Den Adler auf der Brust: Sebastian Vogl (Torwart), heute Keeper seines Heimatvereins SV Kilianstädten, hat im 2009 mit der DFB-Auswahl ein Freundschaftsspiel gegen Burkina Faso bestritten. Dabei waren (stehend von lins) Felix Klaus, Daniel Hofstaetter, Tobias Schilk, Kevin Volland, Onur Cenik, Sebastian Vogl und (kniend von links) Julian Korb, Elias Kachunga, Manuel Janzer, Willi Evseev sowie Yunus Malli. Foto: Privat

Fußball

Sebastian Vogl: Früher beim DFB, heute an der Langhantel

Fußball. Mit Sebastian Vogl steht beim Kreisoberligisten SV Kilianstädten ein Torwart zwischen den Pfosten, der in seiner Karriere viel erlebt hat: Erst Jugendnationalspieler, dann das jähe Ende der Profikarriere wegen gesundheitlicher Probleme, schließlich ein Neuanfang im Heimatort und die Rückkehr zu seinem Jugendverein.

Von Robert GieseDenn beim SV Kilianstädten machte Vogl einst seine ersten fußballerischen Gehversuche. Schnell zeigte sich das Talent des Schlussmannes, der daraufhin in der Jugend von Eintracht Frankfurt und Mainz 05 spielte und regelmäßig im Kader der Jugendnationalmannschaften stand. „Zusammen mit Spielern wie Bernd Leno oder Marc-André ter Stegen“, erinnert sich der Torwart – beide sind heute Weltklassetorhüter.

Trainierte mit Weltklasse-Torhütern

Für Vogl hingegen hat sich der Traum von der ganz großen Fußballkarriere nicht erfüllt: Er spielte eine Weile in der Regionalliga, wurde allerdings früh ausgebremst. „Ich bin wohl anfällig für Thrombosen“, erzählt der 27-Jährige, „und in einem Spiel habe ich mal einen Schlag aufs Bein bekommen, wodurch sich eine Thrombose gebildet hat. Diese ist dann gewandert, weshalb ich eine Lungenembolie hatte.“ Zwei potenziell lebensgefährliche Lungenembolien hatte Vogl, ehe er mit dem höherklassigen Fußball abschloss und sich bereits mit Mitte 20 neu orientieren musste.

So heuerte Vogl bei Hanau 93 als Torwarttrainer an, und da er weiterhin „Bock zu kicken“ hatte, stellte er sich in Oberdorfelden ein paar Ligen niedriger wieder zwischen die Pfosten. Im vergangenen Sommer erfolgte dann der Wechsel zurück zu seinem Heimatverein nach Kilianstädten, vor allem aus familiären Gründen: „Mein Cousin ist dort im Vorstand und hat mich angesprochen“, so Vogl zu den Hintergründen, „und da der Verein ein bisschen im Umbruch ist, mit vielen jungen Leuten im Vorstand, habe ich zugesagt.“

Den Schritt hat der frühere Jugendnationalspieler nicht bereut, denn beim Kreisoberligisten „fühle ich mich sehr wohl, es könnte hier nicht besser laufen.“ Zwar muss der Schlussmann nun häufiger hinter sich greifen als bei seinen früheren Vereinen, denn der SVK musste in 19 Spielen schon 42 Gegentore hinnehmen, aber damit kann Vogl leben. „Wenn wir gewinnen, sind mir die Gegentore egal, da kann es meinetwegen auch ein 4:3-Sieg sein“, so der 27-Jährige.

Arbeitet hauptberuflich als Strength Coach im eigenen Gym

Auch beruflich hat der Torwart viel mit Sport zu tun und ist inzwischen ausgebildeter Strength Coach. „Ich habe während meiner Karriere bereits mit einem persönlichen Trainer zusammengearbeitet und da war mir schon klar, dass ich mir so etwas auch irgendwann einmal vorstellen kann“, erläutert Vogl. Nach dem frühen, unfreiwilligen Karriereende beim Fußball sattelte der Torwart also rasch um und eröffnete ein eigenes Gym – damals noch im Keller seines Elternhauses.

Inzwischen ist Vogl in das „Basement Gym“ im Herzen von Kilianstädten umgezogen, wo er auf 200 Quadratmetern dafür sorgt, dass seine Kunden fit werden. Sein Gym ist dabei kein klassisches Fitnessstudio, denn Vogl legt großen Wert auf intensive persönliche Betreuung. „Wir machen viel Gruppentraining mit maximal zwölf Personen“, so der 27-Jährige, „vor allem Krafttraining mit Lang- und Kurzhanteln.“ Um immer auf dem neuesten Stand zu bleiben, bildet Vogl sich permanent fort.

Hat Hobby zum Beruf gemacht

Davon profitiert auch seine Fußballmannschaft, die während der Sommer- und Wintervorbereitung einmal pro Woche im Gym zu Gast ist. „Das hilft durchaus, gerade beim Durchsetzungsvermögen“, bestätigt Vogl. Einige seiner Mitspieler trainieren auch während der Saison regelmäßig bei ihm.

Beim Fußball hat der Torwart inzwischen keine persönlichen Ziele mehr, ist dem SVK aber sehr verbunden: „Es wäre super, wenn wir am Ende der Saison unter den ersten acht stehen. Wie lange ich selbst noch spiele, muss ich von Jahr zu Jahr schauen, aber es ist gut möglich, dass Kilianstädten meine letzte Station ist.“ Neben dem Fußball ist Vogl mit seinem Gym ohnehin schon angekommen: „Ich habe das Glück, dass ich nach meiner Fußballkarriere mit dem Gym schon zum zweiten Mal mein Hobby zum Beruf gemacht habe.“

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