American Football

Blick zurück: Vor 25 Jahren war die goldene Zeit der Hawks

American Football. Wenn es nicht gerade um den Super Bowl geht, fristet American Football in Deutschland aktuell eher ein Nischendasein – das war vor 25 Jahren noch völlig anders: Damals begeisterte Bundesligist Hanau Hawks die Massen und lockte zu den Heimspielen im Herbert-Dröse-Stadion tausende Fans.

Im Spiel gegen die Cologne Crocodiles stellten die Hanauer im Juli 1994 sogar einen neuen Zuschauerrekord auf, auch wenn die Partie letztlich verloren ging.

Exakt 8 571 Zuschauer säumten die Tribünen im Herbert-Dröse-Stadion, als zwei der damals besten deutschen Teams aufeinandertrafen: Die Hawks führten seinerzeit die Süd-Staffel der Bundesliga an, die Kölner lagen in der Nord-Staffel der höchsten deutschen Spielklasse punktgleich hinter dem Spitzenreiter aus Düsseldorf auf dem zweiten Platz. Im Gipfeltreffen ging es für beide Teams dabei um mehr als nur das Prestige, denn kurz vor dem Ende der regulären Saison galt es für Hanauer wie Kölner gleichermaßen, sich eine möglichst gute Ausgangslage für die anschließenden Play-offs um die deutsche Meisterschaft zu verschaffen.

"Power Party" im Stadion

Doch nicht nur die große sportliche Bedeutung lockte die Fans in Scharen ins Stadion, denn die Hawks hatten rund ums Spiel ein umfangreiches Rahmenprogramm auf die Beine gestellt. Schon lange vor dem Anpfiff feierten daher über tausend Zuschauer die „Power Party“ im Stadion, verköstigten sich an zahlreichen Ständen mit Donuts oder Hot Dogs oder ließen im eigens aufgebauten Biergarten die Seele baumeln. Auch an den Nachwuchs hatten die Verantwortlichen gedacht, denn ein Kindergarten mit Spiel- und Abenteuerlandschaft sorgte bei den Kindern für gute Stimmung.

Das Konzept aus Sport und Unterhaltung ging voll auf: Rund 4000 Zuschauer konnten die Hawks damals im Schnitt begrüßen, und beim Spiel gegen Köln schwappte schon vor dem Anpfiff die La-Ola-Welle durchs Stadion. Die Euphorie der Football-Fans sollte sich als berechtigt erweisen, denn die beiden deutschen Spitzenteams lieferten sich ein äußerst kurzweiliges Duell.

Dabei zogen Hanauer wie Kölner das gesamte Register des Football-ABCs: Ob Lauf- oder Passspielzüge, erfolglose Field-Goal-Versuche oder Two-Point-Conversions – die Teams boten die ganze Bandbreite dieses so taktisch geprägten Sports. Dass es beim Football auch ordentlich zur Sache geht, musste dabei Hawks-Spieler Tom Jobst erfahren, für den das Spiel wegen Verdachts auf eine Armfraktur vorzeitig beendet war.

Über 8000 Fans im Stadion

So konnte Jobst wie die über 8000 Fans im Stadion nur von Außen mitfiebern, wie sein Team sich mit den Kölnern einen spannenden Schlagabtausch lieferte. Hanau lag zwar meist zurück, ließ sich aber nie so richtig abschütteln, weshalb das Spiel bis ins Schlussviertel hinein spannend blieb. Dort leistete sich Hawks-Quarterback Dennis Williams aber einen Fumble, verlor den Football nach einem harten Kontakt mit einem Gegenspieler.

Köln kam in Ballbesitz und erzielte wenig später einen Touchdown, womit die Partie entschieden war. Die Hanauer punkteten zwar kurz vor Schluss auch noch einmal, hatten mit dem anschließenden Onside-Kick aber keinen Erfolg, sodass die Gäste ihren Vorsprung über die Zeit brachten und 34:28 gewannen. In den Play-offs konnte Hanau jedoch nicht an seine guten Leistungen anknüpfen und schied frühzeitig aus, 1999 lösten sich die Hawks gar auf. Ihr Nachfolgeverein, die Hanau Hornets, kann von den sportlichen Erfolgen und dem Zuschauerzuspruch aktuell nur träumen: In der ‧Oberliga Mitte spielt Hanau momentan vor etwa 300 Fans. rob

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