Nachspiel: In der Partie gegen Wald-Michelbach gab es für den SC 1960 Hanau zwei Platzverweise. In der Halbzeitpause wurde der Schiedsrichter laut Bericht von einem unbekannten Hanau-Fan angegriffen. Die Sportliche Leitung um Okan Sari (rechts) ist um Aufklärung bemüht. Foto: TAP

Fußball

Verbandsliga: Fan stürzt SC 1960 Hanau in arge Bedrängnis

Fußball. Seit Freitagabend herrscht bei Okan Sari hektische Betriebsamkeit. Eine Mitteilung von Rainer Lach war der Auslöser. Der Vorsitzende des Sportgerichts der Verbandsligen informierte den sportlichen Leiter des HSC, dass die 1960er mit einem sofortigen Spielverbot belegt wurden.

Von Gert Bechert

Das am Sonntag geplante Heimspiel gegen SV der Bosnier könne nicht stattfinden. Grund dieser harten Maßnahme war ein Vorfall beim letzten Auswärtsspiel in Wald-Michelbach. Laut Sonderbericht des Schiedsrichters sei er in der Halbzeitpause beim Gang in die Kabine von Gästefans beleidigt worden und habe von einem einen Schlag an den Arm erhalten.

Die Atmosphäre war zu diesem Zeitpunkt bei der Handvoll (Sari) Gästefans aufgeladen gewesen. Kurz zuvor hatte Ilker Bicakci eine umstrittene Rote Karte erhalten, nachdem bereits nach einer knappen halben Stunde Özcan Aydin mit Gelb-Rot vom Platz geflogen war. „Ich konnte die Situation nicht überblicken, da ich mit Trainer Savas Erinc zu weit weg vom Geschehen war. Daher bin ich auch nicht in der Lage zu sagen, wer der Übeltäter war“, berichtet Sari.

Fußball-Verband setzt Zeichen nach Häufung von Vorfällen gegen Schiris

Der Hessische Fußball-Verband (HFV) handelte nach Vorlage des Schiedsrichterberichts sofort. „Nach der Häufung der Fälle von Tätlichkeiten gegen Unparteiische in den vergangenen Wochen hat der Vorstand des HFV, dem auch die 32 Kreisfußballwarte angehören, beschlossen, bei Vorliegen eines Tatbestands umgehend das betreffende Sportgericht anzurufen, das dann ein Spielverbot aussprechen kann“, informiert Torsten Becker.

Nach den Worten des aus Hanau stammenden Vizepräsidenten des HFV seien solche präventiven Maßnahmen unumgänglich geworden. „Wir müssen ein Zeichen setzen. Schiedsrichter sind kein Freiwild, die bei Ausübung ihres Hobbys verbal beleidigt oder sogar angegriffen werden können“, kündigt Becker ein konsequentes Durchgreifen des Verbandes an.

HSC-Offizielle hätten im konkreten Fall nichts unternommen

Die Schiedsrichter machten mobil, der Verband sei gefordert, konkrete Maßnahmen zu ergreifen. Im vorliegenden Fall stellte Verbandsspielausschussvorsitzender Jürgen Radeck einen Antrag auf Spielverbot des HSC beim Sportgericht der Verbandsligen, das dem nachkam. Ausschlaggebend, so Becker, sei dabei gewesen, dass HSC-Offizielle den Vorfall mitbekommen, aber nichts unternommen hätten.

„Das ist ein Riesendrama für uns, solche Entgleisungen werden wir keinesfalls tolerieren, schließlich haben wir auch sechs Schiedsrichter in unseren Reihen“, sagt Sari und betont, eine klare Linie fahren zu wollen. Es sei eine Schande für den Verein, vorübergehend aus dem Spielbetrieb genommen worden zu sein.

Sari will Entgleisungen auf keinen Fall tolerieren

Gleichzeitig übt er in seinem Statement aber auch verhaltene Kritik an den Verbandsoberen. „Ohne eine Stellungnahme unsererseits einzuholen, sind wir am Freitagabend vor vollendete Tatsachen gestellt worden. Was das bedeutet, kann sich jeder vorstellen. Seit 20 Uhr stand bei mir das Telefon nicht mehr still.“ Noch am Samstag ging laut Sari eine schriftliche Stellungnahme des Vereins an den HFV raus.

Der HSC gilt als „gebrandmarktes Kind“. In der Vergangenheit eckte der kurdisch geführte Verein immer wieder mit der Sportgerichtsbarkeit an. Besonders auffällig war die erste Saison in der Gruppenliga (2014/15) vor fünf Jahren, als der Verein sich sieben Rote und neun Gelb-Rote Karten einhandelte und den letzten Platz in der Fairnesstabelle belegte.

Verein arbeitet an seinem Image - vergangene Saison ohne Rote Karte

In jüngster Vergangenheit arbeiteten die Verantwortlichen hart daran, dieses Image loszuwerden. Die vergangene Runde schloss der HSC ohne Rote Karte ab. Dafür kam es immer wieder zu vereinsinternen Auseinandersetzungen mit einzelnen Mitgliedern. Sie eskalierten vor einem Jahr im Rücktritt von Trainer Antonio Abbruzzese nach einem tätlichen Angriff gegen ihn.

Die mündliche Verhandlung zu den Vorgängen in Wald-Michelbach findet am Dienstag, 17. Dezember, um 18.30 Uhr in Frankfurt (Otto-Fleck-Schneise) statt. „Wir werden uns rechtlichen Beistand einholen und gut gewappnet in die Verhandlung gehen“, betont Sari.

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