Hat einen Lauf: Marco Veit hat in den ersten beiden Saisonspielen schon sechsmal für Germania Niederrodenbach getroffen. Nebenbei trainiert der stellvertretende Jugendleiter auch zwei E-Jugend-Mannschaften.
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Hat einen Lauf: Marco Veit hat in den ersten beiden Saisonspielen schon sechsmal für Germania Niederrodenbach getroffen. Nebenbei trainiert der stellvertretende Jugendleiter auch zwei E-Jugend-Mannschaften.

KREISOBERLIGA

Sieben-Tage-Woche für die Germania: 21-Jähriger Marco Veit ist Torjäger, Jugendtrainer und Hygienebeauftragter

  • vonDavid Lindenfeld
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Wenn Marco Veit ins Tempo kommt, ist er meist nicht mehr zu halten. Der Stürmer von Germania Niederrodenbach zählt zu den schnellsten Spielern in der Kreisoberliga und hat in der laufenden Spielzeit schon sechs Tore in zwei Spielen erzielt. Für die Germania ist der 21-Jährige zu einer der zentralen Figuren auf und abseits des Platzes geworden. „Was mir unglaublich imponiert ist, dass er 24 Stunden für den Verein da ist. Das habe ich in der Form noch nicht erlebt, vor allem bei einem so jungen Spieler“, sagt sein Trainer Volker Sedlacek.

Rodenbach – Marco Veit ist für die Niederrodenbacher Fußballer sieben Tage in der Woche im Einsatz. Wenn die Familie den Stürmer mal abseits der üblichen Zusammenkünfte an den Feiertagen länger sehen will, muss sie schon auf den Sportplatz kommen. „Manchmal kommt die Familie dadurch leider etwas zu kurz“, sagt Marco Veit, der stellvertretender Jugendleiter, Trainer von zwei E-Jugend-Mannschaften und Hygienebeauftragter bei der Germania ist.

Die Woche des 21-Jährigen lässt daher kaum Raum für Aktivitäten außerhalb des Waldstadions. Dienstags und donnerstags trainiert er mit seiner Mannschaft, mittwochs und freitags leitet Marco Veit die E-Jugend-Teams an, die meist samstags spielen. Sonntags streift er sich selbst das Trikot über. Und an jedem Montag, der ursprünglich mal frei war, lässt er sich als Hygienebeauftragter derzeit auch immer auf dem Vereinsgelände blicken, um zu schauen, ob alle Vorgaben eingehalten werden und den Eltern als Ansprechpartner zur Verfügung zu stehen.

Marco Veit brennt für den Verein, seit er zum ersten Mal im Alter von drei Jahren die damals noch kleinen Kickschuhe für die Rodenbacher schnürte. Obwohl seine Mannschaften in der B- und C-Jugend oft hoch abgeschossen wurden, hielt er dem Klub die Treue. „Ich habe nie an einen Wechsel gedacht“, sagt Marco Veit und fügt dann schnell hinzu: „Und ich hoffe, das wird auch nie passieren.“

Das dürfte auch im Interesse der Germania liegen. Nachdem Marco Veit von Jochen Breideband in der Winterpause der Gruppenliga-Saison 2018/19 in die erste Mannschaft hochgezogen wurde, erzielte er in der Rückrunde vier Treffer. In der vergangenen Saison gelangen dem Angreifer bis zum Abbruch in der Kreisoberliga 19 Tore. Und nun hat Marco Veit nach zwei Spielen schon wieder sechsmal getroffen.

„Der Start fühlt sich sehr gut an. Nicht nur auf mich bezogen, sondern auf die ganze Mannschaft.“ Im kleinen Germania-Kader mit nur 16 Feldspielern ist der Stürmer ganz vorne gesetzt. Sollte er ausfallen, könnten die Position in der Spitze Tobias Kühn oder Adrian Gepel bekleiden. Kühn ist allerdings eher auf dem Flügel zu Hause und Gepel gelernter Innenverteidiger, der von Breideband notgedrungen umgeschult wurde.

Die Stürmerfrage beschäftigt die Germania schon seit geraumer Zeit. Der Klub hätte in den vergangenen Jahren immer mal wieder gerne einen Angreifer verpflichtet, auch in dieser Sommerpause, um den Kader breiter aufzustellen – der Markt habe allerdings nichts hergegeben, meint Sedlacek.

Mit Marco Veit im Sturmzentrum scheint der Klub nun die optimale Lösung in den eigenen Reihen gefunden zu haben, wenngleich sein neuer Trainer betont, dass er beim 21-Jährigen „noch viel Luft nach oben“ sehe, vor allem im Defensivverhalten, der körperlichen Präsenz auf dem Platz und im Kopfballspiel.

Marco Veit stimmt seinem Trainer zu: „Ich muss auf jeden Fall am Defensivverhalten und der Laufbereitschaft arbeiten, aber auch am Kopfballspiel. Ich bin 1,93 Meter groß und habe im Seniorenbereich, glaube ich, noch nie ein Tor mit dem Kopf erzielt. Es sei denn, ich wurde angeschossen“, erklärt der Angreifer und lacht.

Als Wandspieler mit dem Rücken zum Tor mache er immer mehr Fortschritte, sagt sein Coach, der sich in Niederrodenbach gut zurechtgefunden hat und mit der Vorbereitung und dem Saisonstart zufrieden ist. Und auch im Spiel gegen den Ball wird Marco Veit immer besser: „Ich habe mit ihm während der Vorbereitung darüber gesprochen, wie ich mir das vorstelle. Das hat er erst zögerlich, dann immer besser angenommen. Je mehr er für die Mannschaft defensiv macht, desto häufiger kommt er in vielversprechenden Situationen an den Ball. So sind auch in dieser Saison schon Tore gefallen“, erklärt Sedlacek.

Für ihn und für Marco Veit steht fest, dass in dieser Runde viel davon abhängen wird, wie gut die Germania mit dem kleinen Kader durch die englischen Wochen kommt und ob das Team von Verletzungen verschont bleibt. Ist Letzteres der Fall, können die Niederrodenbacher in diesem Jahr wieder ganz oben angreifen.

Als Ziel hat Sedlacek das vordere Drittel ausgegeben. Marco Veit, der mit seinem Team am morgigen Sonntag beim KSV Langen-Bergheim zu Gast ist, will unter die ersten drei. Sein langfristiges Ziel ist der Aufstieg in die Gruppenliga mit anschließendem Klassenerhalt.

Trifft der Stürmer weiter im Schnitt dreimal pro Spiel, hätte er am Saisonende 114 Tore erzielt. Doch keine Frage: Schon weitaus weniger Treffer würden reichen, um der anvisierten Spielklasse ein großes Stück näher zu kommen.

Von David Lindenfeld

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