Zwei Hanauer für Polen: Joachim Ullrich (links) und Sebastian Tuch coachen die polnische American-Football-Nationalmannschaft. Foto: Bormann

Hanau

American Football: Zwei Hanauer Pioniere im Dienste Polens

American Football. Die beiden Hanauer Joachim Ullrich und Sebastian Tuch coachen bei den World Games das polnische Nationalteam. Beide profitieren von ihren wertvollen Erfahrungen als Spieler der legendären Hanau Hawks.

Von Jonas Bormann

Olympisches Flair gibt es erst wieder bei den Winterspielen 2018 im südkoreanischen Pyeongchang? Falsch. Zumindest gilt dies nicht für die beiden Hanauer Joachim Ullrich und Sebastian Tuch. Als Trainer der polnischen American-Football-Nationalmannschaft sind sie bei den diesjährigen World Games im polnischen Breslau dabei. Die feierliche Eröffnung der Spiele findet am Samstag, 22. Juli, statt.

World Games: Ein Herz für Randsportarten

Seit 1981 stellen die World Games eine ernstzunehmende Alternative zu den großen Olympischen Spielen dar. Egal ob Karate, Billard oder American Football – das internationale Sportevent bietet all jenen Sportarten eine Plattform, die im offiziellen Wettkampf-Programm der Olympischen Spiele keine Berücksichtigung finden. Rund 3000 Sportlerinnen und Sportler aus aller Welt sind es, die sich im Rahmen der World Games alle vier Jahre in über 30 Disziplinen messen und dem Event so einen ganz eigenen Geist einhauchen.

Ullrich und Tuch waren schon als Spieler bei den World Games2005, als die World Games zum vorerst letzten Mal in Deutschland Station machten, waren die beiden Hanauer Joachim Ullrich und Sebastian Tuch schon als Spieler dabei. Gemeinsam mit der deutschen Nationalmannschaft gewannen sie damals Gold im American Football. „Das Einlaufen ins Stadion bei der Eröffnungsfeier war eine der prägendsten Momente, die ich je erlebt habe“, erinnert sich der inzwischen 41-jährige Tuch und sein Kollege Ullrich ergänzt: „Die Stimmung und die Nähe zu den anderen Sportarten, das war schon toll.“

Den Sport in Polen voranbringenZwölf Jahre nach ihrem großen Triumph geben die beiden Hanauer nun ihr Comeback bei den World Games. Zu finden sein werden sie in Breslau allerdings nicht auf, sondern neben dem Spielfeld – als Trainer der polnischen American-Football-Nationalmannschaft. Wie es dazu kam? Sebastian Tuch klärt auf: „Ein ehemaliger Kollege aus der deutschen Nationalmannschaft, der enge Kontakte zum polnischen Verband pflegt, hat uns vor etwa zwei Jahren gefragt, ob wir nicht Lust hätten, im polnischen Trainerstab mitzuwirken.“ Tuch und Ullrich zögerten nicht lange und sagten zu. Das Ziel ihres Engagements war damals von Anfang an klar. „Uns ging es nicht darum, mit dem Team irgendwann einmal die World Games zu gewinnen. Vielmehr wollten wir den Sport in Polen generell voranbringen“, erklärt der 40-jährige Ullrich.

Gut funktionierender TrainerstabWas die Konstellation so besonders macht, ist die Tatsache, dass sich ein Großteil des polnischen Trainerstabs von früheren Stationen noch bestens kennt. Ein Umstand, der nicht zu unterschätzen ist, wie Ullrich findet: „Beim Football drehen mehrere Trainer an unterschiedlichen Stellschrauben. Da ist es unheimlich wichtig, dass alle auf der selben Wellenlänge liegen. Wenn alle Trainer gleich gepolt sind, läuft es gleich viel harmonischer.“ Dass das Trainerteam der polnischen Auswahl fast ausschließlich aus Deutschen besteht ist ebenfalls kein Zufall. Vielmehr hat sich der Verband bewusst zu diesem Schritt entschieden, um von der Erfahrung der ehemaligen Nationalspieler zu profitieren.

Beide haben selbst aktiv gespieltDie Zeit, in der Tuch und Ullrich aktiv American Football spielten, gilt bis heute als goldene Ära des europäischen American Football. Bis zu ihrer Auflösung im Jahr 2007 markierte die „NFL Europe“ die höchste Spielklasse Europas und sowohl Tuch als auch Ullrich waren ein Jahr lang Teil dieser Eliteliga, die ansonsten zu 90 Prozent von amerikanischen Spielern dominiert wurde. Jahrelang spielten die beiden Freunde zudem für die legendären Hanau Hawks und liefen parallel für die deutsche Nationalmannschaft auf, mit der sie 2001 und 2010 sogar die Europameisterschaft gewinnen konnten. 2008 bekamen sie vom damaligen Innenminister Wolfgang Schäuble das silberne Lorbeerblatt überreicht.

Gute Vorraussetzungen in PolenDass sie nun trotzdem beim polnischen Rivalen gelandet sind, hängt vor allem mit den Rahmenbedingungen zusammen, die ihnen der polnische Verband bietet. „Wir können uns ausschließlich auf das Training konzentrieren und müssen uns nicht mit Problemen außerhalb des Platzes herumschlagen“, erläutert Tuch. Dies sei beim deutschen Verband anders. Dort müsse man beispielsweise um jeden zusätzlichen Tag Trainingslager kämpfen, wie Ullrich berichtet.Demnach haben sich die beiden Trainer Monate im Voraus um eine akribische Vorbereitung gekümmert. Anfang Juli fand ein achttägiges ein Trainingslager in Danzig statt und ab dem 16. Juli stand die finale Vorbereitungswoche vor den Toren von Breslau auf dem Programm. Im ersten von zwei Spielen bei den Worls Games geht es dann mit Frankreich direkt gegen ein Football-Schwergewicht.

Kleine Ziele für die World Games„Wir sind da realistisch. Die Franzosen brauchen schon einen sehr schlechten, und wir einen sehr guten Tag, damit wir überhaupt eine Chance haben“, sagt Ullrich. Im zweiten Halbfinale trifft Deutschland auf die USA, das polnische Team geht also als klarer Außenseiter in das Turnier. Für Ullrich und Kumpel Tuch kein Problem. Ein Sprichwort, das beim American Football in der Regel keine Rolle spiele, sei bei den World Games umso bedeutsamer: „Dabei sein ist alles.“

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