Der Blick geht wieder nach vorne: Simon Cote brauchte nach dem Abstieg der White Wings "Zeit, um zu reflektieren und sich Gedanken über die Zukunft zu machen". Jetzt freut sich der Headcoach auf die neue Saison. Archivfoto: TAP

Basketball

White-Wings-Trainer Simon Cote im Interview

Basketball. Die emotionalen Strapazen waren Simon Cote im Laufe der verkorksten Vorsaison anzusehen. Der Trainer der Ebbecke White Wings litt und schwitzte Wochenende für Wochenende an der Seitenlinie mit seiner Mannschaft.

Einige Monate nach dem ProA-Abstieg wirkt der US-Amerikaner erholt. Vor dem Beginn der ProB-Saison sprüht er vor Tatendrang. Mit seiner neuen Truppe will er im Training und an den Spieltagen in erster Linie Spaß haben. Auf sportliche Ziele würde er sich nach der Abtastphase festlegen, sagt er im Interview.

Herr Cote, gehen Sie nach der Enttäuschung der vergangenen Saison wieder mit einem Lächeln auf den Lippen zum Training?Ja, denn es macht wahnsinnig Spaß, dieses Team zu trainieren. Wir haben Jungs zusammen, die alles daran setzen, sich zu verbessern. Sie wollen eine Einheit werden. Vielleicht gab es bisher keinen Kader, der mir so viel Freude bereitet hat.

Klingt, als wäre die Entscheidung, in Hanau zu bleiben, die richtige gewesen. Dachten Sie nie an einen Tapetenwechsel?

Jeder brauchte nach der vergangenen Saison und der Enttäuschung Zeit, um zu reflektieren und sich Gedanken über die Zukunft zu machen. Innerhalb des Klubs gab es große Veränderungen. Nach Gesprächen mit dem Management und den Sponsoren war für mich aber klar, dass ich bleibe und ein tolles Team ganz neu aufbaue.

Lagen Ihnen auch andere Jobangebote vor?

Es gibt immer Möglichkeiten. Ich habe mir angesehen, welche Optionen ich habe. Wie jeden Sommer. Und ja, ich hätte wechseln können. Ich hatte einen gültigen Vertrag bei den White Wings, aber es fühlte sich einfach richtig an, in Hanau zu bleiben. Es war eine Herzensangelegenheit für mich.

Till-Joscha Jönke scheint jetzt der klare Führungsspieler zu sein. Lastet auf ihm mehr Druck?

Unsere Mannschaft – da bin ich mir sicher – ist mehr Team als im vergangenen Jahr. Wenn die Jungs sich mögen und uneigennützig denken, lässt sich Verantwortung auf viele Schultern verteilen. Till ist eine Führungspersönlichkeit und will mit gutem Beispiel vorangehen. Deshalb lastet aber nicht die ganze Verantwortung auf ihm.

Wenn die Teamchemie jetzt stimmt, liegt es daran, dass Sie – abgesehen von Preston Beverly– keinen US-Profi mehr haben?

Nein. Die Probleme in der vergangenen Saison waren nicht nur auf ausländische, sondern auch auf andere Spieler zurückzuführen.

Haben Sie unter dem neuen Management mehr Einfluss auf dieZusammenstellung des Kaders?

Geschäftsführer Sebastian Lübeck und ich arbeiten Hand in Hand. Wie wir die neue Mannschaft aufgestellt haben, war prima. Aber es gehört eine Portion Glück dazu. Wenn sich jemand vorstellt oder wir ihn scouten, kennen wir seinen Charakter und seine Arbeitsweise nur oberflächlich. Wir wissen nicht, wie dieser Mensch in einer Gruppe funktioniert. Nach vier oder fünf Wochen – nachdem die Spieler gemeinsam schwierige Zeiten durchgestanden haben und richtig müde gewesen sind – kann ich sagen, ob der Kader funktioniert. Diese Jungs halten das, was sie versprochen haben.

Sie sind kein Freund von frühen Prognosen. Nur der Klassenerhalt – wie noch in der ProA – kann allerdings nicht das Ziel sein . . .

. . . aber dennoch müssen wir uns in der ProB etablieren. Dafür gibt es mehrere Gründe: Erstens müssen wir lernen, wie Spiele in dieser Liga gewonnen werden. Bislang wissen wir wenig über die anderen Teams, Trainer und Systeme. Zweitens haben wir ein fast komplett neues Team, während andere Klubs mit bis zu acht Spielern aus der Vorsaison antreten. Ein gewaltiger Vorteil. Drittens ist unser Kader klein, was uns unter Druck setzt, sobald es Verletzte gibt. Trotzdem haben wir ein starkes Aufgebot. Wenn wir erkennen, wie sich die Teamchemie und die jungen Spieler entwickeln, können wir uns Ziele stecken.

Haben Sie das Gefühl, dass Sie als ProA-Absteiger automatisch favorisiert werden?

Nein, und ich glaube nicht, dass unsere Spieler das Gefühl haben. Ich weiß selbst nicht, wo wir stehen. Basketballer werden selbstbewusst, wenn sie gegen einen bestimmten, einschätzbaren Gegner gut aussehen und Gewissheit darüber bekommen, wie weit sie sind. Darauf müssen wir noch etwas warten.

Das Interview führte Dominik Sharaf.

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