Sportschützen in Wartestellung: Im Schießsport ist Training am Schießstand möglich, allerdings leidet das Vereinsleben sehr unter dem Sportstopp.
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Sportschützen in Wartestellung: Im Schießsport ist Training am Schießstand möglich, allerdings leidet das Vereinsleben sehr unter dem Sportstopp.

Einsam am Schießstand

Sportschützen beenden Saison im Bezirk Main-Kinzig, Hoffnungen ruhen auf Bezirksmeisterschaften

  • Julia Meiss
    vonJulia Meiss
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Die Hoffnungen der heimischen Sportschützen ruhen alleine auf den Bezirksmeisterschaften, denn seit der letzten Vorstandssitzung des Schützenbezirks 30 Ende vergangener Woche herrscht im Ligabetrieb Klarheit: Die Wettkampfsaison 2020 Luftgewehr, Luftpistole und Großkaliberpistole ist abgesagt.

Region Hanau –„Außerdem haben wir in einem Meeting auf Landesebene beschlossen, dass die Landesmeisterschaft 2021 ausfällt, aber die Bezirksmeisterschaften ausgetragen werden sollen“, gibt der Langenselbolder Frank Sczeburek bekannt. Der 64-Jährige ist Mitglied im Schützenverein Tell Rückingen und darüber hinaus Bezirkssportleiter. Dass Bezirksmeisterschaften ausgetragen werden sollen, während die qualitativ hochwertigere Landesmeisterschaft auf keinen Fall stattfindet, hat einen guten Grund. Denn der Deutsche Schützenbund (DSB) hält an der Austragung der deutschen Meisterschaften fest – und dafür muss es eine sportliche Qualifikation geben. „Um vorher Bezirks- und Landesmeisterschaften auszutragen, fehlt die Zeit. Daher werden die Meldeergebnisse der Bezirksmeisterschaften über die Qualifikation zur deutschen Meisterschaft entscheiden. Es wird über die Ringzahl gehen“, erklärt Frank Sczeburek das geplante Prozedere.

Keine Landesmeisterschaft, dafür dienen Ergebnisse der Bezirksmeisterschaft zur DM-Quali

Der Funktionär ist bereits tief in die Planungen der Bezirksmeisterschaften eingestiegen, denn der Ausfall der Landesmeisterschaft bedeutet einen Mehraufwand. Denn teilweise wird bei der Meisterschaft auf Landesebene in einem anderen Modus geschossen, nämlich mehr Schuss pro Schütze, und diese Vorgaben müssen nun bei der Meisterschaft auf unterster Ebene umgesetzt werden. Das bedeutet, dass pro Schütze mehr Zeit eingeplant werden muss, was sich auf den Zeitplan auswirkt. Hinzu kommt noch ein anderer Aspekt: „Als nächstes brauche ich die Meldungen der Vereine. Ich rechne mit etwa 1400 Starts, also brauchen wir etwa acht Wochenenden für die Meisterschaft. Die Ergebnisse der Bezirksmeisterschaften müssen dann bis Anfang Juli gemeldet werden, sodass wir im Mai beginnen müssen.“ Die Vorlader-Ergebnisse müssen bis spätestens 7. Juni gemeldet werden.

Bis dahin wartet noch viel Arbeit auf den Bezirk und die potenziell ausrichtenden Vereine, die von Sczeburek bereits angefragt worden sind, ob sie ihre Schießstände zur Verfügung stellen. Und dann wäre da noch die Unsicherheit, denn die allererste Voraussetzung für das Stattfinden der Bezirksmeisterschaft ist, dass vorher der Sportbetrieb, der aufgrund der Corona-Pandemie komplett ruht, wieder hochgefahren wird.

Norbert Link

„Das Problem ist, dass das Training fehlt“, sagt daher Norbert Link, Vorsitzender von Hubertus Niederrodenbach. Er bezeichnet den Beschluss, die Landesmeisterschaft ausfallen zu lassen und stattdessen auf die Bezirksmeisterschaft zu setzen, als „logische Alternative“. Wie viele andere Vorstände von Sportschützenvereinen brennt der 73-jährige Rodenbacher darauf, dass das Vereinsleben wiederbelebt wird – vorausgesetzt, dass die Pandemielage dies auch zulässt, denn „die Gesundheit ist wichtiger“. Dennoch findet Norbert Link, der zum zweiten Mal nach zwölf Jahren am Stück dem Niederrodenbacher Verein vorsteht, drastische Worte: „Das gesellschaftliche Vereinsleben ist tot. Dadurch, dass nichts stattfindet, sind uns die Jugendlichen abgesprungen. Sie sind zwar noch nicht ausgetreten, haben aber keine große Motivation mehr. Das hat schwer reingehauen bei uns.“

Eine vereinsinterne Kommunikation, wie sie aus einigen Mannschaftssportarten mit gemeinsamen Trainingseinheiten via Online-Meeting bereits bekannt ist, ist in der Einzelsportart Sportschießen nur schwer in Gang zu bringen. Dafür haben die Sportschützen wiederum einen kleinen Vorteil gegenüber den Mannschaftssportarten: Sie dürfen durchaus auf den Schießstand, weil Individualsport erlaubt ist. „Es sind geschlossene Räume und wir dürfen jeweils nur zu zweit rein. Einer schießt und einer hat die Aufsicht, das ist aus waffenrechtlicher Sicht Pflicht“, erklärt der langjährige Vorsitzende Norbert Link. Auch müssen die Coronaregeln eingehalten werden. Die Absprache findet per WhatsApp statt, damit auch immer nur zwei Sportler vor Ort sind.

Aber auch ein Training in den eigenen vier Wänden ist für Sportschützen möglich – natürlich nicht mit scharfer Munition. Und nur für Erwachsene. „Wer höherklassig schießt, kann zu Hause Trockentraining, also zum Beispiel Haltetraining machen“, erklärt Link und weist ausdrücklich daraufhin, dass das für Minderjährige verboten ist.

An der allgemeinen Lage wird sich nach Links Auffassung so schnell nichts ändern. Der Rodenbacher rechnet erst mit einem normalen Vereinsleben, wenn ein Großteil der Bevölkerung der Bundesrepublik gegen das Coronavirus geimpft ist. (Julia Meiss)

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