Ganz schön was los: Die Tischtennis-Abteilung der SG Bruchköbel bietet den Kindern und Jugendlichen auch im Lockdown jede Menge sportliche Aktivitäten an. 
Screenshot: HA
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Ganz schön was los: Die Tischtennis-Abteilung der SG Bruchköbel bietet den Kindern und Jugendlichen auch im Lockdown jede Menge sportliche Aktivitäten an. Screenshot: HA

Auszeichnung für digitale Jugendarbeit

Tischtennis: SGB mit digitalem Vorzeigeprojekt

  • vonLennart Nickel
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Im Amateursport kann derzeit aus bekannten Gründen seit November nicht trainiert und gespielt werden. Wirklich gar nicht? Christian Buschmann, Jugendleiter der Tischtennisabteilung der SG Bruchköbel, war bereits Anfang November anderer Meinung: „Es ist keine Option für mich gewesen, einfach nichts zu machen.“ Für die Online-Arbeit mit den Jugendlichen ist die SGB nun sogar ausgezeichnet worden.

Bruchköbel – Konsequenterweise steckte das Jugendtrainerteam der SGB die Köpfe zusammen und organisierte ein seitdem laufendes, digitales Trainingsprogramm über die Plattform Padlet. Als eines von mehreren bundesweiten digitalen Vorzeigeprojekten wurde die SG Bruchköbel Ende Dezember sogar vom Deutschen Tischtennis-Bund (DTTB) ausgezeichnet. Als Anerkennung beschenkte der Verband die Abteilung mit einer extra angefertigten Mini-Tischtennisplatte, die nun darauf wartet, benutzt zu werden.

„Es geht vor allem darum, zu zeigen, was alles geht – trotz Corona,“ beschreibt Buschmann einen Beweggrund für die Anstrengungen des gesamten Trainerteams, auch ohne Sporthalle und gemeinsames Training den 97 Kindern und Jugendlichen etwas zu bieten.

Doch wie funktioniert das sogenannte „Stay-at-Home-Training“ und könnten sich andere Sportvereine inspirieren lassen und die Idee für ihre Sportarten anpassen? Das Erfolgsrezept der Tischtennisabteilung ist pädagogische Erfahrung, grundlegendes IT-Verständnis und Teamarbeit. Auch wenn Buschmann als 24-jähriger Lehramtsstudent viel einbringen kann, weiß er: „Alleine hätte ich das so nicht hinbekommen!“ Die Empfehlung für das ohne Programmierfähigkeiten anwendbare Padlet kam etwa von einer Mutter eines Spielers. Mit der Videobearbeitung der hochzuladenden Einheiten kennt sich Nachwuchstrainer Raymond Kinner aus und hinsichtlich der Organisation über WhatsApp sind gerade bei den Kindern im Grundschulalter die Eltern eingespannt, um das Heimtraining umzusetzen.

Das Training besteht insbesondere aus grundlegenden Koordinationsübungen, die mit Hilfe von hochgeladenen Videos vom Tischtennisnachwuchs nachgemacht werden können, sowie bei den Fortgeschritteneren aus Videos von Profispielen, die in gemeinsamen Konferenzen analysiert werden.

Blickfang: Die Mini-Tischtennisplatte mit den Aktionen der SGB macht was her.

Gleichwertig mit dem normalen Sportbetrieb sei das Online-Training aber nicht – und könne es auch gar nicht sein, merkt Buschmann an. „Man steht schon lieber in der Halle,“ sagt er, „aber es ist jetzt nun mal eine Durststrecke, die wir gemeinsam packen müssen.“

Dabei soll der Spaß auch nicht zu kurz kommen, weshalb sich in unterschiedlichen „Challenges“, in denen Geschicklichkeit gefordert ist, gemessen wird. Gerade diese spaßigen Elemente haben es beispielsweise U15-Spieler Emil Eull angetan. „Die meisten finden das Online-Training ganz gut,“ sagt der 14-Jährige stellvertretend für sein Team, das in der angebrochenen Saison erfolgreich in der Bezirksoberliga angetreten ist.

Das Theorietraining bringe viele neue Ideen, erzählt der Emil Eull. Doch es ist klar, dass ihm der normale Trainings- und Spielbetrieb fehlt. Sobald die Beschränkungen des Lockdowns wegfallen sollten, bleibt für ihn eine Hoffnung: „Vielleicht kann die Saison noch irgendwie zu Ende gespielt werden.“

Für Buschmann und das Trainerteam ist diese Hoffnung der größte Antreiber für ihr Engagement in Sachen Online-Training. „Die Herausforderung für alle im Amateursport ist, die Motivation hochzuhalten,“ sagt der Jugendleiter.

Inwiefern gerade im Jugendbereich digitales Training auch für andere Sportarten und Vereine interessant sein könnte, um nach dem Lockdown wieder richtig loslegen zu können, hängt von den jeweiligen Gegebenheiten ab. Wer damit beginnt, Online-Training zu veranstalten, sollte sich gemäß Christian Buschmann jedenfalls nicht entmutigen lassen, wenn erst mal keine direkte Rückmeldung von den Kindern und Jugendlichen kommt. „Es kommt mehr an, als gedacht,“ weiß er aus Erfahrung.

In Zukunft könne sich das Tischtennis-Trainerteam der SG Bruchköbel gut vorstellen, die Online-Angebote auch in den regulären Trainingsbetrieb zu integrieren, sagt der Jugendleiter ausblickend.

Dafür muss die Durststrecke namens Corona-Pandemie überwunden werden. Das würde auch der vom DTTB geschenkten Mini-Tischtennisplatte mit Bildern der zahlreichen SGB-Aktionen helfen: Denn die fristet derzeit ein eher tristes Dasein in Christian Buschmanns Wohnzimmer und sehnt sich nach den vielen jungen Bruchköbeler Tischtennis-Begeisterten.

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