Talent trifft Vorbild: der Bruchköbeler Nachwuchsboxer Haris Papst-Vejselovic (rechts) mit dem ehemaligen Profiboxer Sven Ottke. Foto: Privat

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Box-Talent Haris Papst-Vejselovic: Etwas Klitschko, etwas Ali

Boxen. Es sollte ein großer Tag inklusive Titelverteidigung für Haris Papst-Vejselovic von der Bruchköbeler Box Akademie (BBA) werden.

Box-Talent Haris Papst-Vejselovic muss bei Hessenmeisterschaft Niederlage einsteckenVon David Lindenfeld

Doch die hessische Amateur-Boxmeisterschaft endete mit einer bitteren Niederlage im Super-Schwergewicht für das 17-jährige Talent, das in der A-Kategorie der U18-Junioren zu den besten aus ganz Deutschland zählt. Gegen Isik Mehmetcan verlor er 2:3 nach Punkten – ein enger Kampf, der wohl anders ausgegangen wäre, wenn Papst-Vejselovic nicht seit über neun Monaten an der Schulter verletzt wäre, die bald vom berühmten Sportfacharzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt behandelt werden könnte.

Es dürfte ein enorm bitterer Moment für den zwei Meter großen und 98 Kilogramm schweren Hünen gewesen sein, als die Schmerzen beim Aufwärmen kurz vor dem Kampf in der Kabine plötzlich wieder zurückkehrten. Dann war klar, dass die wochenlange Schonung und ein eigens auf die Verletzung angepasstes Training nichts gebracht hatten. Die Schulter, die sich Papst-Vejselovic im vergangenen September verletzt hatte, als er gegen seinen diesjährigen Finalgegner den Hessenmeistertitel gewann, wollte einfach nicht mitspielen.

Mit nur einer Hand geboxt

„Haris hat sich entschieden, trotzdem zu kämpfen, weil es in seiner Klasse sonst keinen Sieger gegeben hätte, wenn wir abgesagt hätten“, sagt sein Trainer, Stefan Hartmann, der Gründer der BBA. Er vermutet, dass Papst-Vejselovic das sogenannte Impingement-Syndrom in der Schulter zu schaffen macht, das auch als Schulterengpass-Syndrom bekannt ist. Bei Impingement-Verletzungen kommt es zu ei-ner Einklemmung von Schleimbeuteln, Sehnen und Nerven, was große Schmerzen verursacht. „Der Schmerz blockiert nicht nur den Arm, sondern auch den Kopf“, so Hartmann.

Schon in der Mitte der ersten Runde sei es Papst-Vejselovic zunehmend schwerer gefallen, den betroffenen Arm oben zu halten. Der 17-Jährige habe nur noch mit einer Hand boxen können. „Er hat im Kampf zwar kaum etwas abgekriegt, aber es hat leider trotzdem nicht gereicht“, so Hartmann mit Blick auf das äußerst knappe Urteil der Kampfrichter, bei dem letztlich wohl auch die Technik der beiden Kämpfer eine entscheidende Rolle spielte: „Wenn man nur mit einer Hand boxt, ist es klar, dass das technisch nicht gut aussieht und nichts für das Auge ist“, erklärt der Mentor.

Schulterprobleme bremsen aus

Hinterher habe es Diskussionen über das äußerst knappe Urteil der Kampfrichter gegeben, von denen zwei der fünf Unparteiischen Papst-Vejselovic trotz seines Handicaps vorn sahen. Bei der Hessenmeisterschaft 2018 hatte dieser noch den Titel als „Bester Techniker“ gewonnen, was eher ungewöhnlich für einen Kämpfer im Super-Schwergewicht ist und das Talent des 17-Jährigen verdeutlicht. Auf seine Leistung, die er trotz der Verletzung abrief, könne sein Schützling stolz sein, wenngleich dieser „seinen Titel gerne verteidigt hätte“ und „natürlich enttäuscht war“, sagte Hartmann.

Wegen seiner Schulterprobleme musste Papst-Vejselovic bereits die deutsche Meisterschaft im vergangenen Jahr absagen. Die Chance, den Titel zu gewinnen, wäre auch damals da gewesen. „Alle, die in seiner Gruppe waren, hatte er schon einmal geschlagen.“ Für Hartmann ist ein gesunder Papst-Vejselovic nicht nur in Hessen „die klare Nummer eins, sondern einer der besten in seiner Kategorie in ganz Deutschland“.

Ausdauer und Beinarbeit im Fokus

Umso wichtiger sei es für ihn deshalb nun, schnell wieder fit zu werden. Eine 3-D-Tomographie soll die genaue Verletzung ermitteln. Wahrscheinlich sei, dass sich Papst-Vejselovic einer Operation unterziehen muss. Inklusive der anschließenden Reha rechnet Hartmann mit einer Ausfallzeit von rund einem halben Jahr. „Wir schauen jetzt, wie lange es hier beim Arzt dauert, haben aber inzwischen auch einen Kontakt zu Dr. Müller-Wohlfart, der sich dem annehmen könnte“, so Hartmann mit Blick auf einen Bekannten, der ein Treffen mit dem bekannten Fachmediziner des FC Bayern München und der deutschen Fußball-Nationalmannschaft arrangieren könne.

Während des nächsten halben Jahres werde der Fokus im Training nur auf der Ausdauer und der Beinarbeit liegen. Die Schulter wird komplett geschont. „Nächstes Jahr geben wir dann wieder Gas und greifen voll an“, sagt Hartmann, der sich sicher ist, dass Boxfans von Papst-Vejselovic in Zukunft noch viel hören werden. Seine Stärken seien seine zwei Meter Körpergröße und die damit verbundene Reichweite sowie ein „Aufwärtshaken mit viel Power“.

„Wenn er richtig boxen kann, hat er einen Teil von Klitschko und einen Teil von Ali, weil er so unglaublich schnelle Beine hat“, beschreibt Hartmann seine Qualitäten. Ein bisschen Klitschko, ein bisschen Muhammad Ali? Klingt nach einer guten Basis für ein Comeback des 17-Jährigen im nächsten Jahr. Und natürlich für die Zeit danach.

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