Grund zum Jubeln: Isa Bergmann (links) und Susi Kresse haben mit dem TSV 1860 Hanau den direkten Wiederaufstieg in die Regionalliga geschafft. Foto: TAP

Volleyball

TSV 1860 Hanau gewinnt Meistertitel und jubelt auf der Couch

Volleyball. Als drei wichtige Spielerinnen den TSV Hanau kurz vor dem Beginn der Oberliga-Saison verlassen hatten, schien der Wiederaufstieg zunächst in weiter Ferne. Trotz der Abgänge und eines kleines Kaders steht der TSV einen Spieltag vor Saisonende als Aufsteiger in die Regionalliga fest. Gejubelt wurde auf der Couch.

Von David Lindenfeld

Eigentlich sollte es schon am Samstag eine Feier geben: Mit einem Sieg gegen den SSC Bad Vilbel II wäre die Meisterschaft den Frauen des TSV Hanau nicht mehr zu nehmen gewesen. Im Auswärtsspiel gegen den befreit aufspielenden Tabellenvierten, für den es um nichts mehr ging, verpasste das Team es jedoch, den Titel vorzeitig klar zu machen, und verlor trotz eines 2:0-Vorsprungs in den Sätzen noch 2:3 (25:23, 25:15, 22:25, 19:25, 17:19).

Meistertitel noch nicht klar gemacht

„Natürlich wären wir gerne schon am Samstag Meister geworden. Am schönsten ist es, wenn du vorher ein Spiel gewonnen hast“, sagt TSV-Trainer Reiner Elmrich. Sein Team war auf dem besten Wege zum direkten Wiederaufstieg, führte 2:0 in Sätzen und lag auch im dritten Durchgang schon mit 19:11 vorn. Die Annahme wurde jedoch ab Mitte des zweiten Satzes zunehmend schlechter. Der SSC Bad Vilbel II fand zurück ins Spiel, schaffte den Satzausgleich und wehrte im entscheidenden fünften Durchgang drei Matchbälle der Hanauerinnen ab, ehe die Heimmannschaft auch diesen Satz noch mit 19:17 gewann.

Damit war der TSV Auerbach, der am Sonntag auf die drittplatzierten Gießenerinnen vom USC traf, noch im Rennen um den ersten Platz in der Oberliga – benötigte jedoch einen klaren Sieg gegen den Kontrahenten, um noch eine Chance auf den Aufstieg zu haben. Elmrich fuhr in die Halle nach Gießen, um einerseits zu sehen, wie das Spiel zwischen dem Zweiten und dem Dritten ausgehen würde. Andererseits, um den kommenden Gegner aus Gießen genauer unter die Lupe zu nehmen.

Seine Mannschaft, von der ein Großteil den späten Sonntagnachmittag nach den fünf Sätzen am Vortag wohl auf der Couch verbracht hat, hielt der Coach per WhatsApp auf dem Laufenden. Als die Partie zwischen Auerbach und Gießen in den fünften Satz ging, war klar, dass dem TSV die Meisterschaft nach 14 Siegen aus 17 Spielen nicht mehr zu nehmen ist. Die Freude in der WhatsApp-Gruppe war groß. Auch bei Elmrich kam es zu einem Spannungsabfall.

Ziel: Direkter Wiederaufstieg

Das Ziel der Hanauerinnen vor der Saison war nach dem bitteren, weil äußerst knappen Abstieg im Vorjahr aus der Regionalliga zwar der direkte Wiederaufstieg – weil den Klub mit Steffi Freund, Angela Martin und Linda Bergmann kurzfristig drei potenzielle Spielerinnen für die Startformation verlassen hatten, wurde die Aufgabe jedoch noch einmal deutlich erschwert. Ersatz konnten die Hanauerinnen aufgrund der späten Information der Spielerinnen über ihre Wechselabsichten nicht mehr verpflichten.

„Die Situation war nicht leicht. Wir hatten auch am Samstag wieder nur zwei Spielerinnen auf der Bank, davon eine Stellerin. Die Breite im Kader hat uns ein bisschen gefehlt“, berichtet Elmrich. Der TSV blieb jedoch vom Verletzungspech weitgehend verschont und profitierte davon, dass sich beispielsweise von den beiden einzigen im Kader verbliebenen Mittelblockerinnen niemand verletzte. „Das wäre der Super-Gau gewesen.“

Möglich war der direkte Wiederaufstieg auch, weil das Team nach den Abgängen eine „Jetzt-erst-Recht-Mentalität“ entwickelte. Neben Leistungsträgerinnen wie Therese Seubert steigerten sich zudem Spielerinnen, die im vergangenen Jahr noch in der zweiten Reihe standen. „Isa Bergmann hat zum Beispiel letztes Jahr wenig gespielt und diese Saison fast durchgespielt. Sie ist die Spielerin, die vielleicht den größten Sprung nach vorn gemacht hat“, sagt Elmrich über die 20-Jährige.

Sitzung mit dem Team

In der kommenden Woche will er in einer Sitzung mit dem Team klären, ob man den Aufstieg wahrnimmt. Bei zwei oder drei Spielerinnen wisse man noch nicht genau, wie die berufliche Situation im kommenden Jahr aussehe. Um in der Regionalliga bestehen zu können, müsse der Kader ohnehin vergrößert werden: Eine Mittelblockerin und eine gute Außenangreiferin „mit Durchschlagskraft“, die auch aus schlechteren Zuspielen mal den einen oder anderen Punkt mache, würde sich Elmrich wünschen.

Was die Rahmenbedingungen und das Finanzielle betrifft, ist der Coach guter Dinge, dass der Verein den Aufstieg stemmen kann. Nach dem einen Jahr in der Regionalliga in der vergangenen Saison wisse man zudem, was in dieser Liga auf einen zukomme. „Das macht vieles einfacher“, so Elmrich, der nun viele Teams aus den anderen Landesverbänden schon kennt.

Obwohl noch nichts entschieden ist, deutet vieles daraufhin, dass der TSV den Aufstieg wahrnehmen wird. „Wenn man Meister wird“, sagt Elmrich: „Dann will man schließlich auch gerne aufsteigen.“ Ob dies nun auf der Couch oder in der Halle passiert ist, macht da keinen Unterschied.

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