Tennis

Dagmar Kleemann (TC Lindenau) über die Probleme der Tennisvereine

Tennis. Immer weniger Menschen greifen zum Schläger. Die Boom aus der Ära Boris Becker/Steffi Graf ist vorbei. Tennisvereine haben zu kämpfen. Der Ronneburger Tennisclub wurde Ende des vergangenen Jahres sogar aufgelöst. Auch für den Tennisclub Lindenau in Großauheim ist die Situation keine einfache.

Dagmar Kleemann ist Schatzmeisterin des TC. Im Interview macht sie deutlich, was von dem einstigen Trendsport übrig geblieben ist, wie es um den spielenden Nachwuchs bestellt ist, welchen Einfluss die Medienlandschaft auf den gelben Filzball hat.

Frau Kleemann, wie hat sich das Interesse an Ihrem Sport in den letzten Jahren verändert?"Leider ist Tennis nicht wirklich so im Trend wie noch vor 30 Jahren. Damals hat man den Vereinen die Türen eingerannt. Es war „in“, Tennis zu spielen. Das ist es heute bei der Jugend nicht mehr. Zum Glück besinnen sich viele, die damals zu Becker/Graf-Zeiten angefangen haben Tennis zu spielen, wieder auf unseren Sport und fangen erneut an zu spielen.

Außerdem ist Tennis kein billiger Sport. Es ist zwar lang nicht mehr so kostspielig wie in den 80er Jahren, denn heute nimmt kein kleiner Verein mehr eine Aufnahmegebühr, wie sie damals gang und gäbe war. Für Menschen, die bereits Tennis spielen können, ist der Sport daher deutlich günstiger geworden. Aber Trainerstunden um unseren geliebten Sport zu erlernen, kostet halt nun mal Geld."

Macht sich das in den Mitgliederzahlen in Ihrem Klub bemerkbar und wie?"Wie alle kleinen Vereine haben wir mit starkem Mitgliederrückgang zu kämpfen. Gerade in einer Stadt wie Hanau, die viele Tennisvereine hat, ist es sehr schwer gegen die „großen“ Vereine zu bestehen, da diese natürlich mehr Mittel zur Verfügung haben. Umso stolzer sind wir, dass wir gegen den allgemeinen Trend im letzten Jahr über 20 neue Mitglieder begrüßen konnten, somit aktuell 119 zählen."

Bereitschaft sich einzubringen ist verflogen

Wie ist es um den Nachwuchs bestellt?"Es ist schwer, den Nachwuchs zu begeistern, noch schwerer die jungen Menschen bei der Stange zu halten. Die Kids heutzutage haben so viele Hobbies, dass für einen weiteren Sport wie Tennis neben diversen schulischen und außerschulischen Aktivitäten kaum Zeit bleibt. Auch die Eltern sind nicht mehr dabei wie früher. Tennis war einmal ein Familiensport, denn am Wochenende war die ganze Familie auf dem Tennisplatz zu finden. Heute bringen die Eltern die Kinder nur noch hin und holen sie nach dem Training wieder ab. Die Bereitschaft, sich zum Beispiel auch am Wochenende bei den Medenspielen einzubringen, ist sehr gering."

Wie versuchen Sie, junge Menschen zu begeistern?"Wir bieten Kindern und Jugendlichen einen niedrigen Vereinsbeitrag und Gruppentraining, um die Kosten für die Eltern so gering wie möglich zu halten, verzichten sogar auf die Hallenkosten im Winter für das Jugendtraining. Trotz allem ist gutes Tennistraining nicht unbedingt günstig. Eine Trainerstunde kostet ab 35 Euro aufwärts. Das schreckt viele Eltern ab. Wir haben aber festgestellt, dass günstigeres und damit leider auch qualitativ nicht so gutes Training zwar zunächst mehr Kinder anlockt, aber auch fast alle Kinder schnell wieder aufhören wenn die Fortschritte ausbleiben. Auch ziehen später Jugendliche um die 18 Jahre weg um extern eine Ausbildung oder ein Studium zu beginnen, daher verlieren wir ebenso in dieser Altersgruppe viele aktive Mitglieder."

Mediale Aufmerksamkeit fehlt

Fehlen dem heutigen Tennis die Idole wie früher Boris Becker und Steffi Graf, oder ist die mediale Wahrnehmung eine andere geworden?Die Idole gibt es ja weiterhin, heißen jetzt Kerber, Zverev oder Petkovic. Nur leider findet Tennis in der deutschen Medienlandschaft kaum noch statt. Während die Fußball-Schlagzeilen auf den Titelseiten prangen, bekommt Tennis maximal eine kleine Notiz am Rande des Sportteils. Die Tatsache, dass Tennis nicht mehr im Free-TV zu sehen ist, macht es noch schlimmer. Wie soll sich jemand für eine Sportart begeistern, die er nicht kennt? Kinder und Jugendliche kommen außer in der Schule über ein eventuelles AG-Angebot oder die aktive Tenniskarriere der Eltern keinen Kontakt zu unserem Sport. Das ist tragisch. Zumindest Wimbledon sollte wie früher auch bei ARD oder ZDF live zu sehen sein. Das würde uns immens helfen.

Was macht Ihr Klub anders oder besser um erfolgreich zu sein beziehungsweise zu bleiben?In Zusammenarbeit mit unserem Trainerteam bieten wir Fast-Learning Kurse und Schnupperstunden an. Gezielte Schnupperstunden für die Eltern unserer Kinder und Jugendlichen sind auch für dieses Jahr wieder in der Planung. Wir richten regelmäßig LK-Turniere aus: den Winter-Cup in unserer vereinseigenen Tennishalle und im Sommer unseren Blue-Sky-Cup auf unserer Anlage in der Lindenau. Wir versuchen jedes Jahr so viele Meden-Mannschaften wie möglich zu melden, um auch neuen Mitgliedern die Chance zu geben Teil einer Mannschaft zu werden. Dieses Jahr haben wir neben einer klubeigenen Damen-50-Mannschaft Spielgemeinschaften mit dem TC Rodenbach und dem SVG Steinheim gemeldet. Außerdem gibt es bei uns viele weitere Veranstaltungen mit oder ohne Tennis.

Das Interview führte Uwe Lange.

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