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Verbandsliga: SC 1960 Hanau suspendiert Benjamin Braus

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Aus für Braus: Der Tabellendritte der Verbandsliga Süd, SC 1960 Hanau, hat überraschend Benjamin Braus rausgeworfen. Archivfoto: TAP
Aus für Braus: Der Tabellendritte der Verbandsliga Süd, SC 1960 Hanau, hat überraschend Benjamin Braus rausgeworfen. Archivfoto: TAP

Fußball. Benjamin Braus spielt nicht mehr für den SC 1960 Hanau. Für den 25-jährigen Defensivspieler kam die ihm vom Vereinsvorstand noch vor dem ersten Punktspiel gegen Germania Ober-Roden (5:3) mitgeteilte Suspendierung völlig überraschend. Nach seinem Rauswurf hält er sich ausgerechnet beim großen Stadtrivalen fit.

Von Frank Schneider

„Klar habe ich aus familiären Gründen in der Vorbereitung ein paar Mal gefehlt, doch eine Woche vor dem ersten Punktspiel solch eine Entscheidung zu fällen, ist vom Verein schon ein bisschen hinterhältig, zumal überhaupt nichts Besonderes vorgefallen ist“, erklärt Braus.

Er weiß, dass er als impulsiver Spielertyp gilt, doch er habe sich persönlich nichts vorzuwerfen und sei daher über den Rauswurf schockiert. Was Braus besonders ärgert: Er ist nun die komplette zweite Halbserie zum Zuschauen verdammt, da er satzungsgemäß erst wieder ab Juli für einen anderen Verein auflaufen darf. „Jetzt, wo es bei dem schönen Wetter wieder los- geht und es in der Liga in die entscheidende Phase geht, darf ich nicht spielen, obwohl ich die Vorbereitung absolviert habe. Das ist schon bitter“, erklärt der junge Familienvater, der durch das plötzlicher Aus beim SC 1960 Hanau in den kommenden drei Monaten auch finanzielle Einbußen in Kauf nehmen muss.

Zeitpunkt unglücklich

In der Winterpause hätte sich Braus sogar von sich aus einen Vereinswechsel vorstellen können, daher fühlt er sich jetzt ein wenig gelinkt. „Es war eine Vorstandsentscheidung, die uns nicht leicht gefallen ist, da Benjamin Braus große Verdienste für den Verein erworben hat. Es ist auch nichts Gravierendes passiert, es haben sich eben viele Kleinigkeiten über Wochen und Monate summiert“, erklärt Okan Sari, der Sportliche Leiter des Tabellendritten der Verbandsliga Süd.

Dass der Zeitpunkt für die Trennung seitens des Vereins unglücklich gewählt wurde, räumt Sari selbstkritisch ein. „Doch nicht nur Benny muss die Kröte schlucken, sondern auch wir, da er für uns ein wichtiger Spieler war, wir auf seiner Position nicht sehr viele Alternativen haben und nun auch keinen Ersatz mehr holen können.“

Die Tatsache, dass Trainer Raduan Belaajel, der Braus schon bei Kickers Viktoria Mühlheim trainierte und mit dem er, wie er sagt, sogar freundschaftlich verbunden ist, davon spricht, dass er die nun abrupt vollzogene Trennung sportlich und menschlich sehr schade findet, lässt die Suspendierung für Außenstehende noch nebulöser erscheinen.

Im Oktober zum dritten Mal Vater

Klare Antworten bleiben aus, obgleich verständlich ist, dass Sari und seine Kollegen des Vereinsvorstands nicht gewillt sind, sämtliche Vereinsinterna – auch zum Schutz ihrer Spieler – in der Öffentlichkeit breitzutreten und sichallenfalls gegenüber ihren Vereinsmitgliedern für ihre Entscheidung rechtfertigen müssen.

Dass für Braus, der im Oktober zum dritten Mal Vater wurde, familiäre (unter anderem musste sein kleiner Sohn kürzlich mehrere Tage im Krankenhaus behandelt werden) und berufliche Verpflichtungen in der Prioritätenskala immer deutlicher über dem Hobby Fußball angesiedelt waren, mag ein Grund gewesen sein. „Ich habe kein einziges Mal unentschuldigt ein Training oder Spiel verpasst“, beteuert Braus. Dass er beim Testspiel in Kahl aus beruflichen Gründen eine Stunde später zum Treffpunkt erschienen ist, sei im Vorfeld mit dem Trainer abgesprochen gewesen.

Hessenliga-Aufstieg realsitisch

Das HSC-Trainerteam mit Belaajel und Berkan Güngör an der Spitze hofft derweil, dass der „Fall Braus“ innerhalb des Teams keine Unruhe aufkommen lässt. Nach dem Auftaktsieg gegen Germania Ober-Roden und der 2:4-Pleite von Spitzenreiter FC Hanau 93 bei der TS Ober-Roden ist der Hessenliga-Aufstieg bei nun nur noch fünf Punkten Rückstand auf Platz eins wieder ein Stück weit realistischer geworden.

Belaajel ist derweil bemüht, in kein Fettnäpfchen zu treten. „Ich bin erst drei Monate im Verein, was vorher war, kann und will ich nicht bewerten und mag da auch überhaupt nichts kommentieren.“ Während Sari bestätigt: Etliche der von ihm nicht konkret beschriebenen Kleinigkeiten, welche die Entscheidung gegen Braus beeinflusst haben sollen, liegen schon längere Zeit zurück und fielen noch in die Amtszeit von Belaajel-Vorgänger Antonio Abbruzzese.

Braus hält sich bei den 93ern fit

Und wie geht es mit Braus weiter? Der ausgemusterte Innenverteidiger hält sich aktuell beim Stadtrivalen FC Hanau 93 fit, dort kicken auch Freunde des 25-Jährigen. Auch wenn Sari die Tür bei seinem HSC für Braus mehr als einen Spalt offen hält („Manchmal tut es gut, ein halbes Jahr durchzuschnaufen. Es sind ja schon einige Spieler zu uns zurückgekehrt“), scheint für Braus das Kapitel 1960 auch aufgrund der umstrittenen Begleitumstände der Trennung geschlossen zu sein.

„So ist das im Sport. Wenn irgendwo eine Tür schließt, geht anderswo eine auf“, erzählt Braus. Ob diese Tür an der Kastanienallee bei den 93ern stehen wird, ist spekulativ. „Wir halten uns aus diesem Thema gänzlich raus. Benjamin bekommt bei uns die Möglichkeit, sich bis zum Sommer fit zu halten, was zur kommenden Saison passiert, wird man sehen“, so HFC-Sportchef Giovanni Fallacara auf Nachfrage.

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