Leidenschaft Motorsport: Der 22-jährige Bruchköbeler Nick Wüstenhagen ist beim 24-Stunden-Rennen live im Fernsehen zu sehen. Foto: Privat

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Bruchköbeler Nick Wüstenhagen startet beim 24-Stunden-Rennen

Motorsport. 700 Fahrer, knapp 200 Teams und eine über 25 Kilometer lange Strecke mit 73 Kurven, die in der Welt des Motorsports als „Grüne Hölle“ bezeichnet wird: Rund 200 000 Fans werden ab Samstag das 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring live an der Strecke verfolgen.

Von David Lindenfeld

Mittendrin: der 22 Jahre alte Bruchköbeler Nick Wüstenhagen, der für das prestigeträchtige Team „Scheid Motorsport“ an den Start geht und sich im BMW M240i Racing Chancen auf den Sieg in der Cup-5-Klasse ausrechnet.

Für viele ist es die wahrscheinlich gefährlichste Rennstrecke der Welt, auf der Wüstenhagen gemeinsam mit seinen drei Fahrerkollegen, 15 Mechanikern und zwei Renningenieuren am Samstag ab 15.30 Uhr alles dafür geben wird, die restlichen zwölf Konkurrenten in der Cup-5-Klasse und viele andere Tourenwagen hinter sich zu lassen. Um dieses Ziel zu erreichen, nimmt der talentierte Nachwuchsfahrer nicht in irgendeinem Auto Platz, sondern im „Eifelblitz“, dem Wagen von seinem Teamchef Johannes Scheid, der die Gesamtwertung des Rennens 1996 und 1997 selbst in einem BMW M3 gewann.

„Wer da schnell ist, ist immer schnell.“

„Am Ring kennt ihn jeder“, schrieb das Fachmagazin „auto motor und sport“ im Jahr 2010 in einem Porträt über Johannes Scheid, der eine Legende am Nürburgring ist. Die Augen der Motorsportinteressierten sind deshalb bei jedem Rennen stets auch auf seine Fahrer gerichtet. Das weiß Wüstenhagen, für den der Start beim 24-Stunden-Rennen am Nürburgring ein großer Karrieresprung ist: „Es gibt nichts, was mich mehr weiterbringen könnte, als in diesem Team zu fahren. Die Szene weiß, dass die Fahrer, die bei ihm im Team sind, Talent haben. Das ist eine große Ehre für mich.“

Der Bruchköbeler hatte durch eine gute erste Motorsportsaison in einer Einsteiger-Serie den Sprung in die Rundstrecken-Challenge Nürburgring geschafft, bei der er im vergangenen Jahr mit einem Renault Clio unterwegs war. Die Entscheidung, bei einer Einsteiger-Serie „am Ring“ teilzunehmen, ist ihm nicht schwer gefallen. Schließlich müsse jeder, der ein großer Rennfahrer werden will, den Weg über den Nürburgring gehen. „Wer da schnell ist, ist immer schnell.“

340 PS unter der Haube

Rasant unterwegs war der talentierte Pilot von Beginn an in seiner Debütsaison im Renault Clio. Im letzten Rennen des Jahres, das über sechs Stunden ging, landete er ganz oben auf dem Treppchen. Das öffnete ihm weitere Türen. Mehrere Angebote flatterten herein. Schließlich kam der Anruf von Scheid und es dauerte nicht lange, bis Wüstenhagen die Offerte des einstigen Gesamtsiegers annahm.

Die Topzeiten blieben bei den ersten Testfahrten zunächst noch aus. Die Umstellung vom Renault Clio in den BMW M240 i Racing mit

340 PS unter der Haube war nicht leicht. Über Konkurrenzteams sammelte der 22-Jährige schließlich Fahrpraxis im neuen Gefährt. „Johannes Scheid hat mir gesagt, wenn ich an die Topzeiten herankomme, bietet er mir einen Fahrerplatz für das 24-Stunden-Rennen. Das war ein großer Ansporn, weil das Rennen das Nonplusultra ist.“

Auch psychisch am Limit

Wüstenhagen steigerte sich und ist nun tatsächlich bei einem der prestigeträchtigsten Motorsportereignisse der Welt dabei, das von Samstag (15.30 Uhr) bis Sonntag (15.30 Uhr) beim frei empfangbaren Fernsehsender „RTL Nitro“ übertragen wird. Mit seinen drei Teamkollegen, die allesamt erfahrener sind als er, wird er sich 24 Stunden lang abwechseln auf der Fahrt durch die „Grüne Hölle“. Meist fährt jeder ungefähr eine Stunde – höchstens zwei. Länger hält es der menschliche Körper im rund 50 bis 60 Grad warmen Auto ohne Leistungsabfall ohnehin nicht aus, wenn er in jeder Sekunde konzentriert sein und Höchstleistungen erbringen will.

„Die Belastungen sind enorm. Man ist 24 Stunden am Limit. Nicht nur körperlich, auch psychisch“, sagt Wüstenhagen, der in der Nacht in seinen drei bis vier Stunden Pause auch schlafen wird, um Kraft zu tanken. Auf das Großereignis hat er seinen Körper mit Triathlon-Training vorbereitet, manchmal sogar Trainingseinheiten mitten in der Nacht absolviert, um eine Belastungssituation wie im Rennen herzustellen – nun heißt es aus dem Bett ins Cockpit statt Zehn-Kilometer-Jogging.

Das Können des Fahrers zählt

Die anspruchsvolle Strecke ist Wüstenhagen mit seinem Team unzählige Male durchgegangen. Der 22-Jährige kennt jeden Bremspunkt, hat zudem viele Stunden in einem professionellen Simulator trainiert. Beim 24-Stunden-Rennen soll nichts dem Zufall überlassen werden.

Die Chance, dass Wüstenhagen bei der Liveübertragung von „RTL Nitro“ zu sehen sein wird, wie er im „Eifelblitz“ durch die „Grüne Hölle“ rast, ist groß, obwohl sein BMW nicht zu den Schnellsten im Feld gehört und keine Chancen auf den Gesamtsieg hat wie die Autos der GT3-Klasse. Da jedoch in Wüstenhagens Klasse alle Autos – abgesehen von der Einstellung des Fahrwerks – exakt gleiche Voraussetzungen haben, ist das Feld enger beisammen, die Positionskämpfe härter. Es kommt auf das Können der Fahrer an. Und auf das strategische Geschick der Renningenieure, die in der Kommandozentrale die Witterungsverhältnisse im Auge behalten und die Rennstrategie festlegen.

Jugendtraum von Wüstenhagen

„Beim 24-Stunden-Rennen an den Start zu gehen, war ein Jugendtraum von mir. Dass es so schnell gehen würde, hätte ich nicht gedacht“, sagt Wüstenhagen über seinen großen Karriereschritt. Sein Talent ist unbestritten – jetzt muss der „Rookie“ im Team die 340 PS nur noch auf die Straße bringen. „So wie wir aufgestellt sind mit dem Auto, den Fahrern, den Mechanikern und den Ingenieuren haben wir, denke ich, beste Chancen auf einen Sieg“, sagt der junge Rennfahrer, für den sich die Fahrt durch die „Grüne Hölle“ wohl anfühlen wird wie eine durch den siebten Himmel.

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