Ging beim dem E-Sport-Turnier des Hessischen Fußball-Verbandes alles mit rechten Dingen zu?
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Ging beim dem E-Sport-Turnier des Hessischen Fußball-Verbandes alles mit rechten Dingen zu?

Playstation-Turnier des HFV

Viktoria Neuenhaßlau nach Schummel-Vorwurf stinksauer

Update vom Dienstag, 26. Januar: Der freiwillige Ausstieg des FV Viktoria Neuenhaßlau aus dem StayAtHomeAgain-Cup des Hessischen Fußball-Verbandes schlägt weiter hohe Wellen. Spielertrainer Marcel Hedderich, selbst Teil des E-Sport-Teams des Kreisoberligisten, ist über die Betrugsvorwürfe gegen sein Team erzürnt und kritisiert zugleich den HFV für dessen Umgang mit den aus seiner Sicht völlig haltlosen Vorwürfen.

Dass die dritte und entscheidende Partie im Halbfinale gegen Sportfreunde/JFV Oberau beim Stand von 4:1 für Neuenhaßlau vom Moderator gestoppt wurde, kann Hedderich nicht nachvollziehen. „Wenn sonntags ein besoffener Rentner bei einem Fußballspiel rein ruft, dass bei einer Mannschaft jemand ohne Spielberechtigung mitspielt, bricht der Schiedsrichter das Spiel ja auch nicht ab, sondern es erfolgt allenfalls eine Klärung im Nachhinein.“

Böse Anfeindungen im Internet

Die Anfeindungen und Kommentare im Netz seien krass gewesen. „Es ging sogar so weit, dass uns vorgeworfen wurde, wir hätten vor einigen Wochen selbst den Brand an unserem Sportheim gelegt“, berichtet Hedderich.

In der Halbfinalpartie gegen die favorisierten Oberauer ist es nach dem überraschenden Auftaktsieg von Dominik Naase gegen Finn Schäfer in der Kommentarfunktion der Livestream-Übertragung eskaliert. Vorwürfe, angeblich auch von neutralen Zuschauern, wurden laut, dass Ranglistenspieler Dominik Naase auch im zweiten und dritten Spiel vor der Konsole saß – und nicht wie im Spielplan vorgesehen sein älterer Bruder Dennis Naase und eben Marcel Hedderich.

Auch im Viertelfinale, meinten einige, sei dies schon der Fall gewesen. „Natürlich haben Dennis und ich gespielt. Die Anschuldigungen sind haltlos und es gibt keine Beweise dafür“, so Hedderich.

Neuenhaßlauer haben keine Lust mehr auf das Turnier

Auch die zum klärenden Gespräch zugezogene Rechtsabteilung des HFV habe den Sieg bestätigt. Am sportlichen Einzug ins Finale habe, so Hedderich, kein Zweifel bestanden. „Es steht Aussage gegen Aussage, doch jegliche Anschuldigungen sind im Keim erstickt worden. Wir konnten alles detailliert darlegen, obwohl wir uns gar nicht rechtfertigen müssen.“

Und dennoch verspüren die Naase-Brüder und er keine Lust mehr auf den virtuellen Wettstreit. „Wahnsinn, was aus dieser Sache geworden ist. Es geht um ein Playstation-Turnier, dessen Bedeutung eher gering ist. Ob wir oder Oberau das Finale spielen, ist mir ziemlich egal, nicht aber, dass wir als Schummler hingestellt werden“, so Hedderich.

Hedderich: „Grundlos an den Pranger gestellt“

„Ich bin als freiberuflicher Sachverständiger tätig, Dennis Naase ist Polizist. Da ist es alles andere als schön, wenn man grundlos an den Pranger gestellt wird, nur weil nicht akzeptiert wird, dass man auch als 35-Jähriger deutlich jüngere und vermeintlich mit großem Talent ausgestattete Konsolenspieler schlagen kann“, meint Hedderich.

Der Viktoria-Spielertrainer erinnert sich an sein Match: „Ich habe schnell geführt, weil ich beim FIFA-Zocken genauso wie als Fußballer agiert habe. Ich habe munter drauf los gespielt und schnelle Abschlüsse gesucht.“ Bei der Einschätzung seines E-Sport-Talents auf sein Alter reduziert zu werden, nervt ihn. „Ich spiele schon jahrelang mit großer Leidenschaft FIFA. Bei Vereinen, die ich trainiert habe, habe ich regelmäßig Turniere organisiert. Auch das Turnier des HFV hat mir großen Spaß gemacht.“

Turnierfortgang noch ungewiss

Zumindest im Unterton unterstellt Hedderich dem E-Sport-Team aus Oberau, am vergangenen Wochenende ein schlechter Verlierer gewesen zu sein: „Vielleicht sind die Jüngeren eine andere Zockergeneration. Wir schalten jedenfalls nicht die Konsole aus, wenn es mal nicht so läuft. Vielleicht ist der eine oder andere jüngere Spieler einfach zu verbissen“, sagt er.

Die als Finalist feststehende TSG Wörsdorf muss weiter darauf warten, wie es im Südturnier weitergeht. Laut Social-Media-Referent Sascha Timmas will der Verband bis zum Donnerstag über den Ablauf und Besetzung des Endspiels informieren.

Erstmeldung vom Montag, 25. Januar: Betrugsvorwürfe überschatteten beim StayAtHomeAgain-Cup, dem E-Sport-Turnier des Hessischen Fußball-Verbandes, die Halbfinalpartie zwischen den Sportfreunden/JFV Oberau und Viktoria Neuenhaßlau. Das Team aus Hasselroth stieg daraufhin gestern aus dem Turnier aus.

Titelverteidiger Oberau lag im entscheidenden dritten Spiel 1:4 hinten, ehe vom Moderator des Live-Streams ein Spielstopp veranlasst wurde. Anschuldigungen wurden laut, wonach das führende Team den gleichen Spieler mehrfach zum Einsatz gebracht haben soll. Dies konnte allerdings im Nachhinein nicht bewiesen werden.

Viktoria Neuenhaßlau streitet die Vorwürfe vehement ab, verzichtet aufgrund des ganzen Trubels nun aber auf die Teilnahme am Finale. Wie es mit dem unterlegenen Gegner aus dem Fußballkreis Büdingen weitergeht, hat die Social-Media-Abteilung des Hessischen Fußball-Verbandes noch nicht entschieden. Einzig die TSG Wörsdorf steht bislang als Endspielteilnehmer des Südturniers fest.

Sieger beim E-Sport-DFB-Pokal dabei

Die finale Phase des virtuellen Wettstreits ist lukrativ: Es winkt die Teilnahme an der zweiten Runde des E-Sport-DFB-Pokals. Zwei Tickets stehen dem HFV zur Verfügung, wobei auch die Sieger der ersten Auflagen des Nord- und Südturniers eine Qualifikationschance haben sollen. Hintergrund: Verteidigt Oberau seinen Titel beim Südturnier wäre dem Team eines der Tickets sicher. Die Sieger der beiden Nordturniere würden den zweiten Qualifikanten ausspielen.

Viktoria Neuenhaßlau unter Verdacht

Zurück zum Zankapfel: Ob in der Halbfinalpartie zwischen Oberau und Neuenhaßlau nicht alles mit rechten Dingen zugegangen ist, ist rein spekulativ. Es sind Indizien und Vermutungen, die den 2:1-Erfolg der Viktoria in einem etwas unrühmlichen Licht erscheinen lassen.

Schon im Live-Chat der Streaming-Übertragung köchelte der Unmut. Selbst neutrale Zuschauer sollen Zweifel geäußert haben, ob gemäß den Turnierbestimmungen wirklich drei verschiedene Spieler für Neuenhaßlau an der Konsole waren. Pikant: Ähnliche Vorwürfe gegen das Team der Viktoria sollen bereits eine Woche zuvor laut geworden sein, als die im Viertelfinale unterlegenen E-Sportler der TGB Darmstadt das Zustandekommen der 1:5-Niederlage im dritten und entscheidenden Spiel kritisch hinterfragt haben.

Erste Niederlage für Oberaus Schäfer

Gleich im ersten Spiel trafen die „Nummer-Eins-Spieler“ aufeinander: Finn Schäfer für Oberau, Dominik Naase für Neuenhaßlau. Beide in ihrer Freizeit als Konsolenspieler in E-Sport-Ligen gemeldet. Dominik Naase setzte sich dank eines Last-Minute-Treffers mit 4:3 durch und fügte Schäfer die erste Niederlage im Turnier zu.

Das zweite Spiel bestritten laut Spielplan der Oberauer Pierre-Maurice Jung und Dennis Naase: Ergebnis 2:0 für den Titelverteidiger. Die offizielle Besetzung des dritten Spiels lautete Helge Wagner (Oberau) gegen Marcel Hedderich (Neuenhaßlau). Zum Zeitpunkt des Abbruchs in der zweiten Hälfte lag Viktorianer mit 4:1 vorne. Leicht nachvollziehen waren nur die ausgewählten Profiteams, denn alle Spieler entschieden sich für Bayern München.

HFV findet den Wirbel schade

Beim HFV haben die Verantwortlichen eine Konsequenz aus den unrühmlichen Begleitumständen der Partie zwischen den Oberau und Neuenhaßlau gezogen: „Die Finalpartien im Nord- und Südturnier müssen vor laufenden Kameras stattfinden“ berichtet Turnierleiter Sascha Timmas.

Den aufgekommenen Wirbel findet der Social-Media-Beauftragte des Verbands schade, denn die Resonanz auf das vom HFV als Ausgleichswettbewerb für die aktuell beschäftigungslosen Amateurfußballer initiierte Playstation-Turnier sei bislang äußerst positiv gewesen. „In dieser Angelegenheit gibt es nur Verlierer. Ein Team fühlt sich betrogen, das andere zu Unrecht beschuldigt und dazu ist der gesamte Wettbewerb beschädigt“, so Timmas.  fs

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