Spielen in der C-Liga oben mit: Für Trainer Mike Sinsel und seinen Sohn und Torjäger Marco lief es beim SV 1930 Langenselbold bis zur Corona-bedingten Saisonunterbrechung sehr gut.
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Spielen in der C-Liga oben mit: Für Trainer Mike Sinsel und seinen Sohn und Torjäger Marco lief es beim SV 1930 Langenselbold bis zur Corona-bedingten Saisonunterbrechung sehr gut.

SPORTLER-FAMILIE

Vater und Sohn auf Aufstiegsmission: Mike und Marco Sinsels Pläne mit SV 1930 Langenselbold

  • vonLennart Nickel
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Im Profi-Fußball ist eine gute Scouting-Abteilung unabdingbar. Immer früher werben sie um die vielversprechendsten Nachwuchstalente. Doch schneller als Mike Sinsel, Trainer des C-Ligisten SV 1930 Langenselbold, ist keiner.

Langenselbold – Seinen Topstürmer hatte er schon auf der Beobachtungsliste, bevor dieser überhaupt einen Ball treten konnte. Der 23-jährige Marco Sinsel ist nicht nur fußballerischer Schützling von Trainer Mike, sondern auch dessen Sohn. Eine Konstellation, die sowohl Vor- als auch Nachteile bergen kann. „Ich denke, ein Trainersohn hat es immer schwerer“, vermutet Mike Sinsel.

Eigentlich wollte der 48-Jährige 2019 nur ein Jahr bei den angeschlagenen Dreißigern aushelfen, doch die derzeitig zerfahrene Spielbetriebssituation lässt das nicht zu. Also möchte Sinsel senior nach der nächsten Saison Schluss machen. Was aber keineswegs bedeutet, dass er und Sohn Marco keine ambitionierten Ziele mehr für ihre gemeinsame Zeit bei den Selboldern haben.

„Wir versuchen, 1930 aus dem Keller zu holen“, sagt der Trainer und findet, dass der Verein eher in die B-, langfristig in die A-Liga gehöre. „Ich will auf jeden Fall noch mal mit meinem Sohn aufsteigen. Deshalb mache ich das hier“, stellt Sinsel, der selbst gute Zeiten als Spieler in Langenselbold verbracht hat, klar. Vorbild für das Vorhaben ist dabei der gemeinsame Aufstieg 2015/16 mit Victoria Heldenbergen in die KLA.

Marco Sinsel: Bei namhaften Teams ausgebildet

Dafür baut er auch auf die Talente des eigenen Nachwuchses. Ein gewisser Druck lastet demnach auf dem jungen Stürmer-Sohn, der zudem als ehemaliger Jugendspieler von namhafteren Teams wie der SG Bruchköbel, den Kickers Offenbach und kurzzeitig auch der Frankfurter Eintracht, in der meist etwas weniger glamourösen KLC deutlich heraussticht.

Vater Mike weiß nicht nur aufgrund der bis dato 14 Saisontore um die Qualität von Marco. Vetternwirtschaft im Sinne einer bevorzugten Behandlung auf dem Trainingsplatz lehnt er entschieden ab. Eher scheint das Gegenteil der Fall zu sein: „Ich erwarte von ihm auch mehr, weil ich weiß, was für eine Ausbildung er hat.“

Marco sieht das entspannt: „Für mich ist es, wie wenn ein anderer Trainer draußen steht. Ob mir mein Vater Anweisungen gibt oder jemand anderes, macht keinen Unterschied.“ Zumindest in einer Hinsicht hat es der 23-Jährige mittlerweile leichter, sich einer ausufernden Diskussion über beispielsweise die eine vergebene Chance beim Stand von 5:1 gegen den Tabellenzehnten zu entziehen: Er wohnt nicht mehr mit dem Trainer unter einem Dach. „Als Marco noch zu Hause gewohnt hat, wurde auch nach der Rückkehr vom Spiel noch diskutiert“, erinnert sich Mike Sinsel.

Beide sind Fans des SV Werder Bremen

Die Vater-Sohn-Beziehung scheint unter dem Fußball nicht zu leiden. Auch was das Fan-Sein anbetrifft, hat Mike größere Streitpotenziale beseitigt und Marco frühzeitig auf seine Seite gezogen. Der SV Werder Bremen hat es ihnen angetan, was sich wohl damit erklären lässt, dass die Sinsels nicht vergessen wollen, wie sich anfühlt, im unteren Bereich der Tabelle zu stehen.

Denn mit dem SV 1930 Langenselbold lief es mit 22 Punkten aus neun Spielen und Rang drei in der Kreisliga C eigentlich gut. „Ich bin total zufrieden. Wir sind auf einem Aufstiegsplatz – also top“, meint Rechtsfuß Marco zum sportlichen Teil des Saisonverlaufs. Trainer Mike sieht jedoch noch Luft nach oben und gibt zu, dass mit Platz eins das eigentliche Ziel nicht erreicht wurde.

Momentan können die Dreißiger dem Spitzenreiter SV Wolfgang II coronabedingt nicht auf die Pelle rücken. Marco Sinsel hält sich daher mit Tennis und gelegentlichen Laufeinheiten für die theoretisch noch zu absolvierende Restsaison fit. Sollte er trotzdem einmal nicht einsatzbereit sein, heißt das dennoch nicht, dass Vater Mike auf dem Fußballplatz Ruhe vom Familienrummel hat. Torwart Dominick Sattler ist sein Schwiegersohn. (Von Lennart Nickel)

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