Bestzeit eingestellt: Aaron Bienenfeld vom SSC Hanau-Rodenbach lief bei der U23-Europameisterschaft im schwedischen Gävle auf den 15. Platz. Die 10 000-Meter-Strecke absolvierte er in 29:12 Minuten. Foto: Iris Hensel

Leichtathletik

Aaron Bienenfeld im Interview über seine Zeit in Cincinnati

Leichtathletik. Laufen, laufen, laufen: Für seine große Leidenschaft hat es Aaron Bienenfeld über den großen Teich verschlagen. Er studiert an der Universität von Cincinnati und sorgt dort für Furore.

Im Interview spricht das Talent des SSC Hanau-Rodenbach, das am Donnerstag bei der U23-EM in Schweden lief, über sein Stipendium, das Leben in den USA und seine Zukunftspläne.

Wo findet man Sie, wenn Sie nicht laufen?

Derzeit öfters im Laufshop in Frankfurt. Da arbeite ich in den Semesterferien. Man muss sich ja schließlich was dazuverdienen. Und nur so konnte ich neulich auch am JP Morgan Lauf teilnehmen.

Und ihn gleich gewinnen. Sicher eine willkommene Abwechslung zum Leben an der US-Universität. Wie läuft es denn dort?

Sportlich gesehen sehr gut. Vom erweiterten Kreis habe ich mich mit meinen Zeiten an die deutsche Spitze gekämpft. Vorher galt ich mehr als Volkslaufkönig. Das Training ist zwar sauhart und ich habe ständig Muskelschmerzen, aber es zahlt sich aus. Alles ist hier schön in Reichweite. Ich bin aber froh, im Sommer in der Heimat zu sein.

Seit 2017 studieren Sie in Cincinnati. Wie kam es denn dazu?

Es gibt überall Trainer und Scouts, die Kandidaten für ein Stipendium beobachten. Nach dem Abitur waren meine Zeiten nicht so gut geeignet. Doch die Agentur Scholarbook hat mit mir Kontakt aufgenommen und gemeint, sie sehen das Potenzial in mir, um mich zu vermitteln. Das war auch der Türöffner.

Und dann?

Trudelten nach und nach Anfragen ein. Es waren mehr als 30 Stück. Das war damals für mich aber schwer einzuschätzen. Ich bin mit meiner Wahl sehr zufrieden.

Welchen Stellenwert hat Laufen und generell der Sport an der Universität?

Einen sehr großen, denn so ein Studium ist sehr teuer. Da steckt man viel rein und will viel erreichen. Nur ein Bruchteil erhält ein Stipendium.

Wie ist das bei Ihnen?

Ich bin der einzige Leichtathlet mit einem Vollstipendium. Aufgeteilt in sportlich und akademisch. Dafür muss ich meinen Beitrag leisten, akademisch sind das 30 Stunden Sozialarbeit. Sportlich habe ich es mir durch meine guten Leistungen verdient.

Wer übernimmt die Kosten für so ein Stipendium und wie hoch sind diese in etwa?

Das läuft über Spenden von Förderern und da kommt schon einiges zusammen. Etwa 40 000 Doller im Jahr als Grundbetrag. Hinzu kommen noch Verpflegung, Unterkunft und Lernmaterial.

Hätten Sie sich das alles leisten können?

In der Form sicher nicht. Aber auch so ist ein mittlerer vierstelliger Betrag an die Agentur für die Vermittlung fällig geworden.

Inwiefern hat sich Ihr Leben geändert?

Das ist schon eine 180-Grad-Wende. Ich bin das erste Mal über einen längeren Zeitraum von zu Hause weg. Aber nach zwei, drei Monaten hatte ich mich gut eingelebt.

Inwieweit hat sich Ihr Bild von den USA bestätigt oder doch verändert?

Ich dachte, die Amerikaner sind prüder (lacht). Nee, im Ernst, ich war früher ein paar Mal in den USA im Urlaub. Aber mit dem klassischen Urlaubsbild von Sonne, Strand und Palmen hat das hier wenig zu tun. Hier ist es anders. Es gibt auch weniger schöne Gegenden und im Winter geht es mal runter auf Minus 20 Grad. Die Realität ist härter.

Sie hatten das harte Training angesprochen. Ihr Heimtrainer Sascha Arndt vom SSC Hanau-Rodenbach meinte, Sie kennen keine Grenzen. Wie passt das zusammen?

Doch das Pensum in den USA schlaucht schon. Zum Mittagessen komme ich erst gegen 16 Uhr. Ich war zuletzt für drei Tage in Deutschland unterwegs. Es waren die ersten drei nach einer Ewigkeit, in denen ich nicht gelaufen bin. Es stimmt aber, dass ich ein sehr ehrgeiziger Athlet bin. Wo andere eingehen, ziehe ich es weiter durch. Manchmal weiß ich nicht so genau, wann Schluss sein sollte.

Dass Sie eine richtig starke Saison hatten, haben auch die Amerikaner gemerkt. Von Ihnen gibt es einige Interviews nach Wettkämpfen im universitätseigenen Kanal...

Ja, das ist etwas Besonderes und sprachlich kein Problem mehr. Einige können gar nicht mehr glauben, dass ich aus Deutschland komme, wenn sie mich hören.

Und wie sehen die weiteren Zukunftspläne aus?

Ich werde noch mindestens ein Jahr in den USA studieren. Wo es mich dann hin verschlägt, ist offen. Ehrlich gesagt, würde ich gern raus aus dem Rhein-Main-Gebiet. Berlin könnte ich mir vorstellen. Und dann gerne ein Job im Marketingbereich.

Das Gespräch führte Jörn Polzin.

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