Zwei Tore, vier Platzverweise: Den Zuschauern an der Kastanienalle wurde beim Hanauer Derby einiges geboten. Am Ende konnten sich die 93er um Daniyel Cimen (grätschend) mehr über den Punktgewinn freuen als 1960. Foto: TAP

Hanau

Verbandsliga: Wildes Hanau-Derby ohne Sieger - vier Platzverweise

Fußball. In der Verbandsliga Süd sind zwei Spieltage vor Rundenschluss die Würfel im Aufstiegsrennen gefallen.

Von Gert Bechert

Aufsteiger RW Walldorf kürte sich nach einem 7:2-Kantersieg gegen den FC Erlensee und dank des 1:1-Remis im Hanauer Derby zwischen dem FC Hanau 93 und dem SC 1960 Hanau zum Meister und Aufsteiger in die Hessenliga. Den 93ern genügte vor 300 Zuschauern an der Kastanienallee der eine Punkt zur Teilnahme an der Aufstiegsrunde zur Hessenliga.

„Wir haben unser Minimalziel erreicht“, meinte ein sichtlich erleichterter Giovanni Fallacara nach Spielschluss. „Jetzt haben wir zwei Wochen Zeit zum Sortieren“, fuhr der Sportchef der 93er fort. Ähnlich äußerte sich der erst in der vergangenen Woche inthronisierte Interimscoach Michael Fink. „Für mich ist es jetzt erheblich leichter, die Mann-schaft auf die Aufstiegsrunde einzustellen. Ich kann in den verbleibenden zwei Punkt-spielen einiges testen, die volle Konzentration gilt jetzt diesen beiden Spielen.“

Fink lobt Neuzugang

Fink nahm verletzungsbedingt einige Umstellungen vor. Für Khaibar Amani und Michel Gschwender kamen Daniyel Cimen und Jörn Kohl neu in die Mannschaft. Beide bildeten als Innenverteidiger ein fast unüberwindliches Bollwerk. Eine Umbesetzung überraschte dagegen die 93er Fans. Im Tor stand nicht Stammkeeper Jens Westenberger sondern der kurzfristig von Bayern Alzenau gekommene Armend Brao.

„Dieses Risiko bin ich bewusst eingegangen. Ich war allerdings sehr sicher, dass Brao seine Sache gutmachen wird“, lobte Fink den erst 20 Jahre alten Neuzugang. Schließlich habe Brao die ersten fünf Spiele der laufenden Hessenligarunde bei den Unterfranken im Tor gestanden. Brao, der beim HFC mit dem Fußballspielen begann, fiel anschließend bei FCB-Trainer Angelo Barletta in Ungnade, wurde suspendiert und war deshalb sofort frei. „Er hat wie erhofft der Abwehr die nötige Sicherheit gegeben“, konstatierte Fink.

Verdiente Gästeführung

Von Beginn an sahen die Zuschauer zwei Mannschaften, die sich für ihre miserablen Vorstellungen des Vorsonntags rehabilitieren wollten. Wobei der HSC im ersten Durchgang das zielstrebigere Team war und nicht unverdient 1:0 führte. Für erste Aufregung sorgte Ugur Albayrak (20.), dessen flache Hereingabe von der Grundlinie Cimen zur Ecke abwehrte. Neun Minuten später wurde Baris Özdemir (29.) auf die Reise geschickt, Brao nahm ihm aber noch das Leder vom Fuß.

In der 36. Minute dann die zu diesem Zeitpunkt verdiente Gästeführung. Nach einem Freistoß von Markus Hofmeier brachten die 93er das Leder nicht aus der Gefahrenzone, Ali Mahboob zog aus sieben Metern unhaltbar ab: 0:1. Im Gegenzug zielte Patrick Gischewski am langen Eck vorbei. Das Spiel war von großem Kampfgeist beider Seiten geprägt, was sich in fünf gelben Karten ausdrückte.

Fallacara kündigte während der Halbzeitpause Änderungen an. „Wir müssen für mehr Druck sorgen“, begründete er den Wechsel von Dennis Gogol für Feta Suljic. Eigengewächs Gogol erwies sich als Glücksgriff. Er sorgte mit seinem dynamischen Spiel über links für viel Druck. Und wurde aus 93er Sicht zum Matchwinner. In der 66. Minute zog Gogol von der Strafraumgrenze flach ab und ließ Jannis Pellowski im HSC-Tor keine Chance. „Dieses Tor habe ich mir extra für heute aufgehoben“, grinste Gogol, der bislang noch kein Tor erzielt hatte, über das ganze Gesicht. Eine Minute zuvor hatte Özdemir (65.) nach einem Aydilek-Freistoß knapp das 0:2 verpasst. Sein Kopfball ging über das Tor.

Sari lobt sein Team

In der Schlussphase wurde die Partie zusehends hektischer, der Spielfluss ging verloren. Die Gäste mussten gewinnen, um noch im Rennen um Platz zu bleiben. Schiedsrichter Alexander Hauser rückte immer mehr in den Mittel-punkt. Vier Gelb-Rote Karten – je zwei für beide Teams – verhängte der Unparteiische. Nachdem Albayrak (82.) und Özdemir (85.) knapp das Ziel verfehlten, war der Weg frei für die 93er.

Okan Sari lobte sein Team für eine couragierte Leistung. Dagegen ging der Sportchef des HSC mit dem Referee hart ins Gericht. „Er hat überhaupt keine Autorität ausgestrahlt.“ Sari hakte das Spiel schnell ab und dachte bereits an das Pokalhalbfinale am 22. Mai im Herbert-Dröse-Stadion, wo man auf Revanche sinnt.

Hanau 93: Brao – Prümm, Cimen, Kohl – Ries, Bicakci (67. Sekeric), Velemir, Damar, Rafaat – Suljic (46. Gogol), Gischewski (89. Muatoglu) 1960 Hanau:Pellowski – Parker, Gültekin, Mahboob, Trajanov – Gaadaoui (59. Itoi), Hofmeier, Aydin, Aydilek – Albayrak, ÖzdemirTore: 0:1 Mahboob (36.), 1:1 Gogol (66.) – Schiedsrichter: Hauser (Schwalbach) – Zuschauer: 300 – Besondere Vorkommnisse: Gelb-Rot für die 93er Raafat (71.) und Velemir (90.+5), sowie die 1960er Hofmeier (88.) und Aydilek (90.) – Beste Spieler: TW Brao, Cimen/Gültekin, Hofmeier

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