Die Frage, ob auf Hessenebene in dieser Saison unter Einhaltung zahlreicher Hygienemaßnahmen Tischtennis gespielt wird, ist offen.
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Die Frage, ob auf Hessenebene in dieser Saison unter Einhaltung zahlreicher Hygienemaßnahmen Tischtennis gespielt wird, ist offen.

Abbrechen oder weiterspielen?

Umfrage: Das sagen die Tischtennisvereine in der Region

  • VonLennart Nickel
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Welche weiteren Auswirkungen hat die Corona-Pandemie auf den Amateursport? Einige Sportverbände haben bereits einen Abbruch und die Annullierung der Saison 2020/21 beschlossen. Wie es für die Tischtennisspieler in der Region weitergeht, ist noch unklar. Im Main-Kinzig-Kreis wird ein Abbruch der Spielzeit favorisiert.

Region Hanau – Angesichts der weiterhin angespannten Lage in der Corona-Pandemie ist eine baldige Rückkehr zum Wettkampfbetrieb im Amateursport derzeit kaum denkbar. Der Kreissportwart für Tischtennis im Main-Kinzig-Kreis, Wolfgang Stichel, hat daher in einem Schreiben an den Hessischen Tischtennis-Verband den sofortigen Saisonabbruch sowie deren Annullierung gefordert.

„Wir als Sportverband müssen alles Mögliche tun, um der Ausbreitung der Pandemie entgegenzuwirken. Jeder weiß, wie gerne ich Tischtennis spiele, aber die Sicherheit aller Spieler und Betreuer muss wichtiger sein als eine Weiterführung der Verbandsrunde,“ begründet Stichel die Forderung, die er auch im Namen des Kreisvorstandes gestellt habe. Der HA hat einige Vereine zum Vorstoß des Kreissportwarts befragt.

Axel Benkner

Axel Benkner (Vorsitzender Nidderauer TTC): „Der Vorschlag von Herrn Stichel ist sinnvoll. Wir müssen die Hallenbelegungen so planen können, dass nicht zu viele Sportler gleichzeitig in einer Halle sind. Es wird dann bei einem zusammengedrängten Spielplan gar nicht möglich sein, die Abstandsregeln einzuhalten. Der Nidderauer Tischtennis-Club zählt zu den wenigen Vereinen, die wegen der großen Halle und der sehr engagierten Hallenverwaltung der Stadt Nidderau den Trainingsbetrieb weiter durchführen kann, natürlich mit strengen Hygiene- und Abstandsregeln, wie sie die aktuellen Verordnungen und Verfügungen erfordern. So hat es auch bisher keinen Fall von Coronavirus-Übertragung beim Sportbetrieb des NTTC gegeben. Aber selbst bei den extrem guten Bedingungen für den Wettkampfbetrieb, könnten wir nicht mit allen Mannschaften die Ligaspiele bis Ende April organisieren. Wichtiger ist es für uns sicherzustellen, dass der Trainingsbetrieb weiter fortgesetzt werden kann, ohne das Risiko einzugehen, durch die Mannschaftswettkämpfe in eine unbeherrschbare Lage zu geraten.“

Frank Bohländer

Frank Bohländer (Abteilungsleiter TFC Steinheim): „Wir sind der Meinung, dass die Saison 2020/21 nicht weiter fortgeführt werden soll. Der avisierte Neubeginn im März ist in weite Ferne gerückt, gerade auch vor dem Hintergrund einer erneuten Verschärfung der Lockdown-Regelungen. Mir ist bereits bekannt, dass es im Handball nicht mehr weitergeht. Warum sollte es im Tischtennis dann weitergehen? Es liegen bisher in den Spielklassen kaum verwertbare Ergebnisse vor. Selbst bei einem hypothetischen Neubeginn Mitte oder Ende März kann keine komplette Halbserie absolviert werden, sodass man Aufstiege oder Abstiege als unverhältnismäßig einzustufen hat. Ein anderer Grund könnte auch der unterschiedliche Leistungs- und Trainingsstand der Spieler sein. Es gibt Vereine, die aufgrund ihrer Organisationsstruktur Trainingsbetrieb an einem Tisch anbieten. Andere Vereine haben den Trainingsbetrieb komplett eingestellt. Wie soll ein fairer Wettkampf fortgesetzt werden? Ich plädiere aus diesen vorgenannten Gründen, aber überwiegend aus Gründen der Vernunft und Fairness, die Spielrunde komplett abzusagen!“

Heike Kruppert und Gerd Usler (Abteilungsleiter Tischtennis TV Wächtersbach): „Wir unterstützen in vollem Umfang die Meinung des Kreissportwarts Wolfgang Stichel und befürworten ebenfalls den Abbruch der Saison 2020/21. Denn gerade in dieser Phase der Pandemie sind nicht Leichtsinn, sondern Besonnenheit und Vorsicht die richtigen Ratgeber. Die Mitarbeiter der Krankenhäuser arbeiten seit vielen Wochen an der absoluten Belastungsgrenze. Die Zahlen der Neuinfektionen sprechen eine deutliche Sprache. Auch liegt die Vermutung nahe, dass die Schulen erst nach den Osterfeiertagen wieder zum Regelbetrieb zurückkehren können. Daher ist für uns die Annullierung der Tischtennis-Saison auch ein Zeichen des verantwortungsvollen Umgangs mit den politisch geforderten Kontakt- und Mobilitätsbeschränkungen. Schon die wenigen ausgetragenen Meisterschaftsspiele haben uns gezeigt, dass bei einigen Vereinen hinsichtlich der Corona-Schutzmaßnahmen große Sorglosigkeit geherrscht hat. So hat im Rahmen eines Verbandsspiels unserer ersten Damen-Mannschaft (Bezirksoberliga) die Einhaltung unseres restriktiven Verhaltens- und Hygienekonzepts zu derart kontroversen Diskussionen und massiven Anschuldigungen geführt, dass die Gästemannschaft gegen die Spielwertung sogar Protest eingelegt hat. Auch hier kann man den Eindruck gewinnen, im falschen Film zu sein.“

Daniel Dechert

Daniel Dechert (Abteilungsleiter SG Bruchköbel): „Die Ausübung des Sports und der sportliche Wettkampf fehlen uns allen. Die Mehrheit der aktiven Tischtennisspieler- und Spielerinnen der SG Bruchköbel möchte die Saison beziehungsweise die Hinrunde gerne zu Ende spielen – notfalls auch mit Spielterminen bis in den Juni.

Es stellt sich jedoch die Frage, unter welchen Bedingungen dies realistisch möglich ist. Die Pandemie macht eine Planung allgemein schwierig und es sind die übergreifenden Terminpläne und Wechselfristen zu beachten oder anzupassen. Insofern bin ich persönlich nicht sehr optimistisch und rechne mit einem Abbruch der Saison 2010/21.“

Sarah Hohenwarter und Michael Pop (Abteilungsvorstand TG Dörnigheim): „Eine Fortsetzung der Saison erscheint für die meisten Mitglieder unserer Abteilung unter den gegebenen aktuellen Umständen – auch angesichts der Fortsetzung des Lockdowns – unrealistisch. Sie plädieren mehrheitlich für eine Absage. Einige Mitglieder würden die Saison zumindest in eingeschränkter Form fortsetzen. Aus heutiger Sicht würde die aktuell gültige Planung bedeuten, dass ab dem 1. März rund zehn Begegnungen innerhalb weniger Wochen ausgetragen werden müssten. Bis zu sechs Personen aus jeweils unterschiedlichen Haushalten müssten zum Teil längere Wege in Kauf nehmen, dabei in höheren Spielklassen sogar über Kreisgrenzen hinweg mit womöglich unterschiedlichen Regelungen von Ausgangssperren. Eine ähnliche Planung für die Vorrunde war im Herbst nach wenigen Wochen angesichts der Lockdowns bereits gescheitert. Zu guter Letzt stellt sich die eigentliche Frage: Nicht jeder von uns kann im Homeoffice arbeiten – zum Beispiel Erzieher, Lehrer, Bankangestellte, Mitarbeiter im Lebensmittel-Einzelhandel, der medizinische Bereich. Wer möchte die Verantwortung dafür tragen, wenn ein Spieler oder eine Spielerin alle anderen (unwissentlich) ansteckt? Aus diesen Gründen halten wir mehrheitlich einen Abbruch und eine Annullierung der Saison für angebracht und notwendig.“

Markus Dickel 

Markus Dickel (stv. Vorsitzender und Sportwart TG Langenselbold): „Die Saison ist wirklich sehr zerfahren. In der jetzigen Situation kann sicher kein Tischtennis gespielt werden. Die Verlängerung des Lockdowns spricht ja auch eine deutliche Sprache. Vielleicht – und das ist meine naive Hoffnung – ändert sich die Infektionslage im Frühjahr auch aufgrund zunehmender Impfungen.

Dann wäre es schade, wenn zu früh abgebrochen worden wäre. Ich würde auch kein Problem darin sehen, die Saison bis Ende Mai zu verlängern.“

Klaus Pattek (Vorsitzender SV Mittelbuchen): „Ich stehe hier voll und ganz hinter Herrn Stichel. Man kann keine vernünftige Runde mehr abschließen und kann die paar Spiele, die schon absolviert sind, nicht wirklich zählen. Die hohen Sicherheitsstandards haben auch nicht dazu beigetragen, vernünftige Spiele auszutragen. Ohne das Doppel zu spielen, war schon eine abgespeckte Version der Punktspiele. Man sollte nicht etwas einfach aus Prinzip durchziehen, sondern auch an die Menschen denken, die letztendlich an der Platte stehen. Im Allgemeinen sollte die Gesundheit der Menschen nun erst mal Priorität haben.“

Stephanie Emrich

Stephanie Emrich (Abteilungsleiterin TV Großkrotzenburg): „Ein Saisonabbruch ist natürlich immer als sehr schade zu bewerten und wird bei unseren Spielern bestimmt zu einigen wehmütigen Aussagen führen. Vielen Spielern ist aber auch bewusst, dass wir uns in einer ernsten Situation befinden und die Gesundheit an erster Stelle steht. Insbesondere die Unsicherheit zum Fortgang der Saison macht mir persönlich zu schaffen. Stand heute können wir noch nicht sagen, wie es nach dem 1. März mit den Corona-Beschränkungen (Wettkampfsportverbot, Hallenschließung, Ausgangssperre) weitergeht. Der Aufwand wäre also groß, eine Saison coronagerecht zu planen, die weiterhin unter dem Damokles-Schwert des Saisonabbruchs steht. Hier unterstützen ich und das Abteilungsleiter-Team klare und eindeutige Verhältnisse.“

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