Dominik Klein ins Siegespose. Archivfoto: Jan Hübner

Handball

Weltmeister Dominik Klein wirbt für HA-Handball-Gala

Handball. Acht Mal deutscher Meister, sechs Mal Pokalsieger, drei Mal Champions-League-Sieger und 2007 Weltmeister. Dominik Klein spricht im Interview zur Handball-Gala des HANAUER ANZEIGER über sein Karriereende, den Amateurhandball und Handballer in Feierlaune.

Herr Klein, 2018 haben Sie Ihre Karriere als Handballer beendet. Wie bekommt Ihnen der Handball-Ruhestand?Sehr, sehr gut. Ich hatte eine hervorragende Karriere. Ich durfte viel erfahren und viel erleben, bin nach Rückschlägen zurückgekommen. Diesen Erfahrungsschatz habe ich in meiner Handball-Schublade und es ist schön, dass man die auf- und zumachen und emotional davon erzählen kann. Der zweite Lebensabschnitt mit Familie ist jetzt angegangen. Wir sind mittendrin, uns da reinzuleben. Es ist ja auch erst ein Dreivierteljahr her.

Mit zwei kleinen Kindern dürfte Ihnen auch nicht langweilig werden.Nein, das kann man wohl sagen. Nicht mit einer sechs Monate alten Tochter und einem fünfjährigen Sohn, der bei den Bambini spielt. Da bin ich weiter in der Handballhalle und gestalte das Training mit. Ich möchte die Kinder weiterhin begeistern. So wie ich selbst aufgewachsen bin, mit Frantisek Fabian als Ziehvater. Diese Erziehung möchte ich gerne an Kinder und Jugendliche weitergeben.

Frantisek Fabian, der auch bei der HSG Hanau Trainer war, hat Sie als junger Spieler geprägt, Ihnen den Sprung zu den Profis ermöglicht. Wie wichtig war er für Sie?Jeder Spieler, der sagen kann, er war in der Nationalmannschaft oder der mal einen Titel gewinnen konnte, wird sagen, er hat zur richtigen Zeit den richtigen Trainer gehabt. Ferry (Spitzname von Fabian, Anm. d. Red.) hat einen ganzen Verein geprägt, ich durfte sieben Jahre unter ihm trainieren. Trainer, die mit einer solchen Leidenschaft an eine Sportart gehen, sind sehr selten. Ich bin unglaublich glücklich, so einen – ich nenne es immer zweiten Papa – gehabt zu haben.

Christian Zeitz, mit dem sie 2007 Weltmeister wurden, spielt noch in der 3. Liga bei Nußloch. Wäre das was für Sie, auf niedrigerem Niveau noch mal zu spielen, oder haben sie einen Schlussstrich gezogen?Ich habe tatsächlich diesen Schlussstrich gezogen. Ich hatte in Obernburg ein tolles Abschiedsspiel im letzten Sommer, konnte da noch mal der TuSPO Obernburg Danke sagen. Da kamen gleichzeitig viele Weggefährten zusammen, die unter Ferry trainiert haben. Das war für mich ein runder Abschluss. Ich hatte während meiner Karriere immer eine sehr hohe Erwartungshaltung an mich selbst. Da würde ich mir, glaube ich, nichts Gutes tun, nochmal einzusteigen. Ich gebe lieber etwas weiter an die Generation, die kommt.

Welche Bezugspunkte haben Sie zum Amateur-Handball?Wir sind in Oberschleißheim bei München zu Hause. Dort ist der Handball noch ein kleines Pflänzchen. Wir haben eine Mannschaft in der 3. Liga, Fürstenfeldbruck, die macht unglaublich viel Spaß mit ihrer Geschlossenheit und ihrer familiären Art, die dort gelebt wird. Wir haben aber auch ganz viele weitere Vereine, die den Handball leben, so wie ich es aus meiner Heimat kenne.

Was macht den Handball für Sie so besonders?Wir tragen alle eine Leidenschaft in uns. Gemeinsam Handball zu spielen und in der Mannschaft erfolgreich zu sein. Wir haben eine Gemeinschaft, in der jeder sagt: Wir Handballer verstehen uns. Wir sind gleich, wir ticken gleich, wir haben Werte, die wir vorleben. Wir haben bei der WM im eigenen Land gezeigt, wie der Zusammenhalt ist, wie man fair miteinander umgeht. Wie man emotional sein kann, wie man bei den Fans sein kann. Uns verbindet so viel. Man wünscht sich, dass viele auf den Geschmack kommen, Handballer zu werden.

Wie wichtig ist die Arbeit in den Amateurvereinen, um den Sport voranzubringen?Es geht darum – wie in jeder Sportart –, Kinder zu begeistern. Ein Training abzuliefern, in dem die Kinder Spaß haben, damit sie auch nächste Woche wiederkommen wollen. Wir haben im Handball eine Wertevermittlung. Ich sage immer: Erziehung findet auch in der Halle statt. Wenn wir da gute Trainer ausbilden, junge und engagierte Trainer haben, dann gewinnen wir auch Kinder, die in die Halle kommen und mit uns Handball spielen.

Wie finden Sie die Idee, eine Handball-Gala zu veranstalten, bei der alle Handballer in der Region zusammenkommen?Ich finde es überragend. Diese Wertschätzung, die man entgegengebracht bekommt als Handballer, dass man etwas zurückbekommt für all die harten Trainingseinheiten und Spiele während der Saison. Das finde ich sensationell, da zusammenzukommen, um geehrt zu werden. Wenn Handballer auf einem Fleck zusammenkommen, kann eh nur Gutes dabei rauskommen.

Handballer haben den Ruf, ordentlich feiern können. Auf was müssen wir uns einstellen?Zu Amateurzeiten waren die Auswärtsfahrten die schönsten Erinnerungen. Wenn man gemeinsam im Bus einen Sieg gefeiert hat. Bei der Handball-Gala sind jetzt noch viel mehr Handballer auf einem Fleck als nur die eigene Mannschaft. Ich hoffe, ihr habt niet- und nagelfestes Mobiliar aufgestellt und genug zum Trinken. Wenn wir feiern, dann auch richtig, das gehört dazu. Man muss natürlich immer im Blick haben, dass das Handballerische davon abgehoben wird. Alles unter einen Hut bringen, das können wir Handballer auch.

Bei der Gala wird der härteste Wurf gesucht. Wie hart können Sie werfen?Es gibt aktuelle Zahlen, am Wochenende wurde in der Bundesliga der härteste Wurf der Liga ausgezeichnet und ich durfte den Preis an den Amateurhandballer mit dem härtesten Wurf übergeben. Da habe ich auch geworfen. Nach einem Dreivierteljahr Pause und mit kalter Schulter habe ich 100,2 km/h geworfen. Als Linksaußen war es für mich wichtiger, schneller zu sein und weiter zu springen. Aber mit den 100 km/h war ich schon sehr zufrieden. Auch wenn ich gemerkt habe, dass die Schulter das nicht mehr so alles mitmacht.

Als ARD-Experte waren Sie bei der WM im Einsatz und sind bei vielen Handballspielen unterwegs. Ist das etwas, was Sie sich langfristig vorstellen können?Es macht unglaublich viel Spaß. Es ist schön, nach der Karriere weiter für die Sportart zu brennen, vor einem Millionenpublikum darüber sprechen zu können. Wir holen damit ganz viele Leute ab und zeigen, was wir Handballer für Typen sind. Ich habe Lust, dass im Team der ARD noch lange zu machen. Wir haben viele tolle Turniere vor uns. Und ich freue mich immer, wenn ich als Experte dabei sein kann.

Das Gespräch führte Michael Bellack.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema