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Geschlossene Heimspielstätte: Während Drittligist HSG Hanau noch nicht weiß, ob die Saison fortgesetzt wird, herrscht für Oberligist SG Bruchköbel Klarheit. Nach dem Abbruch der aktuellen Spielzeit legen die Spieler im Individualtraining die Grundlage für die neue Saison.

Corona-Krise

HSG und SGB stellen sich auf Krise ein

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Die Ausbreitung des Coronavirus stellt auch die klassenhöchsten Handballvereine der Region vor unerwartete Herausforderungen: Kein Mannschaftstraining mehr, keine Spiele an den Wochenenden, keine Veranstaltungen und neben einer Einschränkung des alltäglichen Vereinslebens auch finanzielle Risiken durch Einnahmeausfälle. Wir haben bei der HSG Hanau und der SG Bruchköbel nachgefragt, wie sie mit der Ausnahmesituation umgehen.

Verzwickt ist die Trainingssituation beim Drittligisten HSG Hanau, denn in der 3. Liga Mitte ruht der Spielbetrieb bisher nur – offiziell erst einmal bis zum 19. April. „Ob und wie es danach weiter geht, wissen wir noch nicht“, sagt Oliver Lücke, der Trainer der Hanauer. Mannschaftstraining ist wegen Corona in dieser Zeit aber nicht möglich und auch den Plan, sich zumindest zu gemeinsamen Laufgruppen zusammenzufinden, hat die HSG rasch wieder verwerfen müssen. 

Trainingsplan für zuhause

Stattdessen hat Athletiktrainer Dominic Scholz Sebastian Schermuly und Co. einen Trainingsplan erstellt, den die Spieler individuell abarbeiten müssen; dieser besteht neben Ausdauereinheiten auch aus Kräftigungsübungen, die jeder Spieler zu Hause erledigen kann. „Die Jungs müssen sich fit halten“, meint Lücke, „entweder für die Fortsetzung der Saison nach der Pause oder eben, um eine gute Basis für die Vorbereitung auf die kommende Spielzeit zu legen.“

Nach den aktuellen Meldungen geht Lücke eher von Letzterem aus, will aber für alle Eventualitäten gerüstet sein. Einziger positiver Effekt der Zwangspause ist, dass die von vielen Verletzungen geplagten Hanauer nun ausreichend Zeit hätten, um alle Blessuren auszukurieren. 

Trainer stellen Weichen im Jugendbereich

Die Trainer stellen derweil im Hintergrund die Weichen, gerade im für die Hanauer so wichtigen Jugendbereich. „Da wissen wir noch gar nicht, wie es weiter geht mit den anstehenden Qualifikationsturnieren für die kommende Saison“, erklärt Lücke, „aber wir haben zumindest festgelegt, welcher Trainer künftig welches Team trainieren wird.“ Statt wie üblich in einem persönlichen Treffen besprachen die Hanauer das übrigens per Videokonferenz. Ähnlich übersichtlich ist der Trainingsbetrieb beim Oberligisten SG Bruchköbel, bei dem an Mannschaftstraining aktuell ebenfalls nicht zu denken ist. 

Wie bei den Hanauern auch haben die Spieler der SGB einen Trainingsplan bekommen, um sich in der freien Zeit fit zu halten, anders als beim Drittligisten haben die Bruchköbeler aber mehr Planungssicherheit: „Da die Saison in der Oberliga für beendet erklärt ist, wissen wir zumindest, dass wir bis zum Sommer keine Pflichtspiele mehr haben“, so Christian Beller, der Betreuer des Teams. 

Praktisch ausschließlich Laufen und Athletik stehen nun auf dem Plan der Bruchköbeler Spieler, die nun über ungewohnt viel Freizeit verfügen und diese teilweise für besondere sportliche Herausforderungen nutzen: SGB-Kapitän Jannik Hoffmann versuchte sich zum Beispiel an einer Laufeinheit über die Marathon-Distanz, die den Kreisläufer des Oberligisten an seine Grenzen brachte.

Situation bringt Vereine an finanzielle Grenzen

An die Grenzen bringt die Ausnahmesituation viele Vereine derweil auch finanziell: Von Fußballvereinen erschollen bereits erste Hilferufe, und durch die fehlenden Einnahmen durch ausgefallene Heimspiele werden auch die Handballklubs der Region belastet. Die SG Bruchköbel trifft das vorzeitige Saisonende vor diesem Hintergrund hart, schließlich hätten die Bruchköbeler noch fünf Heimspiele bestritten, die nun allesamt wegfallen.

 „Wie alle anderen Vereine auch haben wir mit diesen Einnahmen kalkuliert“, gibt Kazimir Balentovic, der zweite Vorsitzende der SGB, einen Einblick in die Konsequenzen der Corona-Krise, „und die Verluste werden uns schwer treffen.“ Allerdings hofft Balentovic auf die Solidarität von Zuschauern und Sponsoren sowie von Spielern und Trainern, um diese Situation zu meistern. 

In der Vergangenheit habe der Verein finanziell gut gewirtschaftet, es sei laut Balentovic aber möglich, „dass wir irgendwann einige harte Entscheidungen treffen müssen, zumal keiner weiß, wie lange die aktuelle Situation noch anhält. Und alle Planungen für die kommende Situation sind ebenfalls passé.“ 

Beim Drittligisten aus Hanau fallen derweil nicht nur der Saisonabschluss gegen die SG Nußloch weg – was allerdings durch die Insolvenz der SGN schon länger feststand – sondern auch das Derby gegen den TV Gelnhausen, welches erfahrungsgemäß für eine restlos ausverkaufte Main-Kinzig-Halle mit entsprechenden Umsätzen sorgt. 

Hanauer Team verzichtet auf Teil der Aufwandsentschädigungen

Den fehlenden Einnahmen begegnet die „HSG-Familie“ mit noch größerer Geschlossenheit und rückt noch enger zusammen. Dies zeige sich unter anderem darin, dass nahezu alle Spieler, Trainer und Betreuer auf einen Teil ihrer Aufwandsentschädigungen verzichtet hätten. Dadurch könne die HSG die aktuelle Saison ohne Minus abschließen und auch die laufenden Kosten für die kommenden Monate bedienen. Durch die „innere Stärke“, welche die Hanauer derzeit trotz der schwierigen Situation zeigten, würde der Verein aus dieser Ausnahmesituation gestärkt hervorgehen, wie Geschäftsstellenleiter Hannes Geist und der Sportliche Leiter Reiner Kegelmann betonten. 

Beide Vereine riefen zudem dazu auf, die Appelle der Bundesregierung umzusetzen und die sozialen Kontakte zu minimieren – und gehen mit gutem Beispiel voran: Die HSG verzichtete trotz einiger Meisterschaften auf die üblichen Ehrungen und Feiern, bei den Bruchköbelern gab es nach einer Sondersitzung des Vorstandes bereits in der Vorwoche eine „Vollbremsung“, wie Balentovic erklärte: „Wir haben von Vereinsseite jede Aktivität gestoppt. Das Wichtigste ist jetzt, dass wir uns an die Einschränkungen halten und alle gesund bleiben.“

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