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White Wings: Mit acht Mann auf Angriff

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Für Christian von Fintel, Kapitän der White Wings Hanau, hat der Ausfall am ersten Spieltag von Teamkollege Chase Adams schwer gewogen. Die Frage wird sein, ob die dünne Personaldecke der Grimmstädter für die ProA ausreicht. (Archivfoto: TAP)
Für Christian von Fintel, Kapitän der White Wings Hanau, hat der Ausfall am ersten Spieltag von Teamkollege Chase Adams schwer gewogen. Die Frage wird sein, ob die dünne Personaldecke der Grimmstädter für die ProA ausreicht. (Archivfoto: TAP)

Basketball. Reichen acht White Wings? Das ist die große Frage, die zur Zeit nicht nur den Trainerstab umtreibt, sondern auch die Fans. Das ProA-Team aus Hanau will aus dieser personellen Not eine Tugend machen und mit dem kleinen Kader kämpfen wie die Löwen.

Von Dominik Sharaf

Auf den ersten Blick war die Pleite gegen die Hamburg Towers am vergangenen Wochenende für die Hebeisen White Wings verschmerzbar. Die Hanauer unterlagen einem finanzstarken Bundesliga-Kandidaten und hielten über drei Viertel mit. Dazu – so wurde nach der Schlusssirene argumentiert – hätte Trainer Simon Cote seine Rotation nach dem Ausfall Chase Adams' mit nur sieben Spielern bestücken können.

An der dünnen Personaldecke wird sich jedoch aufgrund der knappen Kasse nichts ändern, selbst wenn der US-Profi fit wird. Reicht dieser Kader für die ProA?

Krallen gegen Hamburg ausgefahren

Flügelspieler Paul Albrecht ist überzeugt, fehlende Quantität zu kompensieren: „Wir sind kürzer besetzt“, vergleicht er das aktuelle Aufgebot mit dem der Vorsaison, „aber wir machen es wett, indem wir kämpfen wie die Löwen.“ Die Krallen hatten die White Wings gegen Hamburg tatsächlich ausgefahren und waren in Sachen Einstellung über jeden Zweifel erhaben – aber trotzdem im Schlussviertel nicht mehr in der Lage, die Towers in Schach zu halten.

Adams-Ausfall schmerzt

Kapitän Christian von Fintel betont, dass der Adams-Ausfall ein Schlag ins Kontor gewesen wäre: „Chase ist ein wichtiger Spieler, der viel den Ball in der Hand hat. Das mussten andere übernehmen – und es kostet Kraft, wenn man es nicht gewohnt ist.“ Außerdem verfügt der von Ligakonkurrent Paderborn gekommene Adams über Deutschland-Erfahrung, an der es den drei übrigen neuen US-Profis mangelt. Sie verdienen zum ersten Mal Geld in Europa und sind körperbetonten Basketball aus ihrer College-Laufbahn nicht gewohnt. Auch die Kulisse könnte Eindruck hinterlassen haben.

Sparzwang schränkt ein

Dennoch machen die White Wings keinen Hehl daraus, dass es in der Breite fehlt. „Ich würde mir manchmal wünschen, dass wir das hätten, was Köln, Hamburg und alle anderen haben“, schielt Sportdirektor Helmut Wolf auf die Budgets der Konkurrenz. Dann würde er vermutlich sofort den fünften Berufsspieler aus den USA holen, für den bis zur Winterpause gespart werden soll. „Die Liga lebt von starken Einzelspielern. Sie kann ein starker Teamzusammenhalt nur bedingt ersetzen“, weiß Wolf.

Bodenständiger Wunschzettel

Trotzdem wollen die Hanauer aus der Not eine Tugend machen. Die Verteidigung soll stehen wie ein Bollwerk, sodass der Rest von alleine kommt. „Wenn die Offensive läuft, können wir es mit den Großen aufnehmen“, verspricht von Fintel, ohne von Galaabenden unter dem gegnerischen Korb zu träumen. „Mit den begrenzten Mitteln müssen wir uns auf andere Dinge konzentrieren“, ergänzt Wolf und schreibt seinen bodenständigen Wunschzettel: „Geschlossenheit, eine solide Verteidigung und ein vernünftiger Rhythmus im Angriff.“ Er habe das Gefühl, dass alle Aktiven für die anderen spielen würden, in der Vorbereitung erhalten, sagt der Sportdirektor. Er verfügt mit den am Samstag nicht eingesetzten Jonas Herold (noch zu unerfahren) und Benedict Nicolay (nur als Notnagel geholt) über zwei weitere Alternativen, sollten sich die Verletzungen häufen und es eng werden.

Keine ideale Ausgangsposition, aber verschmerzbar, findet Wolf: „Es tut weh, aber dann denkt man an die vielen positiven Dinge in Hanau: die Zuschauer, die Stimmung und das Kribbeln, das ich auch nach sechs Jahren noch fühle. All das kann man sich für Geld nicht kaufen.“

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