Gemeinsame Leidenschaft: Cornelia Griebel und ihr Mann beim Tanzen im gemeinsamen Garten.
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Gemeinsame Leidenschaft: Cornelia Griebel und ihr Mann beim Tanzen im gemeinsamen Garten.

Welttag des Tanzes

„Tanzen ist vieles – auch Erotik“: Maintalerin Cornelia Griebel wirbt für mehr Tanzen

Als Beruf, aus Leidenschaft oder zum Kennenlernen: Tanzen beschwingt die Gemüter – und das schon seit jeher. Im Jahr 1982 initiierte die Unesco den Welttanztag in Erinnerung an die Geburt des französischen Tänzers und Choreografen Jean-Georges Noverre am 29. April 1727 in Paris. Er war der Begründer des modernen Balletts.

Maintal – „Schau jemanden beim Tanzen zu und du weißt, er lebt, denn Tanzen ist emotional, leidenschaftlich und sportlich.“ Für Cornelia Griebel, Vorsitzende und Trainerin des 1. Maintaler Tanzsportclubs (MTSC) Blau-Weiss, ist Tanzen „ganz viel – auch Erotik“. Gerade die lateinamerikanischen Tänze sind Leidenschaft pur. Nicht ohne Grund wird die Rumba auch Liebestanz genannt.

Beim Tanzen mit einem Partner gehe es laut Cornelia Griebel darum, sich auf den Gegenüber komplett einzulassen. Die Frau erlaubt dem Mann, dass er sie führen darf. Gleichzeitig geht es bei der Frau darum, sich in die Arme des Mannes fallen zu lassen und ihm die Führung zu überlassen.

Cornelia Griebel ist seit 25 Jahren aktives Mitglied im Maintaler Tanzsportclub, seit zehn Jahren erste Vorsitzende. Zum Tanzen kam sie zusammen mit ihrem Ehemann. „Wir wollten ein gemeinsames Hobby und Menschen kennenlernen. Bis heute tanzen wir mit großer Freude.“

Besseres Körperbewusstsein durch Tanzen

Die 59-Jährige ist als langjährige Tänzerin und Tanztrainerin davon überzeugt, dass man durch Tanzen ein besseres Körperbewusstsein erlangen, die Haltung verbessern und somit auch eine bessere innere Haltung erreichen kann. „Tanzen hält jung, fördert die linke und rechte Gehirnhälfte, die zusammenarbeiten müssen.“

Und weil genau das nicht in Vergessenheit geraten soll, gibt es jährlich den „Welttag des Tanzes“. Denn getanzt wird auf der ganzen Welt. Auch wenn das momentan kaum vorstellbar ist. Die weltweite Corona-Pandemie trainiert uns im Abstand halten, das Tanzen lebt vom engen Körperkontakt. Beides geht nicht zusammen. Die Tanzwelt im Stillstand.

Kein Körperkontakt. Keine Shows. Kein Publikum. Und das seit über einem Jahr. „Doch unterkriegen lassen, wollen wir uns nicht“, so Cornelia Griebel, die berichtet. dass ihr Club durch Corona bisher keine Mitglieder verloren habe.

Der MTSC bietet seit Beginn der Pandemie Onlinekurse an. In diesem Jahr wurde das Angebot wegen der steigenden Beliebtheit und Nachfrage sogar ausgebaut. Das Angebot richtet sich sowohl an Mitglieder als auch an Interessierte. Wer Interesse und Spaß am Tanzen hat, könne jederzeit in einen der zwölf Onlinekurse einsteigen.

Onlinekurse für Paartanz und Solo-Tänze beim Maintaler Tanzsportclub

Zur Auswahl stehen unteren anderem die klassischen Standardtänze, Salsa oder auch Zumba. Zusätzlich werden auch Tänze angeboten, die alleine getanzt werden, wie Solo-Latin oder Solo-Salsa. Getanzt wird im Wohnzimmer oder wo gerade Platz ist. In allen Onlinekursen erklären die Trainerinnen und Trainer zunächst die Figuren und tanzen sie anschließend vor. Es gibt professionelle Tipps und es wird natürlich korrigiert.

Die Ausrede, „ich habe zwei linke Beine“, zähle dabei übrigens nicht. Laut Cornelia Griebel könne jeder Tanzen lernen. Egal wie talentiert man ist, alles beginnt immer mit dem ersten Schritt auf dem Tanzparkett.

Die 59-Jährige hat sich im Verein auf Hochzeitstänze spezialisiert. Für sie ist Tanzen Bewegung nach Musik. Emotion und Harmonie. Körper und Geist werden zu einer Einheit und verschmelzen. Cornelia Griebel trifft oft Pärchen, deren Niveau unterschiedlich ist. Frau meist höchst motiviert, Mann meist höchst verunsichert.

„Es hat noch nie jemanden gegeben, der nach dem Tanztraining gegangen ist und dachte: ‘Nein, nie wieder!’ Die Paare schicken mir meist sogar das Video von ihrem Hochzeitstanz und sind glücklich.“ Für Cornelia Griebel ist es eine Leidenschaft für Paare, den perfekten Tanz zu ihrem ganz persönlichen Lied zu entwickeln. „Am Ende wird die Liebesgeschichte des Paares getanzt.“

Tanzen kann ein Gefühl der Freiheit auslösen

Als Vorsitzende des MTSC ist es ihr ein Anliegen, dass Menschen gerne tanzen. Und das über alle Altersgruppen hinweg. So gibt es beispielsweise Tanzen mit an Demenz Erkrankten und bald auch eine Kindergruppe in Zusammenarbeit mit einer Maintaler Kita. Ziel ist es, dass der Verein immer wieder Neues anbietet und an seinen Aufgaben wächst.

Tanzen ist Cornelia Griebel eine Herzensangelegenheit und sollte in Deutschland viel mehr gemacht werden. „In anderen Ländern wird auch tagsüber getanzt, in den Straßen, überall. Hier bei uns ist das noch nicht so angekommen.“ Montag bis Sonntag laufe oft im gleichen Rhythmus ab. Was fehle, sei Freiheit. Und das schaffen Salsa, Tango, Discofox und wie sie alle heißen. Beim Tanzen könne man das machen, was gerade im Alltag und bei der Arbeit oft so schwerfalle: loslassen und sich führen lassen. (Von Franca Richter)

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