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Zypern statt Ober-Roden: Alex Miller ist der Senkrechtstarter bei 1960 Hanau, verpasst aber den Auftakt

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Hat einen Torriecher: Alex Miller, hier im Duell mit Torwart Kolin Koch, traf auch bei der 1:6-Niederlage des SC 1960 Hanau im Testspiel gegen den Hessenligisten FC Erlensee.
Hat einen Torriecher: Alex Miller, hier im Duell mit Torwart Kolin Koch, traf auch bei der 1:6-Niederlage des SC 1960 Hanau im Testspiel gegen den Hessenligisten FC Erlensee. © Scheiber

Ein junger Angreifer des Fußball-Verbandsligisten SC 1960 Hanau hat sich als große Überraschung der Sommervorbereitung entpuppt. Der 19-jährige Alex Miller, zuletzt bei seinem Heimatverein 1. FC Langen in der U19 aktiv, macht mit starken Leistungen auf sich aufmerksam, ist mit fünf Toren bester Torschütze der Hanauer in den Testspielen. Doch jetzt gönnt sich der junge Fußballer erst mal eine Pause.

Hanau – Ausgerechnet vor dem Saisonauftakt am Sonntag gegen Germania Ober-Roden (siehe Text rechts) fliegt er nach Zypern in den Urlaub. Die Frage ist: Kann er nach seinem Urlaub, durch den er die ersten drei Pflichtspiele verpasst, sofort an seine Leistung anknüpfen? Miller ist sich sicher: „Kein Problem.“ Was auch damit zu tun hat, dass sich der junge Langener in neuer Umgebung schnell eingelebt hat. „Beim ersten Training war ich schon ein bisschen nervös, es war ja auch mein allererstes Seniorentraining“, blickt Miller zurück: „Ich habe dann aber schnell gemerkt, dass jeder einzelne Spieler sofort an- und aufgenommen wird.“

Der Kontakt zum HSC entstand über einen Bekannten, der meinte, Miller würde perfekt in die Mannschaft passen. Nach einem kurzen Gespräch mit Trainer Savas Erinc und den Verantwortlichen des Klubs, stand der Entschluss zum Wechsel schnell fest. Ihm hatte vor allem die familiäre Stimmung gefallen. „Ich bin ein Teamplayer“, sagt Miller: „Für mich steht die Mannschaft immer an erster Stelle. Wenn die Stimmung untereinander stimmt, kann das ein riesiger Vorteil sein.“ Für Miller ist es ein großer Sprung. Die meiste Zeit in Jugendmannschaften spielte er für den Nachwuchs des Gruppenligisten 1. FC Langen. Bis zur U14 blieb er dort, dann wechselte er in die U15-Regionalliga zum FSV Frankfurt. Es folgte ein kurzer Abstecher zur Frankfurter Eintracht, ehe er nach zwei weiteren Jahren beim FSV wieder nach Langen in die U19 zurückging.

Vom offensiven Flügelspieler zum Mittelstürmer

HSC-Trainer Erinc ist beeindruckt von seinem Zugang, im Speziellen von seiner Unbekümmertheit. „Jeder neue Spieler musste bei uns im Trainingslager den anderen etwas vorsingen. Alex, unser jüngster Spieler, hatte als einziger den Mut, auch noch ein paar einleitende Sätze zu formulieren“, erzählt Erinc. Alex Miller, dessen Vorbild Cristiano Ronaldo ist, war die meiste Zeit seiner jungen Karriere als offensiver Flügelspieler gefragt. Seit er für 1960 Hanau spielt, findet er Gefallen an der Mittelstürmerrolle. Der junge Angreifer kommt in ein Team mit großen Ambitionen. Die Ziele sind klar formuliert: Der Aufstieg soll her. Dafür müsse nach Millers Ansicht vor allem auch der Teamspirit stimmen: „Die Stimmung ist super. Wir wollen als Team und nicht mit elf Einzelspielern auftreten.“

Der 19-Jährige, der vor eineinhalb Monaten sein Fachabitur bestanden hat, will jetzt erst mal „rein kommen“ und sich an den Seniorenfußball, der doch eine relativ große Umstellung sei, gewöhnen. Doch das Ziel, höher zu spielen sei „natürlich immer da“. Hanau sieht er als perfekten Ort für seine weitere Entwicklung an. Auch sein Trainer sieht das Potenzial, bremst aber zu große Erwartungen: „Es ist ja erst seine erste Seniorensaison. Er soll Erfahrungen sammeln und das Jahr genießen. Wenn er aber weiter so fokussiert und diszipliniert bleibt wie jetzt, wird er seinen Weg gehen.“

Zusätzlich zum Vereinstraining wird im Fitnessstudio geschwitzt

Doch die Disziplin, die der Langener an den Tag legt, hat auch seine Schattenseiten. Denn Freizeit ist zum Fremdwort für Miller geworden. „In den letzten Wochen habe ich außer Fußball nicht viel anderes gemacht“, sagt er schmunzelnd. Selbst die Freunde kommen derzeit zu kurz, räumt er ein: „Wenn ich Zeit habe, verbringe ich sie mit meiner Freundin.“ Die meiste Zeit aber investiert Miller, der im kommenden Jahr ein duales Studium im Bereich Bauingenieurswesen anstrebt, in seinen Sport. Zusätzlich zum Fußballtraining, in der Regel drei- bis viermal die Woche, geht er zwei- bis dreimal ins Fitnessstudio. Ein straffes Programm, das ihm bei seiner ersten Station im Männerfußball helfen soll. Miller ist ein körperbetonter Spieler: „Mit dem Rücken zum Tor ist er eine Macht. Er hat einen stämmigen Körperbau, ist trotzdem sehr lauffreudig“, sagt Erinc. Und dazu kommt die Coolness vor dem Tor. Beim 3:0 im Testspiel gegen den rheinland-pfälzischen Oberligisten TSG Pfeddersheim schnürte er einen Doppelpack, lupfte dabei einmal den Ball frech über den am Boden liegenden Torwart ins Netz.

„Alex ist, obwohl er so jung ist, schon ein kompletter Spieler“, lobt HSC-Coach Erinc: „Trotzdem muss er noch viel lernen.“ Miller selbst sieht seine Stärken vor allem im Durchsetzungsvermögen, seinem Tempo und im Abschluss. Als ausbaufähig bezeichnet er die Qualitäten mit dem Ball an seinem schwächeren rechten Fuß.

Geht es nach Erinc, wäre Miller für Sonntag ein Kandidat für die Startelf gewesen: „Im Moment würde ich sagen, dass Alex knapp die Nase vorn hat.“ Wenn da nicht der geplante Urlaub in Zypern wäre. Der 19-Jährige ist sich bewusst, dass er sich am Strand nicht nur auf die faule Haut legen darf. Er habe bei der Hotelwahl extra darauf geachtet, dass ein Fitnessstudio vorhanden ist. Das will er regelmäßig nutzen. Schließlich soll sein Debüt nur aufgeschoben sein - und nicht aufgehoben. (Von Niklas Wenzel)

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