Tanzen Onlinetraining bei TSC Steinheim
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Ungewohntes Training: Sabrina Weis, Trainerin der Gardetänzerinnen „Happy Delphines“, leitet ihre Gruppe per Video-Chat an.

Saison beginnt im November

Choreografie per Video-Chat: Wie der TSC Weiss-Rot Steinheim in Zeiten von Corona trainiert

  • vonDavid Lindenfeld
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Optimal ist es nicht, aber immerhin ein Anfang: Die Gardetänzerinnen des TSC Weiss-Rot Steinheim trainieren wegen der Corona-Pandemie aktuell im „Homeoffice“, wo sie Teile ihrer Choreografie für die neue Saison per Video-Chat einstudieren.

Synchronität und die verschiedenen Formationen lassen sich so zwar nicht üben – gerade für die Kinder im Alter von acht bis elf Jahren, welche die Gruppe der „Happy Delphines“ bilden, sind die bei-den Trainingseinheiten pro Woche aber ein absoluter Höhepunkt im ab und an tristen Corona-Alltag

„Wir bekommen total viele Rückmeldungen, dass das Training für die Kinder das Highlight des Tages ist“, sagt Sabrina Weis, die als eine von drei Trainerinnen beim TSV die „Happy Delphines“ coacht. Sie kam auf die Idee, das Training in die Wohnzimmer zu verlegen: „Es geht in erster Linie darum, dass die Mädels nicht einrosten. Und darum, den sozialen Kontakt aufrechtzuerhalten. Damit wir uns nicht aus den Augen verlieren.“

Training zweimal in der Woche

Statt zwei Stunden in der Halle wird deshalb seit Ende März immer montags und mittwochs eine Stunde in den eigenen vier Wänden trainiert. Auch die Aktiven im Alter von 16 bis 25 Jahren trainieren zur Zeit online. Die Sessions laufen in der Regel relativ ähnlich ab: Los geht es mit einem Konditions- und Kraftworkout, dann folgen Dehnübungen, ehe verschiedene Tanzschritte der neuen Cho-reografie geübt werden.

Dafür treffen sich die elf Tänzerinnen und die drei Trainerinnen der „Happy Delphines“ im Video-Chat. Genutzt wird ein System, das der Gruppe von der Firma eines Vaters zur Verfügung gestellt wird. Nach anfänglichen technischen Schwierigkeiten gibt es inzwischen kaum noch Probleme beim Training: „Das war am Anfang schon nervenaufreibend. Wir sind dafür gemacht, in die Halle zu gehen, und kennen uns mit der Technik nicht so gut aus“, berichtet Weis. 

Tänzerinnen bekommen auch Hausaufgaben

Mittlerweile habe sich aber vieles eingespielt. Um ein großes Durcheinander zu vermeiden, schalten die Tänzerinnen ihre Mikrofone zunächst stumm, wenn es in den ersten Trainingsabschnitten um Kondition, Kraft und Dehnung geht. Anschließend tanzen die „Happy Delphines“ des TSC nacheinander die von den Trainerinnen choreografierten Schritte vor – der Rest schaut so lange zu. Gleichzeitig ist das aufgrund der Zeitverzögerung, die online im Chat entsteht, nicht möglich.

Die Musik, die für den Auftritt ausgewählt wurde, spielen die Tänzerinnen einzeln auf ihren Handys ab. Und zum Abschluss gibt es dann noch eine Hausaufgabe: „Die Mädels müssen die Schritte, die wir ihnen gezeigt haben, zu Hause nachtanzen, filmen und uns per WhatsApp schicken. Wir geben dann Feedback und schauen, wo sich noch kleine Fehler eingeschlichen haben“, erklärt Weis.

Synchronität über Video-Chat nicht trainierbar

Optimal vorbereiten kann sich die Gruppe so aber nicht auf die Saison, die normalerweise im November beginnt. „Der Gardetanz besteht ja aus Formationen und Synchronität. Das kann man über den Video-Chat gar nicht trainieren“, erklärt Weis. Erste Grundlagen der neuen Choreografie können erlernt werden – der Rest muss warten, bis es wieder in die Halle geht.

Auch die Gardetänzerinnen des TSC hoffen deshalb, dass so schnell wie möglich wieder ein Stück Normalität mit dem gewohnten Trainingsalltag zurückkehrt. Ein weiteres durch Corona entstandenes Problem ist das Schneidern der neuen Kostüme für die kommende Saison. Sie kosten rund 250 bis 350 Euro pro Stück. Wichtige Einnahmequellen, mit denen die aufwändig geschneiderten Outfits finanziert werden, fallen aktuell aber weg. „Das ist einiges“, sagt Weis. 

Kostüme werden zum Problem in der Corona-Krise

Das Sommerfest wurde bereits abgesagt. Auch Auftritte, für die die Gruppen gebucht werden können, finden aktuell nicht statt. Neue Kostüme sind aber allein schon deshalb nötig, weil vielen Kindern ihre alten aus dem vergangenen Jahr im November nicht mehr passen werden. Erschwerend kommt hinzu, dass weiterhin unklar ist, ob die Auftritte in der nächsten Saison überhaupt wie geplant stattfinden können.

Eine Entscheidung, ob es neue Kostüme geben soll, muss aber schon bald fallen. „Die Verträge mit den Schneidern werden eigentlich jetzt, spätestens im Mai geschlossen“, erklärt Weis. Wie viele andere Vereine kämpft auch der TSC mit der ungewissen Zukunft und den Folgen der Corona-Pandemie, die die Gardetänzerinnen vorübergehend in die Wohnzimmer zwingt.

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