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Wieder einmal hingefallen und aufgestanden: Die Situation beim FC Hanau 93 (links Spielführer Ljubisa Gavric im Spiel in Baunatal) ist laut Abteilungsleiter Giovanni Fallacara besser als vor der Corona-Krise.

Spendenaufruf bringt rund 10 000 Euro

Über 30 Gönner sichern Hanau 93 notwendige Liquidität – Gemeinnützigkeit bestätigt

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Kurz nach Aussetzen des Spielbetriebs hat Hessenligist FC Hanau 93 mit einem Spendenaufruf über die soziale Medien für Aufsehen gesorgt und Initiator Giovanni Fallacara dafür teils geharnischte Kritik einstecken müssen. Fünf Wochen später sieht sich der Fußballfunktionär bestätigt.

„Ich war der Erste, der die Situation so und richtig eingeschätzt hat und der sich für seinen Verein getraut hat, in die Offensive zu gehen. Andere Vereine haben Spendenaktionen nachgezogen“, sagt Fallacara und verweist unter anderem auf Verkaufsaktionen sogenannter Geistertickets, mit denen beispielsweise Klubs wie die Regionalligisten Kickers Offenbach oder Viktoria Aschaffenburg bei ihren Freunden und Gönnern um Unterstützung werben. Auch in Hanau verstummte der von Fallacara und dem stellvertretenden Vereinsvorsitzenden Adolfo Alonso abgesetzte Hilferuf schließlich nicht wirkungslos. 

Über 30 Spender wurden aktiv, herausgekommen ist eine Summe von rund 10 000 Euro. Rückwirkend konnte damit das Gros der bis Mitte März aufgelaufenen Zahlungsverpflichtungen an den Spielerkader abgedeckt werden. Dass sein Verein schon vor Corona nicht frei von finanziellen Sorgen war, verhehlt der 42-Jährige nicht und hat es auch in Zeiten des Spendenaufrufs nicht getan. Fallacara betont in diesem Zusammenhang, dass auch bei Hanau 93 die Spieler und Trainer auf Zahlungen in der Corona-Pause verzichten. 

Fallcara sieht Verein auf einen guten Weg

„Wir mussten diesbezüglich gar nicht tätig werden, das Team ist von sich aus auf uns zugekommen.“ Die Pläne für die nächste Spendenaktion liegen bereits in Fallacaras Schublade. Geholfen werden soll dann den Hinterbliebenen der Opfer des im Februar in Hanau verübten Terroranschlags. Demnächst will der Hessenligist das auch mit Oberbürgermeister Claus Kaminsky abgesprochene Konzept der Öffentlichkeit vorstellen. 

Auf den Verein bezogen, wähnt der Fußball-Abteilungsleiter und kommissarische Vorsitzende des Fördervereins seine 93er finanziell auf einem guten Weg. Schulden seien in den vergangenen Monaten gezielt abgebaut worden. Verein und Förderverein haben vom Finanzamt die Gemeinnützigkeit bestätigt bekommen, am 27. März wollte der HFC seinen Mitgliedern auf der Jahreshauptversammlung positive Zahlen beziehungsweise gute Entwicklungen im eingeschlagenen Konsolidierungskurs präsentieren. Diesmal machte das Coronavirus und das damit einhergehende Versammlungsverbot dem HFC-Vorstand einen Strich durch die Rechnung. Es will beim früheren Zweitligisten irgendwie nicht klappen mit dem Abhalten turnusmäßiger Mitgliederversammlungen.

Situation der Amateure anders als die der Profis

 „Wir waren gut auf die Mitgliederversammlung vorbereitet und werden gestärkt nach der Corona-Pause zurückkommen“, versprüht der Italiener Zuversicht. In Sachen Saisonfortsetzung wagt Giovanni Fallacara dagegen eine düstere Prognose: „Ich glaube, in diesem Jahr wird gar kein Fußball mehr gespielt.“ Seine Begründung: „Solange es keinen Impfstoff gibt, wird es auch das Abstandsgebot geben. Und das macht Fußballspielen auf Amateurebene unmöglich.“ 

Mit der Situation bei den Profis sei die aktuelle Lage in den Amateurligen nicht zu vergleichen, da der Kreis an Profispielern überschaubar ist und dort anders als im Breitensport auch gezielt getestet werden könne. Geisterspiele seien keine Option. „Es geht auch nicht um 80 Zuschauer, die sich auf dem gesamten Sportgelände verteilen könnten, sondern um die Sportler, die ja auch Zweikämpfe bestreiten müssen.“ Für Fallacara wäre daher ein Saisonabbruch eine faire und logische Entscheidung. Zum einen, um den Vereinen Planungssicherheit zu geben und auch deshalb, weil die Wettbewerbe nach einer womöglich mehrmonatigen oder gar einjährigen Unterbrechung nicht mehr vergleichbar mit den Kräfteverhältnissen der ursprünglichen Saison wären. 

Auswirkung von Corona könnte sehr verheerend sein

Vor einem Neustart könnte man Spielern und Vereinen Wechsel ermöglichen, bei einer Fortsetzung ab September, wie bereits von einigen Funktionären des Hessischen Fußball-Verbands ins Spiel gebracht, fiele diese Möglichkeit wohl weg. Die Spieler von Trainer Michael Fink halten sich weiterhin nach den vom Ex-Profi ausgegebenen Laufplänen individuell fit, schließlich könnte es im besten Fall ja Mitte Mai weitergehen. „Mehr können wir nicht machen. Für mich ist das aber eine Selbstverständlichkeit, dass sich ein Hessenligaspieler fit halten will“, sieht Fallacara nicht den geringsten Ansatz am Fitnesszustand seines Teams zu zweifeln. Der Inhaber eines Reinigungsfachbetriebs kann sich derzeit nicht über Langeweile nicht beklagen, denn seine Branche boomt auch, oder gerade in diesen schwierigen Corona-Zeiten. Fallacara hat sein Personal auf 86 Mitarbeiter aufgestockt, darunter sind auch einige Kickers des Hessenligisten, weswegen Fallacara auch unter der Woche genügend Zeit findet, um sich zum Thema Fußball auszutauschen. 

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie könnten laut Fallacara für den Amateurfußball verheerend sein. „Ich habe schon Anfang März ein Massensterben von Teams in den Mannschaftssportarten vorausgesagt und dabei bleibe ich.“

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