Ein Fall für das Kreissportgericht um Angelo Bologna, Thomas Kaden, Günther Klein-Alstädde und Claudia Vanheiden (hinten von rechts): Die Schiedsrichter Timo Euler und Holger Freese (vorne von links) waren beim Hallenturnier des VfB Großauheim beleidigt worden und hatten die Halle verlassen. Nun werden drei der beteiligten Klubs zur Kasse gebeten. Aber auch Euler selbst. Foto: TAP

Fußball

VfB-Cup: Drei Vereine und ein Schiri zu Geldstrafen verurteilt

Fußball. Mit glimpflichen Geldstrafen hat das Kreissportgericht am Freitagabend die Vorfälle während des VfB-Cups des VfB Großauheim am 13. Januar geahndet. Der FC Erlensee muss 125 Euro zahlen, der TSV 1860 Hanau 75 und Gastgeber VfB 100. Auch Schiedsrichter Timo Euler erhielt eine Geldstrafe.

Von Gert Bechert

Beim Hallenturnier des VfB hatten die beiden Schiedsrichter Timo Euler und Holger Freese während des zweiten Halbfinalspiels zwischen RW Großauheim und der U19 des FC Erlensee wegen wiederholter Beleidigungen die Großsporthalle am Spitzenweg verlassen. Da sich ein einheimischer Schiedsrichter bereit erklärte, die restlichen Spiele zu leiten, wurde das Turnier noch über die Bühne gebracht (wir berichteten).Nach einer umfangreichen Beweisaufnahme wurde Gastgeber VfB Großauheim wegen verbalen Entgleisungen seiner Spieler gegenüber den Schiedsrichtern zu einer Geldstrafe von 50 Euro verurteilt. Da sich die Turnierleitung in der entscheidenden Phase gegenüber den Schiedsrichtern unkollegial verhielt, kommen weitere 50 Euro dazu. Obwohl die Kammer ein zu spätes Einschreiten der Turnierleitung bemängelte, sei mangelhafte Aufsicht nicht gegeben gewesen.VfB Großauheim, FC Erlensee und TSV 1860 Hanau bestraftWegen Schiedsrichterbeleidigungen seiner Spieler muss der TSV 1860 Hanau 75 Euro blechen. Härter traf es den FC Erlensee. Der Gruppenligist muss wegen ungebührlichem Verhalten eines Fans – Vater eines Spielers – 150 Euro berappen. FCE-Vorsitzender Tobias Gebhardt verurteilte das Verhalten des Zuschauers scharf, stellte in diesem Zusammenhang aber die Frage, was Vereine dagegen tun können, zumal der besagte Fan kein Mitglied des FCE sei. Die Ermittlungen gegen den FC Hochstadt und RW Großauheim wurden eingestellt, da beiden Klubs die von den Schiedsrichtern erhobenen Vorwürfe nicht nachgewiesen werden konnten.

Auch Euler bekommt StrafeAber auch die beiden Schiedsrichter kamen nicht ungeschoren davon. Während gegen Freese das Verfahren wegen geringer Schuld eingestellt wurde und das Sportgericht dem Referee attestierte, emotional nicht mehr in der Lage gewesen zu sein, das Halbfinale fortzusetzen, wurde Euler wegen Nichtantretens zu einer Geldstrafe von 30 Euro verurteilt. „Bei ihm war die Sache anders gelagert. Aus Solidarität mit dem Kollegen die Halle zu verlassen, war nicht angebracht. Er hätte auf jeden Fall für Freese einspringen müssen“, begründete Günter Klein-Alstädde das Urteil. Der Vorsitzende des Sportgerichts wies in diesem Fall daraufhin, dass ein Spielabbruch nicht einen Turnierabbruch zur Folge habe. Die Turnierleitung entscheide über die Wertung des betroffenen Spiels, das Turnier werde danach fortgesetzt, so Klein-Alstädde. Die Kosten der Verhandlung haben die bestraften Vereine anteilig zu tragen.Anlass für die Verhandlung von dem Kreissportgericht war ein Sonderbericht der Schiedsrichter und die Berichterstattung in der Presse.

Abbruch oder nur Unterbrechung?Im Mittelpunkt der Beweisaufnahme stand die Frage, ob es sich um einen Spielabbruch oder nur um eine Unterbrechung handelte. Kammermitglied Thomas Kaden zählte die Kriterien auf, die ein Schiedsrichter zu beachten hat, bevor er ein Spiel abbricht. Dazu zählen unter anderem die Kontaktaufnahme mit den beiden Spielführern und die Einschaltung der Turnierleitung. Es zeigte sich, dass mit den Kapitänen überhaupt nicht gesprochen und die Turnierleitung nur sehr halbherzig eingeschaltet wurde. Für das Sportgericht stand damit fest, dass es sich nicht um einen Spielabbruch handelte. Was für den eingesprungenen Unparteiischen Cem Karahan von großer Bedeutung war. „Wären wir zu einer anderen Entscheidung gekommen, hätten wir auch Herrn Karahan bestrafen müssen, obwohl dieser nur seinem Verein einen Gefallen tun wollte“, meinte Kaden.Zu Denken gaben allen Anwesenden die Schlussworte Freeses. „Wie respektlos ist der Fußball geworden! Wir sind alle aufgefordert, Zeichen zu setzen“, meinte der 54-Jährige, der seit über 20 Jahren für den SV Oberdorfelden pfeift. Klein-Alstädde sprach von einem gesellschaftlichen Problem, das auch vor den Sportplätzen nicht Halt macht: „Wir müssen uns dem stellen“, forderte der Kreissportgerichtsvorsitzende.

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