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Verschärfte Corona-Maßnahmen im Westen des Main-Kinzig-Kreises: Trainer sehen klare Wettbewerbsnachteile

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Die Luft ist wieder raus: Vier Wochen lang darf in sechs Kommunen nur kontaktlos Sport betrieben werden. Zudem dürfen nicht mehr als zehn Spieler am Training teilnehmen. Wettbewerbe sind verboten. Für viele Teams verschiebt sich dadurch der Saisonstart.
Die Luft ist wieder raus: Vier Wochen lang darf in sechs Kommunen nur kontaktlos Sport betrieben werden. Zudem dürfen nicht mehr als zehn Spieler am Training teilnehmen. Wettbewerbe sind verboten. Für viele Teams verschiebt sich dadurch der Saisonstart. © Imago

Die Nachricht der verschärften Corona-Maßnahmen in Hanau und verschiedenen Kommunen im Main-Kinzig-Kreis hat bei den betroffenen Topteams der heimischen Amateurfußballszene eingeschlagen wie eine Bombe.

Region Hanau – „Wir waren schockiert, als wir die Nachricht kurz vor der Abreise zu unserem geplanten Testspiel beim FC Gießen erfahren haben“, sagt Michael Fink, Spielertrainer des Hessenligisten FC Hanau 93.

Das Freundschaftsmatch beim Regionalligisten wurde umgehend abgesagt und auch in den kommenden vier Wochen wird es von der Politik verordnet für sämtliche Fußballteams aus Hanau, Maintal Bruchköbel, Erlensee, Neuberg und Nidderau keine sportlichen Wettkämpfe geben. Dazu ist Training nur in Kleingruppen bis zu zehn Personen und ohne Körperkontakt erlaubt. Für die Trainer inmitten der heißen Vorbereitungsphase auf die für sie und ihre Teams eigentlich am ersten September-Wochenende startende Punktrunde eine bittere Nachricht.

Wettbewerbsnachteile liegen auf der Hand. „Wie sollen wir denn nach fünf Wochen ohne Spiel und ohne Zweikampftraining plötzlich von null auf hundert kommen?“, meint Michael Fink. Nach derzeitigem Stand können in der Hessenliga derzeit von 20 Teams immerhin 18 normal trainieren und auch spielen, weswegen ein Festhalten am aktuellen Spielplan – bei Absetzung der Partien des HFC und des FC Erlensee – laut Verbandsfußballwart Jürgen Radeck keine unwahrscheinliche Variante ist. Die bis zu fünf Partien pro Verein müssten dann zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden.

Erlensee und Hanau: Spielplan der Hessenliga lasse nur wenig Spielraum

Allerdings ist der Spielplan dicht gedrängt und lässt bei vielen englischen Wochen und einer kurzen Winterpause nur wenig Spielraum. „Wir warten auf die Nachricht vom Klassenleiter, wie es weitergehen soll. Wenn einzelne Mannschaften wegen Corona-Fällen in Quarantäne müssen, fallen ja die Spiele auch wieder aus“, nennt Erlensees Coach Tobias Heilmann einen weiteren Aspekt.

Seine Mannschaft war jüngst betroffen, da sich ein Spieler mit dem Covid-19-Virus infizierte, der mit der ersten Mannschaft und der U19 in Kontakt stand. Positiv für den FCE: Die angeordneten Tests ergaben bei allen Spielern ein negatives Ergebnis. „Vielleicht ist die Gefahr, sich auf dem Sportplatz anzustecken gar nicht so hoch. Der Spieler, der übrigens trotz positivem Befund keinerlei Krankheitssymptome aufwies, hat schließlich an zwei Trainingseinheiten mitgewirkt“, sagt Heilmann.

In Erlensee ruht in dieser Woche zunächst der Spiel- und Trainingsbetrieb. Für alle Mannschaften, auch im Jugendbereich. Der ambitionierte Verein, der sehr viel Zeit in sein Hygienekonzept gesteckt hat, will sich nach den neuen Verordnungen in Ruhe sortieren und keine Fehler machen. Der organisatorische Aufwand wird einmal mehr hoch sein. „Egal, was man davon hält, wir werden uns an die Verordnungen halten“, versichert Heilmann.

Die Trainer halten einen Kaltstart auch wegen des Verletzungsrisikos für fragwürdig

Aus Trainersicht hält er das ganze Prozedere für fragwürdig. „Das Verletzungsrisiko bei einem möglichen Kaltstart in eine dann laufende Runde ist schon beachtlich, wenn man mehrere Wochen keinen Wettkampf hat und keine Zweikämpfe trainieren kann“, meint Heilmann.

Kollege Fink aus Hanau pflichtet ihm bei. Der Ex-Profi hat seinen Kickern drei freie Tage gegeben, jedoch mit dem Wunsch, dass die Spieler zumindest einen Lauf absolvieren. Zum jetzigen Stand der Vorbereitung ist der sportliche Lockdown für sein Team ein herber Rückschlag. „Wir haben in den vergangenen Wochen intensiv gearbeitet, gerade im konditionellen Bereich. Das Ganze wirft uns jetzt extrem nach hinten.“

Fink muss jetzt in Sachen Trainingsgestaltung umdisponieren, will aber die neuesten Entwicklungen und Nachrichten aus dem Hessischen Fußballverband mit in seine Überlegungen einbeziehen. „Im Endeffekt wird es darauf hinauslaufen, dass wir verstärkt Basics trainieren werden“, so Fink und meint Torschüsse, Passübungen und Laufeinheiten.

Trainer von Hanau 93 zeigt Verständnis für die Maßnahmen

So bitter und frustrierend die aktuelle Nachrichtenlage für ihn als Trainer sein mag, zeigt Fink auch Verständnis. „Ich kann die Entscheidung der Stadt nachvollziehen. Die Gesundheit sollte immer im Vordergrund stehen. Und es geht im Amateursport nun mal nur um ein Hobby und nicht wie im Profibereich um Existenzen.“

Beim SC 1960 Hanau hat Trainer Savas Erinc bereits am Montagabend viele Anrufe von Spielern erhalten, die nicht wahrhaben wollten, dass erneut eine Spielpause ansteht. „Es wird schwierig, die Jungs bei Laune zu halten“, ahnt Erinc. Er wird nun erneut im Training an individuellen technischen Schwächen und im athletischen Bereich arbeiten. Das muss nicht schlecht sein, ersetzt aber keinen Wettkampf. „Die Frage ist jetzt, geht das Ganze über einen begrenzten Zeitraum, oder ist die komplette Runde gefährdet“, sagt Erinc und befürchtet Letzteres.

Nichtsdestotrotz will der HSC das Beste aus der Situation machen, die Ziele, die sein Team in der Verbandsliga Süd verfolgt, sollen sich nicht von der Pandemie wegwischen lassen. „Die Fußballvereine haben die Hygienekonzepte gut eingehalten und ich glaube nicht, dass die Gefahr, sich beim Sport anzustecken, größer ist als beim Einkaufen“, so Erinc.

Die Bedeutung des Sports will der Coach des SC 1960 Hanau generell nicht kleinreden. „Die Leute üben ihren Sport mit Leidenschaft aus. Und wenn sie das nicht dürfen, fehlt ihnen etwas Wichtiges im Leben.“

Von Frank Schneider

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