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Aus dem Weg: Tobias Reinhardt (links) und die HSG Hanau II sind Landesliga-Meister.

Meister ohne Feier

Das vorzeitige Saisonende und die Folgen: HSG II plötzlich Oberligist

Der Paukenschlag erreichte die Handballvereine in der Region am Donnerstagabend: In der 3. Liga Mitte wird der Spielbetrieb mindestens bis zum 19. April ausgesetzt, in den Ligen darunter ist die Saison vorzeitig beendet.

Die aktuellen Tabellen gelten dort als Abschlusstabellen, wer jetzt also auf einem Aufstiegsplatz steht, kann sich über den Aufstieg freuen, Vereine auf den Abstiegsplätzen müssen den Gang in die nächstniedrigere Liga antreten. Wir haben mit Vertretern der Vereine gesprochen, die grundsätzlich der vorübergehenden Absage des Spielbetriebs zustimmen, deren Meinungen über das vorzeitige Saisonende in den meisten Ligen aber auseinandergehen. 

Zwei echte Highlights entfallen

Oliver Lücke, Trainer des Drittligisten HSG Hanau, ist „nicht richtig böse, dass jetzt erst einmal keine Spiele mehr stattfinden, schließlich sind wir personell weiter arg gebeutelt und wären froh, wenn diese Katastrophen-Saison vorbei ist.“ Auf der anderen Seite hätten die Hanauer die verbleibenden Partien gerne noch gespielt, schließlich hätten mit den Derbys gegen Gelnhausen und Nieder-Roden noch zwei echte Highlights auf dem Programm gestanden. „Zum letzten Saisonspiel nach Elbflorenz hatten wir bereits einen Fan-Bus organisiert, dorthin wollten uns rund 100 Fans begleiten – dass das jetzt ins Wasser fällt, ist natürlich schade“, meint Lücke. 

Dass die 3. Liga nach der Pause fortgesetzt wird, kann sich der HSG-Coach indes momentan nicht so recht vorstellen, schließlich ruhe im Moment auch der Trainingsbetrieb. „Wir haben jetzt fünf Wochen trainingsfrei, ich weiß noch gar nicht, wie ich damit umgehen soll“, sagt Lücke und lacht, denn so eine lange Zeit ohne Handball habe er noch nie gehabt. Die Reaktion der Verantwortlichen kann der Hanauer Trainer aber voll nachvollziehen, „denn es gibt schließlich Wichtigeres als Sport“. 

Einstellung des Spielbetriebs zu spät

Zwei Wochen zu spät kommt die Einstellung des Spielbetriebs für Stefan Wagner vom Frauen-Landesligisten TV Langenselbold, wie der TVL-Coach im Scherz sagt – denn damals führten die Langenselbolderinnen noch die Tabelle der Landesliga Süd an. „Wir haben es durch die zwei Niederlagen in den vergangenen Wochen selbst vergeigt, von daher geht es sicher in Ordnung, dass wir eben nur Zweiter sind“, kann sich der TVL-Coach mit dem verpassten Aufstieg abfinden, „schwierig wird es aber bei den Absteigern, denn Dietzenbach hat zum Beispiel ein Spiel weniger bestritten als die anderen Teams und soll jetzt absteigen.“ Eine ideale Lösung für alle fällt Wagner kurzfristig aber auch nicht ein: „Gäbe es in dieser Saison überhaupt keine Auf- und Absteiger, wäre das auch falsch.“ 

Besonders getroffen hat das plötzliche Saisonende die Männer der HSG Preagberg, die in der Bezirksoberliga antreten: Das Team von Pedro Valina liegt gerade so auf einem Abstiegsplatz, hat aber weniger Spiele als die Konkurrenten bestritten und hätte an den beiden kommenden Wochenenden gegen direkte Rivalen im Kampf um den Klassenerhalt gespielt. „In meinen Augen ist die jetzige Regelung daher eine krasse Verzerrung des Wettbewerbs“, findet Valina klare Worte, „denn uns fehlt von heute auf morgen die Möglichkeit, das noch geradezubiegen.“ „Ohnmächtig“ fühlten sich Preagberger Mannschaft und Valina selbst, „denn wir können uns sportlich nicht gegen den Abstieg wehren.“ Der HSG-Coach hofft deshalb, dass die momentane Regelung noch einmal überdacht wird. „Vielleicht entscheidet man ja noch, dass es zum Beispiel nur Auf- und keine Absteiger gibt und hat dann im nächsten Jahr größere Ligen und eine längere Saison, denn es sind ja einige Vereine stark betroffen“, hofft Valina doch noch auf den Klassenerhalt. 

Freude bei der HSG Hanau II

Freude herrscht derweil bei der HSG Hanau II, die bereits jetzt ihren Aufstieg in die Oberliga feiern kann. „Es ist zwar etwas merkwürdig, auf der Couch Meister zu werden, aber wir haben eine sensationelle Runde gespielt und standen ja auch praktisch immer auf dem ersten Platz“, so HSG-Coach Norbert Wess, der mit seinem Team noch am Freitagabend die Meisterschaft in der Landesliga Süd feierte. 

Als etwas übereilt empfindet Christian Beller, der Betreuer der Oberliga-Mannschaft der SG Bruchköbel, die Entscheidung zum vorzeitigen Saisonende. „In den höheren Ligen wird der Spielbetrieb erst einmal ausgesetzt, das hätte man bei uns ja auch machen können“, so Beller. Die Entscheidung treffe die Bruchköbeler allerdings nicht sonderlich: „Wir hätten die Saison zwar schon gerne zu Ende gespielt, um noch mehr Spielpraxis zu erhalten, aber wir haben auch einige Verletzte und stehen im Mittelfeld der Tabelle, daher ist das für uns relativ egal.“ 

Anders sehe es in der Abstiegszone aus: „Da sind einige Vereine jetzt die Gelackmeierten, weshalb ich mir vorstellen kann, dass sie rechtlich gegen diese Entscheidung vorgehen. Mal sehen, ob der aktuelle Beschluss dann noch Bestand hat“, glaubt Beller, dass das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. Er hätte es vorgezogen, die Abschlusstabelle nur nach den Ergebnissen der Hinrunde zu erstellen, „denn das wäre zwar immer noch nicht ideal gewesen, aber besser nachzuvollziehen.“ Die SGB sieht sich derweil mit ganz praktischen Problemen konfrontiert: „Wir haben dadurch jetzt eine sehr lange Sommerpause, und an Mannschaftstraining ist erst einmal nicht zu denken – das wird sehr schwierig, wir müssen mal sehen, wie sich das weiterhin entwickelt.“

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