Zu der Zeit spielte sie noch in einer Frauenmannschaft auf Landesliga-Ebene. Doch aufgrund ihrer Behinderung wurde die Belastung durch den Fußball für sie zu groß. Im Tischtennis hat die damals 15-Jährige eine neue Liebe für sich entdeckt. Zum Sport und zum Verein.

Mehrere Dinge faszinieren Grund am Tischtennis. Zum einen begeistert sie der Ehrgeiz, den man braucht. „Jeder kämpft für sich alleine am Tisch“, so Grund. Dennoch sei es für sie auch immer ein schönes Gefühl, gemeinsam mit der Mannschaft zu spielen. „Tischtennis fordert den Kopf, die Koordination, Kommunikation und bringt den Einzelnen an seine Grenzen, da es ein sehr schneller Sport ist“, beschreibt die Spielerin ihre Sportart. „Jedes Spiel ist individuell.“

Einzi​ge Lokalmatadorin

Bei den Tischtennismeisterschaften ist Grund die einzige Lokalmatadorin. Sie tritt in der Behindertenklasse 9 an, eine der untersten Behinderungsgrade im Turnier. Zwar spielt sie auch im Doppel, das Ziel für die Spielerin im Einzel ist aber klarer. Nachdem sie im vergangenen Jahr bei den deutschen Meisterschaften den Bronzerang errungen hat, möchte sie diesen in diesem Jahr auch behaupten. Weiter oben sieht sie sich aber nicht. „Meine zwei stärksten Konkurrentinnen sind einfach zu jung für mich“, lacht die 35-Jährige.

Für ihr Ziel trainiert Grund aktuell dreimal pro Woche mit ihren zwei Trainern. Mit diesen trainiert sie gesondert verschiedene Ballübungen für Koordination, Kondition und Schnelligkeit, um perfekt auf die Meisterschaften vorbereitet zu sein.

Doch Grund tritt nicht nur im Behindertensport an. Mit dem TV Roßdorf spielt sie auch in der Bezirksoberliga im Nicht-Behindertensport mit. Die 35-Jährige fühlt sich dadurch stärker und braucht dies als Ausgleich zu ihrem Berufsleben.

Unterschiede der Klassen

Grund sieht aber Unterschiede zwischen den beiden Klassen: „Im Behindertensport wird gnadenlos auf die Behinderung gespielt.“ Das bedeutet, dass die Handikaps der einzelnen Spieler ohne Probleme gegen diese ausgespielt werden, um zu siegen. Im Normalsport hingegen müsse man den Spieler lesen und herausfinden, wo dessen Schwächen liegen.

Die Höhepunkte ihrer bisherigen Karriere sind für Grund aber nicht ihre Erfolge. 2011 wollte sich die damals 27-Jährige für die Paralympics in London qualifizieren. Sie reiste durch halb Europa, um an verschiedenen internationalen Spielen teilnehmen zu können. Für die Paralympics hat es zwar nicht gereicht, dennoch war es für Grund ein einmaliges Erlebnis, auf solch professioneller Ebene spielen zu dürfen. „Es ist beeindruckend zu sehen, was andere Nationen so alles draufhaben.“

Zwar sind die Paralympics für Daniela Grund immer noch ein Traum, doch die 35-Jährige bleibt realistisch. Sie sei zu alt für dieses Ereignis und müsse den Jüngeren den Vortritt lassen. Auf deutscher Ebene will Grund aber erfolgreich bleiben. Dafür soll kommendes Wochenende in heimischer Halle eine Medaille her.

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