Das Spiel wurde nach einem Angriff auf den Schiedsrichter abgebrochen. Symbolfoto: Scheiber

Fußball

Spielabbruch beim Hallenturnier: Sportgericht fällt Urteil

Fußball. Der Spielabbruch im Rahmen eines Hallenturniers von RW Großauheim Anfang Januar hatte für den TSV 1860 Hanau die befürchteten Folgen.

Der A-Ligist wurde vom Kreissportgericht unter Federführung des Vorsitzenden Günter Klein-Alstädde wegen verschuldetem Spielabbruch mit einem Abzug von drei Punkten und einer Geldstrafe von 200 Euro bestraft. Spielertrainer Hakim Kaya wurde wegen unsportlichem Verhalten gegenüber dem Schiedsrichter bis zum 2. Mai 2020, längstens aber zwölf Pflichtspiele gesperrt.

Der Zeuge Kerem Kaya wurde wegen ungebührlichem Verhalten während der mündlichen Verhandlung mit einer Geldstrafe von 25 Euro belegt. Einschließlich der Verfahrenskosten müssen die Sechziger 345 Euro berappen.

Keine Bestätigung der Zeugen

Wie berichtet kam es im Spiel zwischen RW Großau-heim und 1860 Hanau nach einer Roten Karte für den Sechziger-Spieler Serkan Bayin zu einer Rudelbildung, in deren Mittelpunkt der Schiedsrichter stand. Laut Aussage des Unparteiischen sei er vom TSV-Spielertrainer Hakim Kaya mit zwei Händen umgeschubst worden, wodurch er hinfiel. Diese Aussage wurde von keinem der 14 gehörten Zeugen bestätigt, warum der Referee umgefallen ist, konnte letztlich nicht geklärt werden.

Trotzdem blieb er bei seiner Aussage. An diesem Punkt setzt die Kritik von Jens Marso an. „Wenn 14 Leute es anders gesehen haben als der Schiedsrichter selbst, fragt man sich schon, wer eigentlich Recht hat“, meint der sportliche Leiter der Sechziger.

Sportgericht kritisiert die TSV-Spieler

Das Sportgericht wertete das Vorgehen Hakim Kayas gegen den Schiedsrichter nicht als Tätlichkeit sondern als unsportliches Verhalten. „Das Anfassen des Schiedsrichters und die bedrohliche Annäherung sind unstrittig als unsportliches Verhalten zu werten und nicht am unteren Level des Strafmaßes zu ahnden“, heißt es im Urteilsspruch. Eine Sperre von sechs Wochen plus weitere vier Wochen wegen des Herbeiführens eines Spielabbruches und die Berücksichtigung der pflichtspielfreien Zeit ergeben eine Sperre von insgesamt drei Monaten bis zum 2. Mai für den Spielertrainer.

Das Sportgericht übte scharfe Kritik am Verhalten der TSV-Spieler. „Wenn mehrere Menschen bedrohlich und lautstark auf einen zukommen, kann man schon Angst bekommen. Zumal wenn der verängstigte erst 16 Jahre alte Schiedsrichter noch von einem Spielertrainer am Arm angefasst wird“, heißt es in der Urteilsbegründung. Das Sportgericht stellt in diesem Zusammenhang die Frage nach der Vorbildfunktion eines Trainers.

Geldstrafe und Punktabzug

Dass der Unparteiische nicht mehr in der Lage war, das Spiel fortzusetzen, sei unstrittig. Das Sportgericht appellierte an Trainer und Spieler des TSV 1860 Hanau, zukünftig ihr Verhalten gegenüber dem Schiedsrichter zu überdenken. Der berechtigte Spielabbruch sei zu ahnden.

Wobei die Strafordnung eine Geldstrafe zwischen 50 und 1 500 Euro plus Spielverbot von einem halben bis sechs Monate oder einen Punktabzug von drei bis 24 Punkte vorsieht. Das Sportgericht hielt eine Geldstrafe von 200 Euro und einen Punktabzug von drei Zählern für angemessen. Genau diese drei Punkte tun nach Aussage Marsos den Verein besonders weh. Die Sechziger waren seither Dritter der A-Liga punktgleich mit Germania Dörnigheim II und den Sportfreunde Ostheim (alle 36 Punkte) und nur einen Zähler hinter dem Zweiten Victoria Heldenbergen (37).

Einspruch steht aus

Die drei Zähler könnten in der Endabrechnung dem Traditionsverein im Kampf um den Aufstieg in die Kreisoberliga fehlen. Entsprechend zurückhaltend zeigte sich Marso bei der Frage, ob der Verein eventuell Einspruch einlegen wird. „Das hängt ab vom Gespräch heute Abend mit Abteilungsleiter Dieter Dürr und Trainer Hakim Kaya“, meinte der 52-Jährige. geb

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