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Talkrunde mit Rudi Völler und DFB-Präsident Grindel bei Hanau 93

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Ein Gruppenbild mit Rudi Völler, DFB-Präsident Reinhard Grindel und zahlreichen Nachwuchskickern des FC Hanau 93. Zu einem Talk anlässlich des 125-jährigen Bestehens des Klubs reisten die beiden Fußball-Größen nach Hanau. Foto: Kalle
Ein Gruppenbild mit Rudi Völler, DFB-Präsident Reinhard Grindel und zahlreichen Nachwuchskickern des FC Hanau 93. Zu einem Talk anlässlich des 125-jährigen Bestehens des Klubs reisten die beiden Fußball-Größen nach Hanau. Foto: Kalle

Fußball. Mit der Einladung Völlers und Grindels zu einer Talkrunde in der Sparkasse Hanau ist dem FC Hanau 1893 am Freitagabend im Jahr des 125-jährigen Bestehens ein echtes Schmankerl für Fußball-Fans gelungen.

Von Julia Meiss

Keine zwei Schritte kann Rudi Völler in Hanau auf dem Marktplatz gehen, ehe um ihn herum ein buntes Gewusel und helle Aufregung herrscht. Jeder will ein Foto mit dem Weltmeister von 1990 und Hanauer Ehrenbürger haben. Dass mit Reinhard Grindel, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), ein ganz hohes Tier des deutschen Fußballs ebenfalls über den Hanauer Marktplatz schlendert, ist für die Anwesenden eher eine Randnotiz.

Das Spektakel hat schon etwa eine halbe Stunde vor offiziellem Beginn der Talkrunde angefangen, als die Traube der Wartenden vor der Sparkasse Hanau immer größer wurde. Vereinsverantwortliche, Offizielle der Sparkasse, Spieler der ehemaligen Zweitliga-Mannschaft sowie Nachwuchskicker aus fünf bis sechs Teams des FC Hanau 93 fanden sich auf dem Marktplatz ein, um Rudi Völler und Reinhard Grindel gebührend zu empfangen – vor allem aber Rudi Völler.

Besonderes ErinnerungsfotoAllmählich setzte sich der Tross, der letztlich aus einigen Generationen bestand, die allesamt die gleiche Hochachtung vor dem ehemaligen Weltklasse-Stürmer haben, in Richtung Brüder-Grimm-Denkmal in Bewegung, um für ein Erinnerungsfoto Aufstellung zu nehmen.

Während die jüngeren Fußball-Fans beim Warten auf die Ehrengäste ihre Aufregung kaum verbergen konnten, stand bei den Haudegen der ehemaligen Zweitliga-Mannschaft das große Wiedersehen im Vordergrund. „Mensch, dich hätte ich nicht mehr erkannt“, nahmen sich die Kicker der Saison 1978/79 freudig in die Arme. „Es ist schon schön, denn so oft sieht man sich nicht“, sagt Karl-Heinz „Fuzzi“ Schleiter, Torjäger der legendären Truppe, zu dem großen Hallo. Aufbrandender Applaus kündigte schließlich die Ankunft Rudi Völlers und Reinhard Grindels an, die ebenfalls sofort Aufstellung für das Foto nahmen.

Fachkundige und lockere ArtAuf dem kurzen Weg zurück zur Sparkasse erfüllte der Sportdirektor von Bayer 04 Leverkusen sämtliche Foto- und Autogrammwünsche, während der DFB-Präsident eher unbehelligt seinen Weg gehen konnte. Kaum stand der Boss des DFB aber alleine auf der kleinen Bühne in der Sparkasse und sagte ein paar begrüßende Worte, schon schwappte seine Aura auf das Plenum über: Reinhard Grindel zog die Anwesenden sofort mit seiner fachkundigen und lockeren Art in seinen Bann – keine Frage, der Mann ist ein geübter Redner.

Aber auch was er sagte, hatte für die Anwesenden Hand und Fuß. „Wir feiern auch 125 Jahre ehrenamtliches Engagement“, stellte Grindel die Wichtigkeit der Fußball-Basis mit ihren zahlreichen Ehrenamtlichen in den Vordergrund und traf damit genau den Geschmack der Verantwortlichen des FC Hanau 93. „Die Arbeit an der Basis ist ganz wichtig für die Frage, wie erfolgreich wir in der Spitze sind“, sagte der DFB-Präsident und wies darauf hin, dass Stammspieler der aktuellen Nationalmannschaft wie Thomas Müller und Toni Kroos in kleinen Klubs das Kicken lernten – und eben auch Rudi Völler.

„Wir waren Feierabend-Profis“Dieser wurde dann von Ralf Scholt, Moderator der Talkrunde und Sportchef des Hessischen Rundfunks, auf die Bühne geholt. „Kompliment, ein Jahr zweite Liga – darauf würden andere Vereine gerne zurück blicken“, gratulierte Rudi Völler dem FC Hanau 93, ehe ein besonderes Aufeinandertreffen im Fokus stand. Scholt verzückte dann nämlich das Publikum mit der Zusammenfassung des Zweitliga-Spiels der Saison 78/79 zwischen Hanau 93 und den Offenbacher Kickers mit Stürmer Rudi Völler.

Auch Michael Krumbe (Torwart) und Karl-Heinz „Fuzzi“ Schleiter wurden kurzerhand im Anschluss aus dem Publikum zur Talkrunde dazu geholt und plauderten allesamt aus dem Nähkästchen. „Wir waren Feierabend-Profis“, brachte es Schleiter auf den Punkt – von Profitum war damals nicht viel zu sehen, vielmehr wurde viermal pro Woche abends nach der Arbeit trainiert. Lachend erinnerte sich Krumbe, dass die Auswärtsfahrten mit Bus und Bahn zurückgelegt wurden und es zum Essen selbst gemachte Brote gab.

Kurzweiliger Abend mit großer Fußball-Prominenz Scholt nagelte Völler und Grindel schließlich noch auf die Themen Spielergehälter, die Relevanz von kleinen Vereinen und die Weltmeisterschaft im Sommer in Russland fest. Auch der in dieser Saison eingeführte und viel diskutierte Videobeweis war ein Thema.

Natürlich musste Rudi Völler noch erklären, warum er nie für den FC Hanau 93 gespielt hatte, sondern ein „Zechziger“ geblieben ist. „Mein Vater war viele Jahre Jugendleiter bei Hanau 60 und da gab es einen Vorfall“, beginnt Völler zu erzählen. Auch sein Onkel und dessen vier Söhne waren eingefleischte „Zechziger“, bis Rudi Völlers Cousin, der jüngste Sohn seines Onkels, mit 18 oder 19 Jahren den Verein wechselte – nämlich zu Hanau 93. „Ihr dürft es mir glauben – ein Familienkrach. Mein Vater hat mit dem Bruder meiner Mutter danach kein Wort mehr gesprochen“, kann Rudi Völler heute über den Vorfall lachen – genau wie das Publikum, das einen kurzweiligen Abend mit großer Fußball-Prominenz erlebte.

Freudiges Wiedersehen„Das war eine gelungene Veranstaltung“, freute sich Hans Jung, Pressesprecher von Hanau 93. „Wir sind sehr zufrieden, beide kamen sehr sympathisch rüber“, ergänzte Adolfo „Adi“ Alonso, stellvertretender Vorsitzender des Vereins, der das Geschenk von Reinhard Grindel stolz durch den Raum trug. Der DFB-Präsident überreichte dem Klub nämlich einen mit den Unterschriften der Nationalmannschaft signierten Ball.

Damit war der Abend aber nicht für alle beendet, auch wenn Rudi Völler und Reinhard Grindel – nachdem erneut alle Foto-Wünsche erfüllt waren – ratzfatz wieder verschwunden waren. Die Kicker der ehemaligen Zweitliga-Mannschaft ließen den Abend und das freudige Wiedersehen noch in einem Lokal ausklingen – sicherlich mit jeder Menge Anekdoten.

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