Raus mit Applaus: Der Nidderauer Nico Kurz hat die Darts-Elite aufgemischt. Bei seiner WM-Premiere schied er gestern in Runde drei gegen Luke Humphries. Der Engländer sagte nach dem hochklassigen Match: "Nico hätte den Sieg genauso verdient gehabt." Foto: Heiko Lehmann

London

Darts-WM: Kurz scheidet nach starkem Spiel aus - Lob vom Gegner

Darts. Mit einem breiten Grinsen im Gesicht klatschte Nico Kurz noch einmal in Richtung der 3000 Zuschauer m Londoner Alexandra Palace, streckte den Daumen in die Höhe und verließ danach die größte Darts-Bühne der Welt.

Von Heiko Lochmann

Nico Kurz verlor nach einer weiteren Galavorstellung in der dritten Runde mit 2:4 gegen den 24-jährigen Engländer Luke Humphries. „Klar bin ich jetzt im ersten Moment etwas enttäuscht, aber das ist gleich schon wieder vorbei. Diese Woche war so voll mit tollen Momenten, dass die Freude überwiegt“, sagte der 22-Jährige nach seiner Niederlage.

Während die deutsche Nummer eins Max Hopp und die deutsche Nummer zwei Gabriel Clemens bei der Weltmeisterschaft mit schwachen Leistungen enttäuschten, bekam Kurz trotz seiner Niederlage großen Applaus und viele Komplimente. Er verlor zwar, lieferte aber die beste deutsche Vorstellung seit langem im Ally Pally ab.

Humphries erwischte den besseren Start in die Partie und konnte Kurz im vierten Spiel des ersten Satzes breaken. Mit 3:1 ging der erste Satz an den Engländer, doch das rief bei dem Deutschen keine Reaktion hervor. Ruhig und gelassen ging er von der Bühne in die Pause.

Erste Reaktion des Nidderauers

Die erste Reaktion des Ostheimers folgte in Satz zwei, den er glatt gewann und sein Spiel immer weiter verbesserte. Auch im dritten Satz spielte Kurz einen Drei-Darts-Durchschnitt von knapp 100 Punkten mit einer Checkout-Quote von 44 Prozent – absolute Weltklassewerte für Kurz, der mit 2:1 Sätzen in Führung ging.

Humphries ließ sich aber ebenfalls nicht unterkriegen. Der 24-Jährige stand im Vorjahr bereits im Viertelfinale der WM und spielte am Montag wie Kurz Weltklasse-Darts. Hinzu kam noch, dass Humphries in seiner Heimat die Mehrzahl der 3000 Fans hinter sich hatte. Am Ende des vierten Satzes bejubelten die Engländer im „Ally Pally“ sogar jeden Fehlwurf des Deutschen auf ein Doppel. Humphries blieb cool und glich zum 2:2 in Sätzen aus.

Spiel mit super Niveau

Ein Darts-Spiel auf einem super Niveau. Das ging auch im fünften Satz so weiter und wurde sogar noch besser. Kurz schraubte seinen Drei-Darts-Durchschnitt kurzfristig auf 114 Punkte in die Höhe, breakte Humphries und ging mit 2:1 Spielen in Führung. Doch der Engländer schlug erneut zurück, breakte Kurz und plötzlich hatten beide Satz-Darts zur 3:2-Führung in Sätzen. Das Publikum flippte aus, Humphries machte den Deckel drauf und holte sich den fünften Satz. Der Engländer, der insgesamt acht Mal die 180 warf, schnappte sich auch den entscheidenden sechsten Satz und gewann das Spiel mit 4:2.

„Nico hätte den Sieg genauso verdient gehabt. Er hat unglaublich gut gespielt“, sagte Humphries nach seinem Sieg. Mit 25 000 Pfund Preisgeld im Gepäck trat Kurz noch am Montag die Heimreise nach Deutschland an. „Ich habe jetzt erst einmal frei bis zum nächsten Jahr. Danach gehe ich wieder ganz normal arbeiten und spiele weiter Darts“, so der 22-Jährige, der Ende Januar zwar bei der Qualifikation für die Profitour mitspielen wird, aber seinem Beruf als Industriemechaniker treu bleiben möchte. „Ich werde diese tollen Eindrücke jetzt erst einmal verarbeiten und genießen. Ich möchte mich bei allen bedanken, die mir in dieser Woche im „Ally Pally“ oder zu Hause vor den Fernsehern die Daumen gedrückt haben“, sagte Kurz nach einer der aufregendsten Wochen seines Lebens.

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