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Zwei Ex-Profis sorgen für die Tore: Agovic und Derdemez peilen mit Kesselstadt die Gruppenliga an

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Der Montenegriner Semir Agovic glänzt oft als Vorbereiter, traf selbst aber auch schon 15-mal - unter anderem beim 2:2 im Topspiel gegen den FC Erlensee II (
Der Montenegriner Semir Agovic glänzt oft als Vorbereiter, traf selbst aber auch schon 15-mal - unter anderem beim 2:2 im Topspiel gegen den FC Erlensee II ( © Scheiber

Der VfR Kesselstadt peilt in der ab Sonntag fortgeführten Rückrunde der Kreisoberliga Hanau weiterhin den Aufstieg in die Gruppenliga an. Weil mit Emir Omerovic der Topstürmer der vergangenen Jahre verletzungsbedingt nicht mehr zur Verfügung steht (siehe Infobox), rückt ein Duo zweier Ex-Profis bei der Mission Aufstieg noch weiter in den Vordergrund: Mittelfeldspieler Semir Agovic und Stürmer Almir Derdemez.

Hanau – Beide konnten in ihrer Karriere bereits zeitweise vom Fußballspielen leben und bringen somit Erfahrungen mit, die in der Kreisoberliga selten anzutreffen sind. Noch außergewöhnlicher als das alleinige Profi-Sein ist, dass mit Semir Agovic ein Spieler die hiesige Kreisoberliga bereichert, der bereits in der Europa-League-Qualifikation gespielt und sogar getroffen hat. Nach seiner fußballerischen Ausbildung bei Partizan Belgrad spielte er mit dem montenegrinischen Verein FK Celik Niksic 2012 in der ersten Runde der Europa-League-Qualifikation. „Die Europa League ist eine große Erfahrung für alle Fußballspieler. Das erste Spiel war gegen FK Borac Banja Luka. Ich habe das Tor geschossen, dass uns in die zweite Runde gegen Metallurg Donezk gebracht hat,“ berichtet der Montenegriner Agovic stolz von seinem größten Karrieremoment.

Wegen seiner in Deutschland lebenden Familie zog es ihn nach weiteren Stationen, unter anderem beim schwedischen Zweitligisten Husqvarna FF, letztlich zum VfR Kesselstadt, wo der 29-Jährige seit 2019 die Kickschuhe schnürt.

Auch Almir Derdemez schrammte knapp an einer kompletten Profikarriere vorbei, als der aus Serbien stammende Stürmer im Juli 2014 für ein Jahr beim Oberligisten Energie Cottbus II mitspielte. „Ein Manager mit Kontakten nach Cottbus hatte mich bei meinem vorherigen Verein, dem SVW Mainz, gesehen und empfohlen. Im Probetraining konnte ich dank guter Vorbereitung überzeugen, fortan war Fußball nicht mehr nur Leidenschaft von mir, sondern auch meine Arbeit“, so der heute 27-Jährige. Weil er aber seinem Vater bei der Gründung einer Trockenbau-Firma in Obertshausen helfen wollte, kehrte er dem Profifußball den Rücken zu.

Der VfR Kesselstadt profitierte bereits in der Hinrunde von den Erfahrungen des Ex-Profi-Duos, in Toren gesprochen ganze 39-mal. Das übergeordnete Ziel des Vereins, „am Schluss den Platz an der Sonne zu holen“, wie der sportliche Leiter der ersten Mannschaft, Edo Selimovic, sagt, kann wahrscheinlich nur vom aktuellen Tabellenzweiten 1. FC Erlensee II durchkreuzt werden. Selimovic vermutet, dass die Konkurrenten vom Fliegerhorst viele Spieler aus der Hessenliga-Mannschaft einsetzen werden. „Das wird nicht einfach. Wir dürfen nicht patzen.“

Der Serbe Almir Derdemez führt die Torjägerliste der Kreisoberliga Hanau mit 24 Treffern an.
Der Serbe Almir Derdemez führt die Torjägerliste der Kreisoberliga Hanau mit 24 Treffern an. © Scheiber

Insbesondere die Chancenverwertung müsse sich in der Rückrunde verbessern, so Selimovic. Neben dem weiter guten Zusammenspiel von Semir Agovic und Almir Derdemez erwartet er auch, dass die beiden Hilalspor-Neuzugänge Abdulkadir Okutan und Furkan Usta „was reißen können“.

Hinsichtlich der Chancenverwertung gibt sich Almir Derdemez selbstkritisch und gleichzeitig angriffslustig: „Ich bin der Meinung, dass ich in der Hinrunde noch mehr Tore hätte schießen können. Das werde ich jetzt nachholen.“ Helfen könnte dem aktuell besten Torjäger der Liga dabei der meist auf dem rechten Flügel eingesetzte Semir Agovic, der bereits viele Tore des Serben vorbereitet hat. „Wir haben beide Profifußball gespielt und verstehen uns im Spiel sehr gut“, lobt der 29-Jährige das Zusammenspiel des Duos. Kein Faktor bei der gemeinsamen Torejagd ist dabei gemäß Derdemez die klassische Flanke. „Ich bin ein mitspielender Stürmer. Kopfbälle zum Beispiel vermeide ich weitestgehend, unser Stil ist mehr auf das Passspiel fokussiert“, erklärt der 27-Jährige, der zuvor beim SV der Bosnier in Frankfurt spielte.

Beide Ex-Profis können es sich gut vorstellen, auch nächste Saison für den VfR zu spielen. „Ich sehe keinen Grund, von Kesselstadt wegzugehen. Ich würde ja nicht einfach so von der Verbandsliga in die KOL wechseln, wenn nicht alles passen würde,“ erklärt Derdemez.

Jetzt steht aber erst einmal die Rückrunde an. „Ich versuche immer, mein Bestes zu geben. Es ist nicht wichtig, wer das Tor schießt, sondern dass alle im Team glücklich sind“, zeigt sich Semir Agovic mannschaftsdienlich, Almir Derdemez setzt sich selbst ein ambitioniertes Ziel: „Wenn die Gesundheit mitspielt, möchte ich noch mal 24 Tore schießen!“

Von Lennart Nickel

Torjäger Omerovic muss Karriere beenden

Bis zuletzt versuchte sich der Kreisoberliga-Toptorjäger der vergangenen Jahre, Emir Omerovic vom VfR Kesselstadt, nach seiner dritten schweren Knieverletzung im November 2019 wieder an kontinuierliche Einsätze heranzutasten. Nun ist klar: Der 28-jährige Bosnier wird nicht mehr für den Tabellenführer auflaufen können. „Das Knie ist einfach kaputt, Emir wird aufhören, Fußball zu spielen“, so der Sportlichen Leiter Edo Selimovic, der auch auf Aspekte abseits des Sportplatzes verweist: „Er braucht sein Knie auch noch im normalen Leben.“ nic

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