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TGH-Boxerin Sarah Bormann gewinnt trotz Platzwunde souverän

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Von: Jan Lucas Frenger

Sarah Bormann von der TG Hanau dominiert den Kampf gegen ihre mexikanische Herausforderin Ana Arrazola (rechts).
Sarah Bormann von der TG Hanau dominiert den Kampf gegen ihre mexikanische Herausforderin Ana Arrazola (rechts). © Scheiber

Boxerin Sarah Bormann von der Turngemeinde Hanau hat am Samstagabend einiges einstecken müssen. Dennoch gewann die Nidderauerin den Kampf im Fußballstadion von Kickers Offenbach souverän nach Punkten.

Offenbach – Die Sonne brennt, am Seiteneingang des Stadions Bieberer Berg hat sich bereits eine lange Schlange gebildet. Ein Blick in die Menge verrät: Hier hat sich an diesem Samstagnachmittag ein illustres Klientel zusammengetroffen. Otto-Normal-Verbraucher warten neben tätowierten Muskelmännern mit verspiegelten Sonnenbrillen und reichlich Bling-Bling um den Hals. Hier und da gesellt sich ein Anzugträger samt aufgedonnerter Begleitung hinzu und auch Leute mit besonders schrillen Outfits dürfen nicht fehlen.

Sie alle haben eines gemeinsam: Sie sind nach Offenbach gekommen, um sich die zahlreichen Kämpfe der von Rainer Gottwald veranstalteten Box-Gala anzusehen. Insgesamt stehen sich bei dem Event 22 Boxer im Ring, der an der Eckfahne aufgebaut wurde, gegenüber. Highlights des Abends: die Hauptkämpfe des Offenbachers Luca Cinqueoncie (20, Boxcamp Kickers Offenbach) und der Nidderauerin Sarah Bormann (32, TG Hanau).

Die zwei Local-Heros dürften wohl die meisten der insgesamt rund 3 000 Zuschauer ins Stadion gelockt haben, aber auch bei den Vorkämpfen zeigt sich, dass viele der Sportler ihre eigenen Fanclubs mitgebracht haben, die jede Aktion ihrer Idole frenetisch abfeiern.

Den Cut gut weggesteckt: Die Nidderauerin Bormann lässt sich von der Verletzung nicht beirren und behält den Fokus auf ihre Gegnerin.
Den Cut gut weggesteckt: Die Nidderauerin Bormann lässt sich von der Verletzung nicht beirren und behält den Fokus auf ihre Gegnerin. © Scheiber

Mit Anbruch der Dunkelheit werden auch die Tribünen immer voller. Es wird ernst, die Hauptkämpfe stehen an. Jeden Moment wird Sarah Bormann den Ring betreten, wo sie im Minimumgewicht (bis 47,6 Kilogramm) gegen die Mexikanerin Ana Arrazola (42) antritt. Dann ist es soweit: Musik erklingt, Scheinwerfer leuchten auf. Aus dem Kabinengang bahnt sich Bormann gemeinsam mit ihrem Team den Weg zum Ring, wo ihre Kontrahentin bereits auf sie wartet.

Beide Kämpferinnen tasten sich zu Beginn zwar noch etwas ab, Mitte der zweiten Runde verpasst Arrazola Bormann jedoch einen bösen Cut am Kopf, der später in den Katakomben mit neun Stichen genäht wird. Der Nidderauerin strömt Blut über das Gesicht. „Ich habe direkt gemerkt, dass es warm wurde. Ich bin nur froh, dass es nicht über der Augenbraue war, da der Kampf sonst vielleicht hätte abgebrochen werden müssen“, so Bormann.

Von der Verletzung völlig unbeeindruckt dreht die Kämpferin der TGH ab der dritten Runde ordentlich auf, drängt ihre Gegnerin immer wieder in die Ecke und deckt sie mit wilden Schlägen ein, während „Sarah“-Rufe von den Rängen hallen. „Wir waren zu 100 Prozent vorbereitet, daher wusste ich, dass ich den Kampf dominieren kann.“

Diese Dominanz erkennen auch die Ringrichter: Nach zehn Runden, in denen Arrazola mehrfach kurz davor war, in die Knie zu gehen, fällt das Ergebnis einstimmig aus – Bormann gewinnt nach Punkten. „Es war wunderschön, hier vor dieser einmaligen Kulisse zu boxen. Durch die Unterstützung der Fans war ich noch mal zusätzlich motiviert“, schwärmt sie.

Die Boxerin der TG Hanau hat ihren WBC-Silver-Titel, der ihr das Anrecht verleiht, gegen die Weltmeisterin zu boxen, verteidigt und zudem den IBO-Gürtel ergattert. Angeheizt durch Bormanns Performance fiebert das Publikum dem letzten Fight des Abends entgegen. „Luca, Luca, Luca“, tönt es im Stadion – die Fans sind bereit für den vielfachen Junioren-Weltmeister, der im Ring auf den bosnischen Herausforderer Leon Maric (19) trifft.

Ähnlich wie im vorherigen Duell nutzen beide die ersten Runden, um sich in den Kampf hineinzufinden. Cinqueoncie tänzelt immer wieder um sein Gegenüber herum – alles Teil der Taktik, wie er später verrät: „Ich wollte den Gegner von mir fernhalten, da seine Schwinger sehr gefährlich sind.“ Das ist ihm gelungen. „Ich habe versucht, ihn müde zu machen“, so der 20-Jährige. Immer wieder weicht er den Schwingern seines Gegners aus, springt um ihn herum.

Bei Ertönen der Ringlocke ist vielen im Stadion klar, wer hier als Sieger den Ring verlässt. Und in der Tat: Das Ergebnis fällt eindeutig aus – der Offenbacher verteidigt seine vier WM-Titel und fügt der Sammlung obendrein noch zwei weitere Trophäen hinzu. Das hatte vor ihm noch keiner geschafft.

Besonders habe er sich über die tatkräftige Unterstützung bei seinem Heimspiel gefreut. „Das war wie die dritte Faust“, freut sich der Kämpfer.

Sarah Bormann wird nach dem Kampf in den Katakomben mit neun Stichen genäht, was sie ihren Fans in den sozialen Medien nicht vorenthielt.
Sarah Bormann wird nach dem Kampf in den Katakomben mit neun Stichen genäht, was sie ihren Fans in den sozialen Medien nicht vorenthielt. © Privat

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