Stets höflich und gut gelaunt: Nach dem offiziellen Festprogramm nahm sich Sarah Köhler auch Zeit, um HA-Reporterin Jasmin Jakob ein paar Fragen zu beantworten. Foto: Kevin Bien

Sport

Bruchköbeler Olympia-Hoffnung Sarah Köhler auf Ball des Sports

Sport allgemein. Im Hallenbad in Bruchköbel hat sie ihr Seepferdchen gemacht und schwimmt jetzt an der Weltspitze: Sarah Köhler hat im vergangenen Jahr gleich drei deutsche Schwimmrekorde geknackt und gilt als große Medaillenhoffnung bei den Olympischen Spielen in Tokio.

Von Jasmin Jakob

Sie ist am Samstagabend eine der ersten Gäste, die den roten Teppich am Rhein-Main-Congress-Center in Wiesbaden betritt. Kaum auf dem Teppich, wird sie bereits von hr-Reporter Sebastian Rieth abgefangen, der die Ausnahmesportlerin seit knapp einem halben Jahr im Rahmen einer Dokumentation zu ihrer Vorbereitung auf die Olympischen Spiele begleitet. Auf dem Weg zum nächsten Interview für den Facebook-Livestream der Deutschen Sporthilfe und nach dem offiziellen Programm hatte auch der HANAUER ANZEIGER kurz die Gelegenheit, mit der Spitzenschwimmerin zu sprechen.

Für Sarah Köhler ist es eine Woche vor dem großen MWG-Swim-Cup in Magdeburg mit der Möglichkeit auf die Olympiaqualifikation das erste Mal, dass sie am Ball des Sports teilnimmt. Dabei ist es ein ganz besonderer Abend, das 50. Jubiläum des Balls.

„Sie ist eine Legende im Deutschen Schwimmsport.“

Knapp 150 Journalisten und Fotografen lokaler und überregionaler Medien stehen hinter dem Absperrband des roten Teppichs. So geht Köhler gelassen in Begleitung ihrer langjährigen Freundin und Schwimm-Olympiasiegerin Britta Steffen von Interview zu Interview, hört geduldig zu und beantwortet mit ihr gemeinsam souverän alle Fragen. Beide Weltklasse-Schwimmerinnen tragen bodenlange schwarze Kleider mit Spitzenbesatz, Hochsteckfrisuren und roten Lippenstift, Partnerlook also gewissermaßen.

Vor zehn Jahren haben sie sich im Trainingslager in Amerika kennengelernt und häufig miteinander trainiert. So erzählt Köhler beispielsweise dem Hessischen Rundfunk von ihrem Traum, eine Olympische Medaille zu gewinnen und wie Steffen für sie Ansporn und Vorbild war: „Sie ist eine Legende im Deutschen Schwimmsport, und es war für mich immer eine Ehre, mit ihr zu trainieren.“

„Da gewöhnt man sich auch nicht so schnell dran.“

Und obwohl der Ball an diesem Abend mit einigen Highlights wie spektakulären Reitsport-Vorführungen im Ballsaal, mit einem Menü von Sternekoch Nelson Müller und dem Mitternachtskonzert von Herbert Grönemeyer aufwarten sollte, freue sie sich am meisten auf eines: „Auf einen schönen Abend mit Britta.“ Ihr Freund Florian Wellbrock, ebenfalls Leistungsschwimmer, stecke aktuell ebenso in den Olympiavorbereitungen und sei an diesem Wochenende im Training und bei Wettkämpfen eingebunden.

Alle paar Schritte müssen die beiden Frauen unter Zurufen der Fotografen stehen bleiben und posieren für Fotos. Auch wenn es nicht so aussieht, verrät Köhler, dass so ein Presserummel für sie noch längst nicht zum Alltag gehört: „Das ist immer noch ungewohnt“, sagt sie. „Da gewöhnt man sich auch nicht so schnell dran.“

Lob von Kerner für die Sportler

Nach einem Sektempfang im Foyer geht es dann für beide in den Ballsaal, wo Fernsehmoderator und Sporthilfe-Aufsichtsratsmitglied Johannes B. Kerner die Jubiläumsfeierlichkeiten eröffnet. Diese stehen ganz im Zeichen des Reitsports. Denn den ersten Ball des Sports hatte vor 50 Jahren Josef Neckermann, Dressur-Olympiasieger und Vorsitzender der Deutschen Sporthilfe, ins Leben gerufen. Nachdem Kerner die Ehrengäste aus der Politik, darunter auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier begrüßt hat, bittet er auch Köhler auf die Bühne.

Als eine der „70 Topathleten, die im vergangenen Jahr große Ehre bei Europa- und Weltmeisterschaften zurück nach Deutschland gebracht haben“. Einzeln kommen alle dieser Sportler mit Kutschen, im Rollstuhl oder zu Fuß zur Bühne. Kerner lobt die Sportler für ihre Opferbereitschaft, ihren Leistungswillen und ihre Disziplin. In der Mitte des Ballsaals haben die Veranstalter eine große Reitbahn aufgebaut. Dort führt an diesem Abend unter anderem „die erfolgreichste Reiterin aller Zeiten“, Isabelle Werth, Dressurkunststücke vor den knapp 2000 Gästen der Benefizveranstaltung vor.

800 000 Euro für die Förderung des deutschen Spitzensports

Es geht auch darum, weniger bekannte Reitsportarten, wie Vielseitigkeit oder Reining kennenzulernen. Bei Reining handelt es sich um eine Disziplin beim Westernreiten, bei dem sich Pferd und Reiter schwindelerregend schnell im Kreis drehen oder rückwärts reiten. Äußerst beeindruckend ist auch die Voltigiershow von Janika Derks und Johannes Kay, die zu zweit akrobatische Übungen auf dem galoppierenden Pferd zeigen.

Im Laufe des Abends kommen 800 000 Euro Spenden für die Förderung des deutschen Spitzensports zusammen. Zum Förderprogramm der Deutschen Sporthilfe gehören derzeit 4000 Athleten aus den verschiedensten Sportarten, wie auch Sarah Köhler. Nach dem Programm und dem Essen lautet ihr Fazit: „Es ist eine sehr schöne Veranstaltung. Vor allem die Reitsportvorführungen im Ballsaal waren sehr spektakulär.“ Eine willkommene Auszeit vom fordernden Trainingsprogramm für die Olympischen Spiele.

„Dann möchte ich mein erstes Staatsexamen machen“

Zehn- bis elfmal die Woche trainiere die Schwimmerin aktuell in Magdeburg für Tokio. Und nach den Olympischen Spielen? „Dann möchte ich mein erstes Staatsexamen machen“, sagt die Sportlerin, die in Heidelberg Jura studiert. „Aber das ist nur das Ziel für die weite berufliche Zukunft. Das Schwimmen würde ich dafür niemals aufgeben.“

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