Entspannt: Im Feriengespräch mit HA-Mitarbeiter Robert Giese plaudert Hannes Geist aus dem Nähkästchen.
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Entspannt: Im Feriengespräch mit HA-Mitarbeiter Robert Giese plaudert Hannes Geist aus dem Nähkästchen.

Feriengespräch

Zufällig beim Handball gelandet: Hannes Geist von der HSG Hanau im Feriengespräch

  • vonRobert Giese
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Hannes Geist ist ein Tausendsassa bei den Handballern der HSG Hanau. Mittlerweile ist der ehemalige Kreisläufer an der Seitenlinie und hinter den Kulissen gefordert.

Hanau – Hannes Geist ist bei den Handballern der HSG Hanau der Mann für alle Fälle: Erst als Kreisläufer, mittlerweile als Trainer der A-Jugend, Co-Trainer der Drittliga-Mannschaft und Leiter der Geschäftsstelle, führt am 33-Jährigen kein Weg vorbei, wenn es um Handball in der Brüder-Grimm-Stadt geht. Wir haben mit dem selbstständigen Handelsvertreter, der durch Beruf, Sport und Privatleben oft sprichwörtlich auf mehreren Hochzeiten tanzt, über die nicht immer leichte Trennung zwischen Arbeit und Freizeit, seinen von einigen Zufällen geprägten Lebensweg und übers Heiraten in Zeiten von Corona gesprochen.

Der Zufall war es allein schon, der Geist einst zum Handball brachte, wie sich der Tausendsassa der HSG erinnert: „Meine Familie hatte mit Handball eigentlich nichts am Hut, aber mein Vater hat irgendwann als Betreuer beim HC Empor Rostock gearbeitet.“ Flugs landete auch der Sohn bei den Rostocker Handballern, was den weiteren Lebensweg des Kreisläufers prägen sollte, denn seitdem bestimmt Handball einen großen Teil seines Lebens.

Seit 2008 ist Hannes Geist in der Region, aber noch nicht bei der HSG Hanau

Von der Ostsee hier in die Region verschlug es Geist 2008, als ihn der ebenfalls aus Rostock stammende Jan Redmann nach Unterfranken zur HSG Kahl/Kleinostheim lotste. Zu seiner Rolle auf dem Platz gesellten sich für den gelernten Groß- und Außenhandelskaufmann schnell weitere Aufgaben im Handball hinzu, er übernahm erst bei der HSG Kahl/Kleinostheim, dann beim Nachwuchs des TV Großwallstadt Trainertätigkeiten, arbeitete in der Geschäftsstelle mit und war beim damaligen Zweitligisten schließlich zwei Jahre lang Teammanager, während er gleichzeitig Betriebswirtschaftslehre studierte.

Flugkünstler: Eine Rückkehr auf das Parkett schließt Hannes Geist aus.

„Ich wollte eigentlich nie studieren“, erzählt Geist und lacht, aber ähnlich wie bei seinen anderen Tätigkeiten habe sich das im Lauf der Zeit mehr oder weniger zufällig ergeben. Nach der Insolvenz der Großwallstädter machte Geist sich selbstständig, wechselte als Spieler nach Hanau und übernahm auch dort rasch mehr und mehr Aufgaben am Spielfeldrand und im Hintergrund. „Das entwickelt sich nach und nach, weil es dabei schließlich oft Synergieeffekte gibt“, erklärt Geist, der unter anderem für das Hallenmanagement und die Spielpläne zuständig ist.

HSG Hanau: Hannes Geist hat seine Karriere mittlerweile beendet

All die verschiedenen Aufgaben und das Privatleben unter einen Hut zu bekommen, sei oftmals nicht einfach, auch wenn der 33-Jährige seine aktive Karriere inzwischen beendet hat. Um da einen „Cut“ hinzubekommen, bedient sich Geist einiger Tricks – wie zum Beispiel dem des „heiligen Sonntags“, der für die Familie reserviert sei. „Es sei denn, da ist ein Spiel“, schränkt Geist ein und lacht, versichert aber, durch eine gute Arbeitsorganisation genug Zeit für die Familie zu finden, auch wenn sich sein Beruf nicht an die üblichen Bürozeiten halte.

Dass er in Mühlheim wohnt, sieht der Geschäftsstellenleiter der HSG auch als großen Vorteil an: „Die Wege zu den Hallen sind kurz, aber ich habe dennoch etwas Abstand und kann den Schalter umlegen, wenn ich nach Hause fahre.“ Die technischen Möglichkeiten des digitalen Zeitalters nutzt Geist, der zusammen mit dem HSG-Medienbeauftragten Thomas Tamberg in den vergangenen Monaten mit www.generati on-homeoffice.de auch die erste Special Interest-Website zum Thema Homeoffice im deutschsprachigen Raum aufgebaut hat, dennoch voll aus – und auch die Freiräume, die es bietet: „Dadurch kann ich ja praktisch von überall arbeiten, aber eben auch jede freie Minute mit der Familie nutzen.“

Hanau: Hannes Geists Familie besteht aus Frau und Tochter

Familie, das ist bei Geist seine Frau Katrin sowie Katrins Tochter Liz, die Trauung fand im Mai diesen Jahres statt, also mitten während der Corona-Einschränkungen. „Das war im Familienkreis, unter Einhaltung der Abstandsregeln haben wir dann noch verschiedene Stationen absolviert, zum Beispiel bei den Arbeitskollegen von Katrin oder eben bei den Handballern“, erzählt Geist. „Das war wirklich sehr schön, die große Feier wollen wir dann im kommenden Jahr nachholen, das lassen wir uns nicht nehmen.“

In bester Kreisläufer-Manier scheute Hannes Geist als aktiver Handballer keinen Zweikampf.

Die gemeinsame Zeit verbringen die drei gerne in Hanau, wo Marktplatz und Forum die ersten Anlaufstellen sind. „Zur Entspannung lese ich sehr gerne, deswegen geht es eigentlich immer zu Thalia“, verrät der 33-Jährige, der beim Lesen aber auf kein bestimmtes Genre festgelegt ist und bei dem sich auch hier Privates und Berufliches vermischen, denn er liest häufig auch aus beruflichen Gründen.

Freizeit spielt für den ehemaligen Handballer keine große Rolle mehr

Anders als im Beruf spielt in seiner Freizeit Sport keine große Rolle mehr. „Aktuell mache ich gar nichts“, so Geist, „und damit fühle ich mich auch sehr wohl.“ Sein Leben sei lange von vielen Trainingseinheiten geprägt gewesen, zeitweise bis zu zehnmal pro Woche, daher genieße er es, jetzt erst einmal ein bisschen Abstand zu gewinnen. „Ich kann mir vorstellen, zum Beispiel mal wieder in einer lockeren Gruppe eine Runde zu kicken“, so der 33-Jährige, „aber alles ohne Verpflichtungen.“

Am Spielfeldrand hingegen ist für Geist noch lange nicht Schluss: Er hat die A-Trainerlizenz und damit die höchste in Deutschland vergebene Trainerlizenz, was ihm als Coach viele Möglichkeiten bietet – nicht nur in Hanau. „Chancen kommen häufig unverhofft“, will Geist grundsätzlich nichts ausschließen, stellt aber auch klar, dass die Brüder-Grimm-Stadt aktuell sein Lebensmittelpunkt sei und er den Weg der HSG noch lange nicht als beendet ansieht.

Hanau sei für Geist der ideale Standort

Als Trainer strahlt Hannes Geist Ruhe aus – besonders bei der Quali zur A-Jugend-Bundesliga 2018.

„Hanau ist als Standort ideal und wir haben hier jede Menge Perspektive“, verweist Geist auf die jüngste Entwicklung des Drittligisten, der in den vergangenen Jahren vom eigenen sportlichen Erfolg „ein bisschen überrollt wurde“ und inzwischen immer professionellere Strukturen etabliert. Diese Strukturen könnten mittelfristig auch die Grundlage für einen Aufstieg in die 2. Bundesliga bieten – ein Ziel, das bei der HSG immer offener kommuniziert wird.

Als Spieler wäre Geist dann aber definitiv nicht dabei, denn ein weiteres Comeback – in der Hinrunde der Saison 2018/19 war er wegen anhaltender Verletzungssorgen im Team noch einmal aushilfsweise als Kreisläufer eingesprungen – schließt der 33-Jährige kategorisch aus. „Für mich war das ein überragender Abschluss meiner Laufbahn“, betont Geist, dem der Abschied auch „überhaupt nicht schwergefallen“ sei.

„Das war so ein schleichender Prozess, ich habe jahrelang ohne große Pausen gespielt, die ständigen Trainingseinheiten und Spiele haben irgendwann geschlaucht.“ Er sei zwar nie auf- oder abgestiegen, habe sich aber auch niemals ernsthaft verletzt. „Ich habe viele Erinnerungen an super Spiele und bin“, ist sich der 33-Jährige sicher, „genau zum richtigen Zeitpunkt ausgestiegen.“ Den Sport, der rund 25 Jahre sein Leben bestimmte, wird er nur noch aus einer anderen Perspektive verfolgen.

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