Unauffällige Beobachterin: Bei der EM der Frauen leiten ausschließlich Schiedsrichterinnen die Partien und beobachten das Geschehen um die Langenselbolderin Kim Naidzinavicius (vorne, ganz rechts), Kapitänin des DHB-Teams, genau.
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Unauffällige Beobachterin: Bei der EM der Frauen leiten ausschließlich Schiedsrichterinnen die Partien und beobachten das Geschehen um die Langenselbolderin Kim Naidzinavicius (vorne, ganz rechts), Kapitänin des DHB-Teams, genau.

Handball: Signal für mehr Schiedsrichterinnen

TV Langenselbolds Hannah Diemel wirbt für mehr weibliche Vorbilder

  • Julia Meiss
    vonJulia Meiss
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Hannah Diemel schätzt den anderen Blickwinkel auf ein Handball-Spiel, den ihr der Einsatz als Schiedsrichterin verschafft. Die 20-jährige Gelnhäuserin pfeift seit vier Jahren für den TV Langenselbold, wenn sie nicht gerade das Tor des TV Altenhaßlau hütet.

Langenselbold/Gelnhausen – Dass bei der gerade laufenden Europameisterschaft der Frauen erstmals ausschließlich Schiedsrichterinnen-Gespanne zum Einsatz kommen, wertet die junge Unparteiische als ein gutes Signal in Sachen Nachwuchsförderung: „Es gibt gerade im Jugendbereich eher weniger Schiedsrichterinnen, es pfeifen hauptsächlich Männer. Da fehlen den jungen Handballerinnen die Vorbilder. Deshalb finde ich es gut, dass bei der EM nur Frauen pfeifen. So sehen die Mädels, was sie als Schiedsrichterin erreichen können.“

Hannah Diemel weiß, wovon sie spricht, schließlich ist sie selbst wie viele andere auch erst durch die Not im Verein Schiedsrichterin geworden und nicht, weil das ihr Ziel war. Jeder Verein muss ein gewisses Kontingent an Referees stellen – sonst droht am Ende der Saison für meistens die höchstspielende Seniorenmannschaft eine Strafe in Form von Geld oder Punktabzug.

Aus der Not heraus Schiedsrichterin geworden

„Vor vier Jahren hat mich Ilse (Ruhlandt, Abteilungsleiterin Handball beim TV Langenselbold, Anm. d. Red.) angesprochen, ob ich nicht einen Schiedsrichter-Lehrgang machen will, weil wir Notstand hatten“, sagt die ehemalige Jugendspielerin des TV Langenselbold. Nach einer Nacht Bedenkzeit hat die Gelnhäuserin schließlich zugesagt und den Schritt bis heute nicht bereut.

Auch wenn es zu Beginn ihrer Schiedsrichter-Karriere direkt zu einem unschönen Ereignis kam. „Damals hatte ein Trainer jede Entscheidung von mir, die gegen sein Team ausgefallen war, teilweise sehr laut infrage gestellt. Das war schon krass“, so Hannah Diemel, die zu diesem Zeitpunkt noch minderjährig war und sich dem Druck eines Erwachsenen stellen musste. Die junge Unparteiische hat aber die Nerven behalten, den Trainer ermahnt und damit wieder Ruhe in das Spiel gebracht.

Junges Vorbild: Hannah Diemel pfeift für den TV Langenselbold und wünscht sich, dass mehr Frauen Schiedsrichterin werden.

Von solchen Momenten lässt sich die 20-Jährige nicht den Spaß am Dienst an der Pfeife vermiesen: „Es macht einfach Spaß, eine ganz andere Sicht auf das Spiel zu haben. Außerdem habe ich als Schiedsrichter großen Einfluss auf das Spiel, was eine große Verantwortung ist.“ Dessen ist sich die Torhüterin bewusst und daher lautet ihr persönliches Ziel für jedes Spiel: „Ich möchte einfach, dass alle Spiele, die ich pfeife, fair ablaufen und dass es am Ende nichts zu meckern gibt.“

Negative Erlebnisse

Zu Beginn ihrer Schiedsrichter-Karriere hatte Hannah Diemel durchaus den Wunsch, höherklassig, also im Gespann, zu pfeifen. Mit einem männlichen Kollegen im Gespann hat sie sogar schon Partien im Frauen- und Männerbereich geleitet. Mittlerweile leitet Hannah Diemel wieder alleine Partien und wird im Jugendbereich eingesetzt, womit sie rundum zufrieden ist. Zehn bis 15 Punktspiele leitet die Gelnhäuserin etwa pro Saison. Zusätzlich steht sie für den TV Altenhaßlau in der Bezirksoberliga zwischen den Pfosten. „Das klappt gut“, sagt Hannah Diemel über die Vereinbarkeit ihrer beiden Aktivitäten. Das kann aber auch bedeuten, dass die Gelnhäuserin ihr komplettes Wochenende in der Halle verbringt – den einen Tag als Spielerin, den anderen als Schiedsrichterin. Das geht manchmal nicht anders, schließlich ist das Ansetzungsprozedere nicht ganz einfach. Hannah Diemel darf beispielsweise keine Spiele mit Beteiligung ihrer Vereine TV Langenselbold und TV Altenhaßlau pfeifen.

Das wird vom zuständigen Schiedsrichter-Ansetzer des Handball-Bezirks Offenbach-Hanau berücksichtigt, wenn er die Unparteiischen einteilt. Per Mail werden die Unparteiischen dann für Spiele angefragt. „Ich kann dann zu- oder absagen. Bisher hat sich bei einer Absage immer jemand gefunden, der einspringen kann“, freut sich die Gelnhäuserin über die Kollegialität unter den Referees und würde es sehr schätzen, wenn in Zukunft mehr Frauen Verantwortung an der Pfeife übernehmen – und damit eine Vorbildfunktion.

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