Tischtennis Hessenliga Nord-Mitte, SV Mittelbuchen - TSV Besse
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Bitterer Abstieg: Der SV Mittelbuchen um Ex-Bundesligaspieler Thomas Geyer (rechts, im Doppel mit Rainer Zech) steigt in die Verbandsliga ab. Das Team freut sich aber auf das Derby mit dem TFC Steinheim.

Kritik an Regelung zu Auf- und Absteigern

Saison-Abbruch im Tischtennis: TG Langenselbold bleibt Oberligist, SV Mittelbuchen steigt in Verbandsliga ab

  • vonDr. Stephan Roscher
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Der Saisonabbruch im Tischtennis hat den Oberligisten TG Langenselbold nur am Rande getroffen, der auf einem akzeptablen fünften Platz ins Ziel eingelaufen ist. Anders verhält es sich beim SV Mittelbuchen nach vielen Jahren in der Hessenliga und sogar einer Saison in der Oberliga.

Durch den Saisonabbruch muss der Verein den bitteren Gang in die Verbandsliga antreten. Die Entscheidung des Hessischen Tischtennis-Verbandes, eine „liberale“ Lösung in Anwendung zu bringen, um extreme Härten zu vermeiden, macht es für die Mittelbucher noch einen Tick schwieriger. So hätte nämlich der Relegationsplatz genügt, um in der Klasse zu bleiben – und von diesem war man am Ende einen Zähler entfernt.

Bei fünf noch ausstehenden Partien, drei davon gegen Teams auf Augenhöhe und eins gegen den abgeschlagenen Tabellenletzten, wäre das noch ohne Weiteres zu kompensieren gewesen. An der Entscheidung des Deutschen Tischtennis-Bundes, die Saison angesichts der Corona-Pandemie vorzeitig für beendet zu erklären, hatte kaum ein Verein etwas auszusetzen.

Tabelle zum Zeitpunkt des Abbruchs nur bedingt aussagekräftig

Der springende Punkt der Kritik vieler Klubs besteht allerdings darin, die letzte Tabelle, die – bei zum Teil stark divergierender Anzahl der Spiele der einzelnen Teams – ursprünglich nur eine Momentaufnahme sein konnte, als Abschlusstabelle zu werten. Es gab Spielklassen, in denen mancher schon 17-mal am Tisch stand und mancher erst elfmal. Somit wurden die Teams, denen die inhomogenen Terminpläne viele frühzeitige Einsätze bescherten, eindeutig bevorteilt.

Auch der Umstand, dass der Verband dies im Nachgang dadurch abzumildern versuchte, dass alle Mannschaften, die für die Aufstiegsrelegationen qualifiziert waren, aufsteigen durften und alle dem Abstieg entgingen, die eigentlich Entscheidungsspiele um den Klassenverbleib hätten bestreiten müssen, konnte dieses Ungleichgewicht nicht beseitigen. Wäre hingegen die Vorrundentabelle „eingefroren“ und zum Endklassement erhoben, wäre dies fraglos gerechter gewesen. Und dann wäre ganz nebenbei auch der SV Mittelbuchen Hessenligist geblieben.

TG Langenselbold hat vier Spiele mehr als die Konkurrenz

Ein „Vielspieler“ war die TG Langenselbold, die aufgrund ihrer recht bescheidenen Rückserie allerdings kaum einen Vorteil daraus ziehen konnte, dass sie anderen Ligakonkurrenten um bis zu vier Partien voraus war. Im Gegenteil wäre man sogar als Tabellenzweiter in die Regionalliga aufgestiegen, wenn das Vorrundenklassement gewertet worden wäre.

Dennoch zeigte sich Abteilungsleiter Matthias Leißner nicht unzufrieden. „Die Entscheidung war die für mich nahe liegende Lösung“, so Leißner. „Natürlich gibt es auch Härtefälle, insbesondere dann, wenn es eine ungleiche Anzahl von Spielen der Mannschaften gegeben hat.“

TGL-Abteilungsleiter hält Regelung für gerecht

Leißner hält es indes – trotz der 6:10 Punkte seines Oberliga-Teams im zweiten Durchgang – für korrekt, dass auch die letzten Spiele berücksichtigt wurden: „Meines Erachtens wäre es noch ungerechter gewesen, die Rückrunde einfach unter den Tisch fallen zu lassen, auch wenn wir bei einer Wertung nur der Hinrundentabelle aufgestiegen wären.“

Leißners Saisonfazit fällt nicht negativ aus: „Trotz des Abrutschens auf Platz fünf sind wir mit dem Saisonverlauf zufrieden. Wir hatten in der Rückrunde einfach mit zu vielen Krankheiten und ungeplanten Abwesenheiten zu kämpfen.“

Frust beim SV Mittelbuchen

Weniger erfreut konnte Ex-Bundesligaspieler Thomas Geyer, Kapitän des SV Mittelbuchen, sein. In seiner Bewertung tritt schon deutliche Kritik zutage: „Besonders gut durchdacht kommt sie mir nicht vor. Das sieht man auch daran, dass die Entscheidung zu den Relegationsspielen erst am Tag nach der Entscheidung zum Saisonabbruch gefallen ist“, sagt Geyer.

„Es ist ja auch ein undankbarer Job, den Verbandsfunktionäre machen und den kaum einer machen will. Insofern ist die Entscheidung kein Wunder.“ In der Tat ist es für den SVM nun ganz unglücklich gelaufen. „Jetzt hängt es zum Beispiel bei uns an einem Sieg, den wir sicher im Spiel gegen Schlusslicht Ermschwerd am 21. März geholt hätten“, so der Mannschaftsführer. „Wenn wir das Spiel vorgezogen hätten, wären wir in der Klasse geblieben. Da bleibt ein ungutes Gefühl.“

In der Verbandsliga wartet ein Hanauer Derby

Thomas Geyer bemüht sich dennoch, einen positiven Blick in die Zukunft zu werfen: „Wir freuen uns auf jeden Fall auf die Spiele in der Verbandsliga, insbesondere auf das Derby gegen meine Ex-Kameraden beim TFC Steinheim. Unser Ziel ist ganz klar der Wiederaufstieg in die Hessenliga.“

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