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Die Erkenntnis kam schleichend: Thomas Geyer hat durch seinen chinesischen Trainer Eindrücke von der Ausbreitung des Coronavirus in China erhalten.

Tischtennis

Thomas Geyer über den Coronavirus und seinen chinesischen Trainer

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Für die TG Langenselbold war die Saison in der Oberliga Hessen einen Spieltag vor Ende längst gelaufen. Nach einer bescheiden verlaufenen Rückrunde war man auf Platz fünf abgerutscht, ohne jede Chance, den ursprünglich anvisierten zweiten Platz noch zu erreichen.

Anders dagegen die Situation beim abstiegsbedrohten Hessenligisten SV Mittelbuchen. Für den Tabellenvorletzten standen noch fünf Partien auf dem Programm mit der konkreten Chance, das rettende Ufer noch zu erreichen. Nun weiß niemand so recht, wie es weitergeht. 

Der Hessische Tischtennis-Verband, in dessen Bereich der SVM spielt, hat letzten Donnerstag aufgrund der Pandemie bereits den kompletten Spielbetrieb bis 17. April ausgesetzt, tags darauf folgte der Deutsche Tischtennis-Bund mit einer nahezu identischen Entscheidung. Beide lassen offen, ob es nach dem 17. April weitergeht, ob die ausgefallenen Partien nachgeholt werden oder ob die Saison dann vorzeitig für beendet erklärt wird – und wie Aufstieg und Abstieg in diesem Fall zu regeln wären. 

„Die Verantwortlichen hatten im Sinn, die Saison noch in irgendeiner Form retten zu können“, ist TG Langenselbolds Abteilungsleiter Matthias Leißner überzeugt. „Vielleicht kann man die Spiele ja einfach nachspielen. Ich bin persönlich sehr skeptisch, ob dies noch gelingt. Ich erwarte eher noch einen Saisonabbruch.“ Leißner weist zudem auf ein tischtennisspezifisches Problem hin: „Es wird dann interessant sein, was mit Auf- und Abstieg passiert. Dies ist auch gegenüber den meisten anderen Sportarten noch schwieriger, da fast in allen Ligen durch Verlegungen keine gleichmäßige Anzahl von Spielen ausgetragen wurden.“ 

Trainer von Thomas Geyer stammt aus China

Trainiert wird in der Gründaustadt bereits seit einigen Tagen nicht mehr. „Die TG Langenselbold hat bereits am Freitag auf Grundlage eines Vorstandsbeschlusses den Trainingsbetrieb bis auf weiteres komplett eingestellt“, erklärt Leißner. „Ich denke, diese Entscheidung war richtig und ist auch alternativlos.“ Trainiert wird auch beim SV Mittelbuchen nicht mehr. „Zurzeit gibt es bei uns kein Training“, sagt SVM-Kapitän Thomas Geyer. 

Zudem hat der Ex-Bundesligaspieler Thomas Geyer eine besondere Erfahrung während der Ausbreitung des Coronavirus gemacht. Er ist nach wie vor recht ehrgeizig und trainiert daher regelmäßig mit einem chinesischen Trainer, um sich in Form zu halten. „Anfang Februar, als ich von Corona in China gehört hatte, war das Virus noch ganz weit weg. Mein Trainer Wang Jianqiang war im Januar zum chinesischen Neujahrsfest in seine Heimat gereist. Dann konnte es nicht so schlimm sein, dachte ich.“ Dies glaubte Geyer erst recht, als Wang wieder in Deutschland war. „Nach seiner Rückkehr im Februar erzählte er, dass seine Heimat über 1 000 Kilometer von der Provinz Hubei entfernt sei und er in China sehr wenig von Corona mitbekommen hätte“, fährt Geyer fort. „Dann konnte es nicht so schlimm sein, dachte ich.“ 

Geyer: Wiederaufnahme des Spielbetriebs am 18. April ist sehr unrealistisch

Bis Anfang März glaubte Geyer, „dass die ganze Aufregung reichlich übertrieben wäre. An Karneval besuchte ich mit meinem Sohn drei Umzüge, feierte Geburtstage in der Familie. Meine Mannschaft fuhr den ersten Sieg in der Rückrunde ein. Dann konnte es nicht so schlimm sein, dachte ich wieder.“ Alles schien seinen gewohnten Gang zu gehen. „Anfang März versuchte ich noch angestrengt, mehrere Spiele der Rückrunde zu verlegen. Dass die Spiele ein paar Tage später wegen Corona abgesagt würden, war für mich immer noch undenkbar“, erklärt der Mittelbucher Mannschaftsführer. „Erst als die Berichte über Corona in Italien immer 'lauter' wurden, wurde ich etwas nachdenklich und ich dachte zum ersten Mal, das könnte doch schlimm werden.“ 

Einige Gedankenspiele macht sich Geyer die nahe Zukunft. „Wie und ob die Tischtennissaison zu Ende gehen wird, weiß im Moment niemand. Mir wäre es am liebsten, wenn die verbliebenen Spiele nachgeholt würden und es noch zu einer sportlichen Regelung des Auf- und Abstiegs käme. Danach sieht es allerdings nicht aus. Zumal die Wiederaufnahme des Spielbetriebs am 18. April sehr unrealistisch ist“, so Geyer. Er bringt eine originelle, recht kreative Variante ins Spiel: „Zum Beispiel könnte man die Saison 2020/21 nach hinten verschieben und dann komprimieren, um die Saison 2019/20 im Spätsommer oder Herbst abschließen zu können.“ Dem Kapitän des SV Mittelbuchen ist allerdings bewusst, dass dies eher nicht geschehen wird: „Für wahrscheinlicher halte ich jedoch eine Regelung wie im Handball. Das wäre zwar für uns suboptimal, aber irgendwie auch nachvollziehbar. Problematisch ist aus meiner Sicht auch der Wechseltermin 31. Mai. Ich bin gespannt, was den Verbänden da einfällt.“

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