Aufholjagd: Nick Wüstenhagen wollte auf dem Nürburgring zu viel und leistete sich einen entscheidenden Fehler. Foto: Peter Elbert

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24-Stunden-Rennen: Wüstenhagen zahlt Lehrgeld auf Nürburgring

Motorsport. Als für Nick Wüstenhagen am späten Sonntagabend alles vorbei und endlich Ruhe eingekehrt war, waren auch die letzten Kraftreserven verbraucht.

Von David Lindenfeld

„Das ist schon eine Tortur. Am Ende war ich körperlich ein Wrack“, sagte der 22 Jahre alte Rennfahrer, der am Wochenende erstmals beim 24-Stunden-Rennen am Nürburgring startete und mit dem Team Scheid Motorsport im „Eifelblitz“ Platz fünf in der Cup 5-Klasse erreichte.

Dass es bei der Fahrt durch die „Grüne Hölle“ für das ambitionierte Team im BMW 240 i Racing nicht zu einer besseren Platzierung reichte, lag auch an einem Fahrfehler des jungen Talents aus Bruchköbel. Bei seinem ersten Einsatz im Auto nach rund drei Stunden Rennzeit waren er und seine drei Teamkollegen schon von Startplatz zwei auf Rang fünf zurückgefallen, da das Team bei einem Boxenstopp Zeit verloren hatte und mit unglücklichen Situationen auf der Strecke konfrontiert wurde, als das Feld noch eng beisammen lag.

Ein folgenschwerer Fehler

„Mich hat dann der Ehrgeiz gepackt, das Auto nach vorne zu fahren und auszuquetschen“, berichtet Wüstenhagen, dem im Anschluss allerdings ein Fehler unterlief, der Folgen hatte. Im Bereich Aremberg bremste Wüstenhagen vor einer Kurve einen Meter zu spät. „Wenn das passiert, fehlen einem hinten raus zehn Meter“, weiß der Rennfahrer, der im Anschluss durch das Kiesbett rutschte, die Leitplanke touchierte und von einem Streckenfahrzeug erst wieder auf den Asphalt gezogen werden musste.

Beim Zusammenprall mit der Leitplanke wurde die Radaufhängung beschädigt, das Lenkrad stand quer, sodass Wüstenhagen das Auto nur noch mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 30 Kilometern pro Stunde zur Box manövrieren konnte. Da hatte der 22-Jährige aber noch zwei Drittel der Runde vor sich – ein Zeitverlust von einer halben Stunde. „Die Mechaniker haben dann innerhalb von zehn Minuten den kompletten Achsträger gewechselt und dann ging die wilde Aufholjagd los.“

Bei seinem Eintreffen in der Boxengasse war Wüstenhagen zunächst niedergeschlagen. „Ich habe zu viel versucht. Das war sehr ärgerlich und bedrückend, weil ich wusste, dass die Schuld bei mir lag und ich einen möglichen Sieg versemmelt habe.“ Der Teamchef und seine Teamkollegen bauten ihn allerdings wieder auf. „Über so was wird dann nicht lange geredet.“ Stattdessen hatte die Crew, die durch den Vorfall auf Rang zwölf in der eigenen Klasse mit 13 Starten zurückgefallen war, in den verbleibenden 20 Stunden nur noch ein Ziel: nach vorne zu kommen.

Mit den schnellsten unterwegs

Das gelang – auch mit Wüstenhagen am Steuer, der im Anschluss gute Rundenzeiten fuhr und mit den schnellsten Fahrern aus seiner Klasse mithielt. Nachts musste er gleich zweimal ins Auto, das dann noch schwieriger durch den 25 Kilometer langen Randkurs zu steuern ist. „Die Nacht war schon sehr wild. Es gab viele Unfälle und viele schwierige Situationen“, berichtet Wüstenhagen. Als die Sonne aufging, befand sich der „Eifelblitz“ trotz des großen Rückstands nach seinem Unfall schon wieder auf Rang sieben.

Die Atmosphäre war das ganze Rennen über und vor allem in der Nacht unbeschreiblich, berichtet Wüstenhagen. Eigentlich bekomme man bei Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 270 Kilometern pro Stunde kaum etwas von den 230 000 Zuschauern mit – ein bisschen was von den Campingplätzen, dem Feuerwerk und der von den Fans gezündeten bengalischen Feuer sauge man aber doch auf – genauso wie den Duft der Lagerfeuer und Grills, der in den Abendstunden in die Autos zieht. „Das ist alles einmalig.“

Eine Stunde konnte er in der Nacht die Augen schließen. Mehr war auch aufgrund des Adrenalins, das während des Rennens auf einer der anspruchsvollsten Strecken der Welt durch den Körper strömt, nicht möglich. Bis zum Rennende am Sonntag um 15.30 Uhr kämpften sich Wüstenhagen und Co. noch auf Rang fünf in ihrer Klasse vor. „Wären es noch eine oder zwei Stunden mehr gewesen, wären wir nochmal an Platz drei herangekommen, aber das Rennen dauert ja leider nur 24 Stunden“, erzählt Wüstenhagen lachend, der nach seinem Unfall eine starke Performance ablieferte.

Überwiegend positives Feedback

Im Anschluss an das bis dato größte Rennen seiner Karriere bekam der 22-Jährige deshalb überwiegend positives Feedback. „Trotz meines kleinen Malheurs habe ich auch von anderen Teams viel Lob bekommen.“ Die Motorsport-Saison endet für Wüstenhagen im Oktober nach der VLN Langstreckenmeisterschaft auf dem Nürburgring. In welchem Auto, ist derzeit offen. Sechs Rennen wird Wüstenhagen entweder für das Team FK Performance oder Scheid Mo-torsport noch bestreiten – je nachdem, wer nun das bessere Angebot macht.

Im kommenden Jahr will der 22-Jährige beim 24-Stunden-Rennen am Nürburgring wieder dabei sein und hofft auf einen Aufstieg in die nächsthöhere GT4-Klasse. „Ich werde versuchen, da einen Platz zu bekommen. Aktuell bin ich davon gar nicht so weit weg.“ Es wäre der nächste Schritt in Richtung seines großen Ziels, der GT3-Klasse, in der die Fahrer jedes Jahr um den Gesamtsieg beim 24-Stunden-Rennen kämpfen. Wüstenhagens Reise hat also gerade erst begonnen und wird ihn wieder zu einem der größten Rennsportereignisse der Welt führen.

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