Verliert nur auf dem Feld die Bodenhaftung: Matthias Fichtner (Mitte gegen Speyer) profitiert von seiner Athletik und hat sich bei den Hanau White Wings gut eingelebt.
+
Verliert nur auf dem Feld die Bodenhaftung: Matthias Fichtner (Mitte gegen Speyer) profitiert von seiner Athletik und hat sich bei den Hanau White Wings gut eingelebt.

ProB: White Wings Hanau treffen auf Karlsruhe

White Wings Hanaus Flügelspieler Matthias Fichtner setzt wieder alles auf Karte Basketball

  • Jörn Polzin
    VonJörn Polzin
    schließen

Als Matthias Fichtner sein basketballerisches Domizil in der Saison 2019/2020 nach Hannover verlegte, betrat er eine fremde Welt. Alles viel hektischer, weiter und unübersichtlicher in so einer Großstadt. Das kannte er nicht. Weder von seinen vorigen Stationen in Coburg und Bamberg/Baunach und erst recht nicht aus seiner Heimat, dem 13 000-Einwohner-Örtchen Haßfurt in Bayern.

Hanau – „Da gibt es keine Bahnen und so was“, erzählt der 22-Jährige schmunzelnd. Die gibt es zwar in seiner neuen Heimat Hanau, dennoch genießt Fichtner den Alltag mit kurzen Wegen. „Auf das Auto bin ich kaum angewiesen. Ich komme hier gut zurecht.“ Eine Aussage, die auch für seinen aktuellen Arbeitgeber gilt. Seit Sommer steht Fichtner bei den White Wings unter Vertrag, gehört zu den Stützen in der Pro B mit 20 Einsatzminuten im Schnitt. Nach einer Durststrecke klappte es zuletzt auch im Abschluss wieder besser. Beim Sieg in Erfurt egalisierte der Flügelspieler mit elf Punkten seinen Saisonbestwert. Dass er nicht mehr zur Startformation zählt, nimmt er gelassen. „Das ist zwar etwas ungewohnt, aber nicht entscheidend.“

Rückschläge: Meniskus war zweimal kaputt

Schließlich hatte Fichtner in seiner noch jungen Karriere ganz andere Rückschläge zu verkraften. „Mein Meniskus war zweimal kaputt, da musste ich mich erst wieder ran kämpfen“, erzählt der 1,97 Meter große Flügelspieler. Das war zu Zeiten, als Fichtner der berühmten Bamberger Talentschmiede angehörte, in einem „sehr professionellen Umfeld“ ausgebildet wurde und zum U18-Nationalspieler heranreifte. Größter Erfolg: der deutsche Meistertitel mit der U19. Gut kann sich Fichtner auch noch an ein Turnier mit Gastspieler Isaac Bonga erinnern, der heute in der NBA aufläuft.

Schnell hoch ging es auch für Fichtner, der bereits mit 16 Jahren sein Pro-A-Debüt für Baunach gab. Sein damaliger Förderer Fabian Villmeter ist noch heute voll des Lobes. „Matze ist ein guter Charakter und war sehr beliebt“, erzählt der frühere Trainer des TV Langen und aktuell hauptamtliche Bundestrainer. „Er bringt tolle körperliche Voraussetzungen mit und eine Athletik, die selten ist.“

Jene Athletik hätte Fichtner auch in die 1. Liga (BBL) führen können. Dass es (noch) nicht für den ganz großen Sprung gereicht hat, führt Villmeter vor allem auf das Verletzungspech zurück. „Vielleicht war er aber auch etwas zu ungeduldig.“

Was der Trainer meint: Statt weiter in Bamberg am Durchbruch zu arbeiten, entschied sich Fichtner frühzeitig für einen Wechsel nach Coburg in die Pro B und begann mit einer Ausbildung zum Sport- und Fitnesskaufmann. „Klar, war das ein Schritt zurück, aber für mich war es wichtig, auch einen Plan B in der Tasche zu haben“, betont der Power Forward. Der Traum von ganz oben ist für ihn noch nicht ausgeträumt. „Ich setze wieder alles auf Basketball“, betont Fichtner, der zumindest wieder in der Pro A auf Korbjagd gehen will. Ob das mit den White Wings möglich ist? Dort steht er noch bis 2022 unter Vertrag, will weiter alles für sein Team einbringen. Und das ist nicht wenig: „Er hat einen guten Wurf von der Dreipunktelinie, ist aber auch athletisch genug, den Korb zu attackieren und Rebounds einzusammeln. In der Verteidigung kann er mehrere Positionen halten“, lobt Hanaus Geschäftsführer Sebastian Lübeck. Da kann Fichtner nur zustimmen und ergänzt schmunzelnd: „Wenn mir nicht gerade ein echter Bulle gegenüber steht, bin ich da sehr flexibel.“

Trainer Kamil Piechucki kann flexibel aufstellen

Auf jene Flexibilität setzt Trainer Kamil Piechucki besonders und hat danach auch seinen Kader ausgerichtet. So ist Fichtner nicht der einzige „Große“, den es mal nach außen zieht. Auch Center Josef Eichler, ebenfalls ein gebürtiger Bayer, versucht sich gern aus der Distanz.

Die Mischung passt also bei den White Wings, die Stimmung erst recht nach vier Siegen in Serie. „Wir genießen es gerade“, meint Fichtner, der den Blick schon Richtung Play-off-Runde gerichtet hat. „Dafür wollen wir uns natürlich eine gute Ausgangslage verschaffen.“ Am besten mit einem weiteren Erfolgserlebnis am Samstag (19 Uhr) gegen den Tabellennachbarn Karlsruhe um Routinier Rouven Roessler (40). „Die werden wir nach der Hinspielniederlage nicht unterschätzen“, betont Fichtner. Den Schlüssel hat er ausgemacht: „Konsequenz vom Start weg.“ (Jörn Polzin)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema