Immer vorne dran: Lukas Abele bei der Leichtathletik-DM in Braunschweig als Tempomacher des Dresdeners Robert Farken.
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Immer vorne dran: Lukas Abele bei der Leichtathletik-DM in Braunschweig als Tempomacher des Dresdeners Robert Farken.

Einsatz in Finnland

SSC-Mittelstreckler macht Tempo: Lukas Abele als „Hase“ gefragt

Lukas Abele kann sich im Olympiasommer kaum vor Anfragen retten. Der Mittelstreckenläufer des SSC Hanau-Rodenbach, 2020 als deutscher 1500-Meter-Vizemeister erfolgreich und in diesem Jahr mit einer 800-Meter-Bestzeit von 1:48,05 Minuten gelistet, ist ein so versierter Tempomacher, dass sich die Topathleten des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) auf dem Weg zur angestrebten Olympiaqualifikation gerne seine Freundschaftsdienste sichern.

Hanau – Ob bei den nationalen Meisterschaften in Braunschweig, als Gast des früheren Olympiasiegers Dieter Baumann in Tübingen, nun im finnischen Kuortane oder gestern in Frankfurt: Lukas Abele hat sich inzwischen einen Namen als „Hase“ gemacht.

Denn er trifft das vorgegebene Tempo meist sekundengenau und zieht im Schlepptau das Tross der Läufer zu jeder gewünschten Zwischenzeit. Angesichts seiner eigenen 1000-Meter-Bestzeit von knapp unter 2:20 Minuten kann er theoretisch sogar Weltklassefelder anführen, aber ganz so weit ist es noch nicht.

Doch nach seinem überzeugenden Auftritt bei der Leichtathletik-DM in Braunschweig, als er seine eigenen Chancen hintenan stellte und für Robert Farken (Dresden) das Tempo machte, sodass dieser dann als deutscher Meister die Olympianorm über 1500 Meter unterbot, sind auch internationale Organisatoren auf ihn aufmerksam geworden – insbesondere dann, wenn Deutsche mit im Feld sind. So wie jetzt in Finnland. Marius Probst, der aktuelle deutsche Vizemeister des TV Wattenscheid, hat sich Lukas Abele als „Hasen“ gewünscht und ihn bekommen. „Eigentlich wollte ich ja selbst mal ein Rennen richtig durchlaufen, aber es ist für Marius die letzte Chance zur Olympianorm. Da ich den Flug und die Unterkunft bezahlt bekomme und an diesen Tagen keine andere Wettkampfmöglichkeit besteht, habe ich die Tempoarbeit bis zur 1000-Meter-Marke gerne zugesagt“, erklärte der 23-jährige Student, vor dem „IAAF-Bronze-Label-Meeting“, das am vergangenen Wochenende rund 150 Kilometer nördlich von Tampere stattfand.

Davor hatte er dem Wattenscheider bereits beim Hitzerennen in Tübingen zu einer Zeit von 3:36 Minuten verholfen, sodass lediglich gut eine Sekunde zur Olympianorm fehlte. Noch knapper ging es in Pfungstadt zu, diesmal über die 800-Meter-Distanz. Der deutsche Meister Marvin Heinrich (Eintracht Frankfurt) wünschte sich die 400-Meter-Zwischenzeit von 50,5 Sekunden und bekam 50,3 Sekunden vorgelegt. Bei 500 Metern in 64 Sekunden war dann Schluss für Abele, während Heinrich seinen Hausrekord auf 1:45,49 Sekunden verbesserte und gerade einmal 0,29 Sekunden über der DLV-Olympianorm blieb.

Auch in Finnland führten Abeles Dienste nicht zum gewünschten Erfolg. Probst scheiterte aufgrund von Achillessehnenproblemen an der Olympianorm.

Für Abele lohnt sich der Einsatz aber auch dann, wenn er nicht ins Ziel kommt. Denn durch die wiederholten, tempoharten Aufbaurennen, meist kombiniert mit weiteren Abläufen vor und nach der Führungsarbeit, geht es mit seiner eigenen Form stetig bergauf.

Was nach einer Achillessehnenverletzung in diesem Frühjahr auch nötig ist, um bei den im Juli folgenden Sportfesten ganz eigennützig die persönliche Bestzeit von 3:40 Minuten über 1500 Meter anzugreifen und sich dem Kreisrekord von Lauflegende Jürgen May (Oberrodenbach/3:39,2 Minuten) weiter anzunähern.  os

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